Claudia Stump: Frauenkabarett der Spitzenklasse im KuBa

Von: René Blanche
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Jülich. „Alles Leben entspringt der Frau!“ Unter diesem Leitmotiv präsentierte die Diplom-Schauspielerin Claudia Stump ihr neues Frauenkabarett-Programm „Der Eva-Code“, und die Bühne im vollkommen ausverkauften Kulturbahnhof wurde an diesem Abend zum Friseursalon.

Selbstredend waren nicht nur Frauen gekommen, um sich den Soloauftritt der gebürtigen Jülicherin anzuschauen, aber eine 51-prozentige Frauenquote, die im anschließenden Bühnenprogramm auf hochkomische Art für alle Gesellschaftsbereiche eingefordert werden sollte, wurde auch beim Publikum verwirklicht.

Stump, die ihr Abitur 1985 am Gymnasium Zitadelle abgelegt hat und anschließend nach Hamburg gezogen ist, um dort die Schauspielschule zu besuchen, zeigte an diesem Abend ihr ganzes Können.

Anstatt als Kabarettistin mit einem Leitthema ein abendfüllendes Programm zu präsentieren, wie man es von so vielen Comedians derzeit gewohnt ist, verwandelte sich Claudia Stump in zahlreiche Figuren aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Milieus, die alle aus ihrem Blickwinkel zum Thema „Gleichberechtigung und Emanzipation der Frau“ Stellung nehmen – und dies auf äußerst humorvolle Weise.

Besonders beeindruckt zeigte sich das Publikum davon, mit welcher scharfsinnigen Genauigkeit und ausgeprägten Beobachtungsgabe Stump dabei ihre Bühnencharaktere gestaltet hatte.

Sehr wandlungsfähig

An einigen Stellen hatte man glauben können, es habe sich nicht um eine einzelne, sondern um mindestens drei oder vier verschiedene Darstellerinnen gehandelt. In der Rolle als Münchener Staatsanwältin mit perfektem bayerischem Akzent, präsentierte sich Claudia Stump als renitente Feministin, die all jene wegen unterlassener Hilfeleistung vor den Kadi zerrt, die der Emanzipation nicht geholfen hätten. Das Publikum, das bei dieser spaßigen „Gerichtsverhandlung“ die Rolle der Jury einnahm, wurde dabei sprichwörtlich von den Stühlen gerissen.

Kurz darauf erschien Stump als hoch studierte Hippiemutter aus Berlin auf der Bühne, die ihre Haltung zur Gleichberechtigung der Frau im perfekten Berlinerisch mit Hilfe der modernen Gentechnik zum Ausdruck brachte. Die dazu passende Gesangseinlage brachte erneut stürmischen Szenenapplaus.

Eine hochschwangere Karrierefrau aus dem Rheinland, die so schnell wie möglich aus dem Kreißsaal wieder an ihren Arbeitsplatz will, eine tussihafte Auszubildende, die lieber mit dem Wimpern klimpert, als sich mit der Emanzipation zu befassen: Alle Charaktere sind Kundinnen im fiktiven Salon der Friseurmeisterin Eva, und sie alle geben ihre Meinungen über die Rolle der Frau in unserer modernen Gesellschaft zum besten.

Und immer ist es – man glaubt es kaum – Claudia Stump, die ihren Figuren selbst Leben einhaucht. Ganze drei Jahre hat sie an der Ausarbeitung dieses Programms gefeilt, und das Jülicher Publikum liebte sie an diesem Abend dafür.

Passend zum Thema gab es für alle Kaffee und Kuchen, weil man sich dabei doch am besten über die „wirklich wichtigen Themen“ des Lebens unterhalten kann – wie die Absatzhöhe, den neuen Stufenschnitt, die Babypause, die Intimrasur oder die Frauenquote.

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