Christine Maes‘ Recherche zu den adligen Frauen

Von: ptj
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Gemeinsame Buchvorstellung in der Schlosskapelle: (V.l.) Verlagsinhaber Franz Engelen, Autorin Christine Maes, Übersetzerin José Maßmann, der Opladener Geschichtsvereinsvorsitzende Michael Gutbier und der Jülicher Geschichtsvereinsvorsitzende Guido von Büren. Foto: Jagodzinska

Jülich. Die gemeinsame Publikation des Buches „Adlige Frauen der Renaissance auf der Suche nach Freundschaft und Liebe“ im Pagina-Verlag krönt die 2012 besiegelte Kooperation der Geschichtsvereine Jülich und Opladen.

Bislang kam die fruchtbare Zusammenarbeit vor allem im organisatorischen Bereich durch gemeinsame Veranstaltungen zum Tragen. Im laufenden Jahr entwickelte sie sich im Rahmen des gemeinsamen Projektes „Jülich-Bergische Herzöge der Renaissance und des Barocks“ auch inhaltlich weiter. „Eine neue Qualität wurde erreicht“, wie Michael Gutbier, Geschichtsvereinsvorsitzender in Opladen, es ausdrückte.

Anlass zur „Beschäftigung mit den entsprechenden historischen Ereignissen und Persönlichkeiten“ waren nach Bekunden des Jülicher Geschichtsvereinsvorsitzenden Guido von Büren „runde Jahrgänge“, nämlich der 500. Geburtstag von Herzog Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg und der 300. Todestag des Kurfürsten Johann Wilhelm von der Pfalz, Herzog von Jülich-Berg. Diese Auseinandersetzung mit der Geschichte ergebe„aber nur Sinn, wenn sie nicht nur an der Oberfläche bleibt, sondern auch tiefergehende historische Erkenntnisse zeigt“, betonte von Büren.

Autorin der Publikation, die „einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des jülich-klevischen Hofes im 16. Jahrhundert darstellt“, ist die Belgierin Christine Maes. Im Rahmen einer Staatsarbeit untersuchte sie 1998 die Korrespondenz zwischen den Töchtern Wilhelms V. von Jülich-Kleve-Berg, nämlich Maria Eleonore, Anna, Magdalena und Sibylle, und der Hauptprotagonistin Margaretha von der Marck-Arenberg, zu der die Töchter „ein tiefes Vertrauensverhältnis aufgebaut“ hatten.

Margarethas Hauptaufgabe war die Zusammenstellung der jeweiligen Aussteuer der Töchter. Besonders intensiv war der Austausch mit der jüngsten Tochter Sibylle, denn die beiden Frauen verfolgten über viele Jahre einen gemeinsamen Plan, und zwar die Vermählung Sibylles mit dem Sohn Margarethas, Karl von Arenberg. Das Projekt scheiterte letztendlich an den Standesunterschieden, deretwegen der Kaiser und bedeutende Reichsfürsten sich gegen die Heirat aussprachen. Für die jüngste Tochter war das ein schwerer Schlag. Sie blieb alleine am Hof zurück, während ihre Schwestern nach Königsberg, Neuburg an der Donau und Bergzabern verheiratet worden waren.

Aus den vertraulichen Briefen Margarethas ergab sich „ein deutlich differenzierteres Bild der Persönlichkeit Sibylles von Jülich-Kleve-Berg, als es bisher gezeichnet wurde“. So hatte die Tochter des Herzogs ein schwieriges Verhältnis zu ihrer Schwägerin Jakobe von Baden, die nicht zuletzt wegen Sibylles schwerwiegender Vorwürfe in Haft genommen wurde und während dieses Arrestes 1597 unter bis heute nicht geklärten Umständen starb.

Die Vorkommnisse warfen lange Schatten auf die Verhältnisse am jülich-klevischen Hof im ausgehenden 16. und beginnenden 17. Jahrhundert. Das Ende „einer aus dem Land heraus gewachsenen Hofkultur“ begann 1609 beim Erbfall der bedeutenden Ländermasse Jülich-Kleve-Berg. 1614 wurden die Territorien auf den Kurfürsten von Brandenburg (Kleve-Mark-Ravensberg) und den Herzog von Pfalz-Neuburg (Jülich-Berg) aufgeteilt.

Dass die Buchveröffentlichung immer wieder hinausgezögert wurde, war „nicht der engagierten Autorin anzulasten“, sondern widrigen Umständen. Christine Maes, die abschließend die Essenz ihrer Arbeit in englischer Sprache herausstellte, betonte die Einzigartigkeit der „seltenen Quellen privater Briefe“. Nach eineinhalbjähriger Recherche brauchte sie rund ein halbes Jahr für die Niederschrift – natürlich mit Erlaubnis des Herzogs von Arenberg. Ihr Anliegen war es, die Charakter wieder zum Leben zu erwecken und sie erzählen zu lassen.

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