Chor und Leiter sind beim Jülicher Figuralchor eine Einheit

Von: ptj
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Jülicher Figuralchor bringt stimmgewaltiges Repertoire in den Linnicher Kultursommer. Foto: Jagodzinska

Linnich. „Ein Ständchen mit Liedern und Madrigalen“ vom Mittelalter bis über die Romantik hinaus brachte der Jülicher Figuralchor im Rahmen des Linnicher Kultursommers in der evangelischen Kirche zu Gehör.

Wie Dr. Thomas Kreßner bei seiner Anmoderation bemerkte, hatte Chorleiter Gregor Josephs das Repertoire „sehr sorgfältig ausgesucht und mit großer Geduld eingeübt“. Bei den vorgetragenen Madrigalen, das sind polyphon komponierte mehrstimmige Gesänge weltlichen Inhalts in der Muttersprache der Komponisten, ging es vor allem um Liebe, Sehnsucht, Wein und Tanz. Viele Chorstimmen fanden im unterschiedlichen Rhythmus zueinander, gingen wieder auseinander, wiederholten Melodien oder Wortspiele, die andere Sänger wieder aufnahmen.

Die beeindruckendsten Stücke des in drei Blöcke eingeteilten Konzerts kamen ganz zum Schluss. Etwa das edel klingende französischsprachige Madrigal „Tourdion“, ein Springtanz im Sechsachteltakt von Pierre Attaignant, vom Text her ein einfaches Trinklied. Oder „Amor im Nachen“ von Giovanni Giacomo Gastoldi, betextet von Peter Cornelius. „Der Chor rudert volle Kraft voraus, kommen Sie und halten sie sich fest“, stimmte Kreßner vorab in das Seefahrerlied ein. Klasse war auch „La, la, la, je ne l‘ose dire“ (Ich wage es nicht zu sagen) von Pierre Certon. Es spielt inhaltlich auf einem „beliebten französischen Marktplatz, wo die Leute tuscheln über einen Mann, dessen Frau ihm Hörner aufgesetzt hat“.

Bleibende Eindrücke hinterließ auch das stimmige Renaissance-Madrigal „Innsbruck, ich muss dich lassen“, mit Melodie und Satz von Heinrich Isaak. Der Text wird Kaiser Maximilian I. zugeschrieben. Erwähnenswert ist das „deftige Landsknechtsständchen“ aus Italien des 16. Jahrhunderts „Matona mia cara“ von Orlando di Lasso. Die Sprache ist eine Mischung aus Italienisch und Latein, der Text „nicht ganz jugendfrei“, wie Kreßner herausstellte. „Je t‘aurai, ma brunette“ ist ein Volkslied aus Burgund aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der Satz des vom Inhalt her heißen Liebesliedes stammt von Vic Nees.

In dem englischen Volkslied aus Somerset „Early one Morning“ im Satz von Malcolm Goldring „beklagt eine Magd, von ihrem Geliebten verführt und verlassen worden zu sein“, wie die zweite Moderatorin, Petra Jones es ausdrückte. Zwei Stücke mit Sätzen aus der Feder von Johannes Bahms zählten ebenfalls zum Repertoire: „All meine Gedanken, die ich hab‘“ und „Mein Mädel hat einen Rosenmund“. In diesem Zusammenhang erinnerte Jones an die „gesundheitsfördernde Disziplin des Küssens“.

Diese Bemerkung ist zweifelsohne auch auf John Dowlands berühmtes Lied „Come again“ zu beziehen, einem dramatischen Stück über eine verlorene Liebe. Dort heißt es: „To see, to touch, to kiss to dye in sweetest sympathy“ (Zu sehen, zu fühlen, zu küssen und zu sterben in süßestem Mitempfinden). In dem stimmgewaltigen und gefühlsintensiven Konzert war klar die Handschrift des emotionalen und improvisationsfreudigen Chorleiters Josephs zu erkennen, der im Jazz zu Hause ist.

Chor und Leiter, die augenscheinlich in den beiden Jahren seines Dirigats zu einer echten Gemeinschaft zusammengewachsen sind, ernteten nach jedem Themenblock und natürlich abschließend donnernden Applaus.

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