Dackweiler feiert „Heimatparty“ nach Tagebau-Beschluss

Von: Helmut Schiffer und Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
7469709.jpg
Erhard Dohmen (von links), Jürgen und Wolfgang Janz sprechen wieder über die Zukunft in ihrer Heimat, der Dackweiler Siedlung. Sie wird nicht abgebaggert und bleibt Teil der Gemeinde Titz. Foto: hfs.
7469713.jpg
Fordert die weitere enge Einbeziehung von Titz bei den Planungen: Bürgermeister Jürgen Frantzen. Foto: hfs.
7469718.jpg
Gut Dackweiler und die Dackweiler Siedlung sind nicht jedem geläufig, Ortsschilder gibt es nicht, wohl aber Hinweistafeln. Im hohen Norden des Kreises Düren leben laut Gemeinde 13 Menschen. Foto: hfs.

Titz/Dackweiler. Die Dackweiler Siedlung gehört zur Gemeinde Titz – und das bleibt auch so. Denn der hohe Norden des Kreises Düren – 380 Meter vom Kreis Heinsberg entfernt – darf sich nach den jüngsten Entscheidungen zur Verkleinerung des Tagebaus Garzweiler II über sein „Bleiberecht“ freuen, was sich sicher auch viele Menschen zum Beispiel in Inden, Altdorf, Pier oder noch früher in Lich-Steinstraß gewünscht hätten.

Die laut Verwaltung 13 Einwohner behalten nun Haus und Hof, ihre Heimat wird nicht abgebaggert. Auch die drohende steile Abbaukante kommt der Gemeinde nicht so nah wie geplant, was sicher auch in Gevelsdorf als gute Nachricht gewertet wird.

Allerdings: Die Gemeinde bleibt vom Tagebau betroffen, vor allem der Ortsteil Jackerath, vor dessen Toren der Bandsammelpunkt errichtet wird – mit Lärm- und Staubemissionen. Von daher hat Bürgermeister Jürgen Frantzen in dieser Woche darauf gedrängt, dass die weitere Planung – das Braunkohlenplanänderungsverfahren – natürlich eng mit den betroffenen Kommunen besprochen wird.

Zunächst nicht eingeladen

Eine offizielle Mitteilung über die geänderten Tagebaupläne hat die Gemeinde Titz allerdings bis heute nicht erhalten. „Mein Wissen habe ich aus den Zeitungen und Medien bezogen“, sagt Frantzen. Auch zu einem Gespräch über die neue Leitentscheidung des Landesregierung nächste Woche in Köln war Titz zunächst nicht eingeladen. „Ich wäre aber auch ohne Einladung dorthin gefahren, weil ich auf anderen Kanälen davon erfahren habe. Das ist wichtig für Titz, also muss ich dort hin. Das habe ich nach Düsseldorf kommuniziert und dann auch sofort eine Einladung bekommen“, sagte Frantzen im Gespräch mit unserer Zeitung. Viel Aufhebens will er nun nicht weiter darum machen, denn die Sache sei zu wichtig, „weil es immer noch sehr viele offene Fragen gibt“.

Den positiven Aspekt der Planänderung stellt auch Frantzen in den Vordergrund: „Das ist für die Dackweiler Siedlung und den Dackweiler Hof eine gute Entscheidung, auch für diesen Teil der Gemeinde grundsätzlich.“

Das sehen auch die wenigen Einwohner der Siedlung so. „Jetzt macht die Arbeit umso mehr Spaß, jetzt hat alles wieder einen Sinn“, sagt Erhard Dohmen, während er seinen Rasenmäher schiebt und über sein großes Grundstück in der Dackweiler Siedlung schiebt. Dort wohnt er seit 1953. Im Alter von drei Jahren zog er mit den Eltern von Opherten dorthin. Als er am Freitag Abend erfuhr, dass „seine“ Heimat sowie die Ortschaft Holzweiler im Zuge von Garzweiler II nicht umgesiedelt würden, „habe ich zuerst einmal ein paar Tränen vergossen. Und dann habe ich meine Nachbarn informiert. Es herrschte die pure Freude, wir konnten es gar nicht fassen. Es hat drei Tage gedauert, ehe wir es so richtig kapiert haben.“

Jürgen Janz zog mit Vater und Bruder 2008 von Neuss in die Dackweiler Siedlung. Dass ihnen der Makler damals verschwiegen habe, „dass wir bald abgebaggert würden“, habe man zuerst mit Resignation zur Kennntis genommen. „Aber dann haben wir uns gesagt, dass energiepolitische Ziele immer wieder einmal in Frage gestellt werden“, sagt Wolfgang Janz, der den Söhnen tatkräftig bei der anschließenden Instandsetzung des Hauses half.

Auch Christian Walderich, der ebenfalls in der Siedlung wohnt, hat gekämpft. Es ist nämlich nach seinen Worten kein Zufall, dass er sich wie Nachbar Dohmen den Titzer Bündnis-Grünen angeschlossen hat. „Seit Bekanntwerden der Umsiedlungspläne vor mehr als 30 Jahren gehöre ich dem Bündnis an“, sagt Dohmen. Er erinnert sich noch an den Ausspruch eines führenden CDU-Politikers, als die Grünen innerhalb der Verwaltung um Unterstützung bei den Protesten gegen die Abbaggerung gebeten hatten. „Da wurden wir gefragt, ob wir demnächst wieder mit Öllämpchen im Hause sitzen wollten.“

So kam der Gedanke, nach der Planänderung der Landesregierung „mit Öllämpchen dem damaligen Politiker einen Besuch abzustatten“, spontan auf, als sich die die zwölf Bewohner aus der Siedlung und dem Dackweiler Hof am Sonntag zur „Heimat-Party“ trafen. Er wurde schnell verworfen: „Denn bei aller Freude, dass wir hier bleiben dürfen, überwiegt doch auch der Gedanke an die Leute, die ihre Heimat verlassen müssen.“

Dieses Empfinden kommt besonders bei den Schäfers von Dackweiler Hof auf. Wie Erhard Dohmen berichtet, mussten sie schon einmal der früheren Rheinbraun und heutigen RWE Power weichen und ihre Heimat in Kaster verlassen. „Zwei Mal umgesiedelt werden, das ist schon sehr hart.“

Erfahrung hat sich eingeprägt

Bevor sich Erhard Dohmen weiterhin seiner Rasenpflege widmet, macht er noch eines deutlich. „Hätte man uns umgesiedelt, wir wären nie in der Gemeinde Titz geblieben. Denn von der haben wir nie Unterstützung im Kampf um unsere Heimat erfahren.“ Diese Erfahrung liegt allerdings viele Jahre zurück und hat damals sogar zu einer (kurzfristigen) rot-grünen Mehrheit im Titzer Rat geführt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert