Christliche Grundwerte vorgelebt: Kolpingsfamilie erhält „Jülicher Klippe“

Von: Silvia Jagodzinska
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Alle Geehrten mit Laudator Dietmar Nietan MdB auf einen Blick: 19 Mitglieder der Jülicher Kolpingsfamilie wohnten der Verleihung der Jülicher Klippe durch den SPD-Ortsverein in der Schlosskapelle der Zitadelle bei. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Für mich ist Jesus ein Linker!“ Mit klaren Worten verdeutlichte Pfarrer i.R. Dr. Peter Jöcken seine Einschätzung zur Basis christlicher Grundwerte. Damit einher ging eine eindeutige Positionierung der enormen Wichtigkeit der sozialen Frage innerhalb der Gesellschaft. Anlass für Jöckens Rede war die Entgegennahme der „Jülicher Klippe“, verliehen durch den Jülicher SPD-Ortsverein in der Schlosskapelle der Zitadelle. Preisträger sind die Mitglieder der Kolpingsfamilie Jülich mit Präses Peter Jöcken.

„Am Ende muss jeder dazu beitragen, die Wirklichkeit jetzt und hier ein bisschen besser zu machen“, brachte Laudator Dietmar Nietan (MdB) die „christliche Soziallehre zum Anfassen“ auf den Punkt, derer sich die Kolpingsfamilie und ihr Präses überaus verdient gemacht haben. In Zeiten von „erbarmungslosem shareholder value“ setzen sich 58 Mitglieder generationsübergreifend mit „tollen Aktionen für soziale Zwecke und tollen Programmen zur Ausleuchtung des christlichen Hintergrundes“ ein, wie Nietan zusammenfassend sagte. Ihr Präses habe zudem zu christlich-islamischen Gesprächskreisen eingeladen. Bestens geeignet ist laut Nietan das Ehrungssymbol der „Jülicher Klippe“ – Klippa heißt im Schwedischen abschneiden. Sie stehe keinesfalls für ein Felsmassiv, sondern half als Notwährung zu Belagerungszeiten, Not zu lindern. Den langjährigen christlichen Bezug zur SPD fand Nietan im „Godesberger Programm“, in dem sich die Genossen 1959 auch zu christlichen Grundwerten bekannten.

Auf das Lebenswerk von Adolph Kolping blickte Ortsvereinsvorsitzender Marco Maria Emunds. Der „berühmteste Sohn Kerpens, wenn auch vielen Menschen aus dem Blick geraten“, wurde 1813 als viertes Kind eines Schäfers geboren und ging zunächst als Schumachergeselle auf die Walz, die Wanderschaft zünftiger Gesellen. Dort erlebte er in der Zeit des sozialen Umbruchs der industriellen Revolution die Not der mittellosen Handwerkergesellen hautnah mit.

„Der Gesellenverein“

Die „Soziale Frage“, ließ ihn auch als Priester (Weihe 1945) und späterer Domvikar nicht mehr los. 1848, als Marx und Engels in London das „Kommunistische Manifest“ veröffentlichten, verfasste Kolping seine Schrift „Der Gesellenverein“ mit dem Ziel, Handwerksgesellen zu einer schützenden Familie zusammenführen. 1849 gründete er den Kölner Gesellenverein. Unter Kolpings Einfluss erkannte auch Wilhelm Emmanuel von Ketteler, der später als Arbeiterbischof und Sozialethiker bekannt wurde, die soziale Frage. Emunds fand gemeinsame Wurzeln zwischen den weltweit 450 000 Kolping-Mitgliedern und den Sozialdemokraten. Beide „suchen auf die soziale Frage eine Antwort und leben vom Engagement ihrer Mitglieder“. Emunds erinnerte an seine Überraschung, als Kolping-Präses Dr. Peter Jöcken ihm vor einigen Jahren unter die Nase rieb: „Die SPD wähle ich nicht, ihr seid mit viel zu brav. Wenn, dann lieber richtig links“.

Dezernentin Doris Vogel lobte in Vertretung von Bürgermeister Axel Fuchs die Ehrenamtler, die „sich auf sozialer Ebene engagieren, wo vorhandene Strukturen nicht ausreichen. Sie machen unsere Gesellschaft lebenswert“. Mit der Auszeichnung der „Jülicher Klippe“ trage die „SPD dazu bei, dieses Engagement in das Bewusstsein der Menschen zu holen“.

Das letzte Wort vor dem anschließenden Empfang gebührte den Preisträgern. Markus Holländer, Vorsitzender der Jülicher Kolpingsfamilie, betonte den Gemeinschaftsaspekt: „Jedes Mitglied engagiert sich, wo es gebraucht wird. Es würde mich freuen, wenn noch mehr dazu kämen“. Gleichzeitig äußerte Holländer seinen Wunsch nach einem festen Tagungsraum, etwa für Vorstandssitzungen, wo sich auch Platz für Urkunden und Auszeichnungen an den Wänden fände.

Das feierlich getragene Rahmenprogramm gestaltete Konzertpianistin Elena Kelzenberg.

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