Jülich - Dagegen ist kein Kraut gewachsen

Dagegen ist kein Kraut gewachsen

Von: Otto Jonel
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Zu übersehen ist die Herkulesstaude nicht. Am Rurufer zwischen Broich und Barmener See hat sich die nicht ungefährliche Pflanze breit gemacht. Foto: Jonel

Jülich. Übersehen kann man sie nicht, die Herkulesstaude oder auch Riesenbärenklau genannt. Mit weit ausladenden Blättern und der stattlichen Höhe von bis zu drei Metern ist die Pflanze ein Blickfang. Und dabei sollte man es tunlichst belassen – beim Anblicken.

Mittlerweile hat sich hinlänglich herumgesprochen, dass dieser botanische Einwanderer, der sich mit Vorliebe an den Flussufern breit macht, auf allzu engen Kontakt ziemlich aggressiv reagiert.

Der Neophyt, wie man eingewanderte oder eingeschleppte Pflanzen bezeichnet, wird entlang der Rur oder der Inde nicht „systematisch bekämpft“, wie Markus Seiler vom Wasserverband Eifel-Rur betont. Allenfalls dort, wo der Riesen-Bärenklau zu nah an Uferwegen steht, geht man im Rahmen der Gewässerunterhaltung massiv gegen Heracleum giganteum. Im Stadtgebiet Linnich beispielsweise im Bereich des Skulpturenwegs an der Rur.

Ansonsten lässt man die Staude unangetastet – und beobachtet einen „rasanten Vermehrungsprozess“, so Markus Seiler. Dagegen ist menschliches Bemühen zwecklos. „Wir müssen im Bewusstsein verankern, dass die Herkulesstaude eine Pflanze ist, von der man besser die Finger lässt.“ Diese Haltung hat sich offenbar schon durchgesetzt. Bisher sei bei ihm noch kein Fall angekommen, dass sich Menschen beim Kontakt mit der Herkulesstaude verletzt hätten, sagt der Sprecher des Wasserverbandes – auch nicht in den Renaturierungsgebieten, wie etwa zwischen Linnich und Körrenzig, wo keine Mäharbeiten erfolgen. Dort, wie auch am Rururfer zwischen Broich und Barmener See, wachsen „ganze Wälder“ der Pflanze.

Die Verbreitung des Einwanderers aus dem Kaukasus bestätigt auch Dr. Lutz Dalbeck von der Biologischen Station des Kreises Düren. „Wir planen nicht, gegen den Riesen-Bärenklau vorzugehen.“

„Die Herkulesstaude hat überall entlang der Rur Fuß gefasst. Eine Bekämpfung ist nahezu unmöglich.“ Im Bereich der Indemündung etwa komme „von oben viel Samen nach“. Wo der Riese gekappt und seine Wurzel zerstört werden, sitzt sozusagen schon der Zwerg im Boden, um eine neue Generation wachsen zu lassen. „Der Zeitpunkt zur Bekämpfung ist vorbei“, lautet die nüchterne Einschätzung des Experten. Flächendeckende Maßnahmen sind extrem aufwändig, vor allem personell. Aktionen wie in der Städteregion Aachen, wo mit Weidenanpflanzungen die Ausbreitung der Herkulesstaude eingedämmt werden soll, sind aus Sicht Dalbecks nur punktuell sinnvoll.

Der Riesen-Bärenklau mag angesichts seiner Größe ein auffälliger pflanzlicher Einwanderer sein, der einzige Neophyt ist er beileibe nicht. „Das Drüsige Springkraut breitet sich extrem aus“, schildert Dalbeck. Ursprünglich in Inden beheimatet bedecke Impatiens glandulifera in unseren Breiten ganze Grünlandflächen. Ein meldepflichtiger invasiver Neophyt ist die Beifuß-Ambrosie. Diese Pflanze, die sich über Vogelfutter verbreitet hat, ist meldepflichtig. Ihr sagt man ein hohes allergenes Potenzial nach. Ein Riese mit bis zu vier Metern Höhe ist der Japanische Staudenknöterich , der ebenfalls als problematische invasive Pflanze gilt.

Nach einer Erhebung des Bundesamtes für Naturschutz liegt der Anteil der in Deutschland etablierten Neophyten bei zehn Prozent aller Pflanzenarten. Nicht alle sind von dem Kaliber Riesen-Bärenklau. Glücklicherweise.

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