CDU Linnich vollzieht Generationswechsel

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
7293912.jpg
Dank für ein außergewöhnliches kommunalpolitisches Engagement zollte Thomas Rachel dem scheidenden Vormann der Linnicher CDU-Ratsfraktion, Hans-Willi Dohmen Foto: Jonel

Ederen. Nicht nur Stefan Wenders, einer der aufstrebenden CDU-Kommunalpolitiker aus der Linnicher Kernstadt, rieb sich verwunder die Augen. „Das ist Rekord!“ Kurz vor 22 Uhr war die Tagesordnung der Mitgliederversammlung zur Kandidatenaufstellung zur Kommunalwahl abgearbeitet und lichtete sich die Ederener Bürgerhalle.

Dort war zuvor ohne Diskussion, ohne Kampfabstimmung und ohne jegliche Aufregung die Aufstellung der Mannschaft erfolgt, mit der die Christdemokraten an bessere Tage anknüpfen wollen.

Weg frei für Nachrücker

Diese Harmonie verblüfft, denn in der Bürgerhalle vollzog sich ein Generationswechsel, dem beinahe jeder Superlativ gerecht würde. Mit dem erklärten Abschied Hans-Willi Dohmens von der Fraktion, die er 40 Jahre anführte, wurde ein personeller Erdrutsch ausgelöst. Altgediente Kommunalpolitiker der Linnicher CDU machen den Weg frei für unverbrauchte Nachrücker, von denen viele, kommunalpolitisch gesehen, unbeschriebene Blätter sind.

Ein starkes Kandidatenteam einer starken CDU werde den Mitgliedern präsentiert, warb Torsten Chalak, Vorsitzender der Linnicher CDU-Stadtverbandes für die Mannschaftsaufstellung, die den christdemokratischen Führungsanspruch in dem Städtchen an der Rur Taten folgen lassen soll. Es handele sich bei dieser Liste, so Kreisparteivorsitzender Thomas Rachel, um das Ergebnis von Gesprächen mit einzelnen Personen und Gruppierungen des Linnicher CDU-Standverbandes.

Angesprochen war damit der handfeste Hauskrach, der vor mehr als einem Jahr mit dem angedrohten Fraktionsaustritt von CDU-Mandatsträgern offenkundig wurde. Der Befriedungsprozess verlief nicht ganz so harmonisch, wie das Listenergebnis glauben lässt. Nicht nur Hans-Willi Dohmen zog die Konsequenzen aus den unüberbrückbaren Differenzen.

In der Kernstadt hatte Volker Tissen, einer aus der jüngeren CDU-Garde, seinen Rückzug aus Fraktion und Partei erklärt. Tissen war bei der Ortsverbandssitzung entthront worden, sollte seinen angestammten Wahlkreis abgeben und mit Platz 17 auf der Reserveliste kaum eine Chance auf ein Ratsmandat erhalten.

Unter diese personelle Neuausrichtung mit Reibungsverlusten zog die Linnicher CDU am Donnerstag einen Schlussstrich. Unter der Leitung von Thomas Rachel wurden ausnahmslos alle Kandidaten wie vorgeschlagen bestätigt – ohne Einwände, ohne Gegenverschlag, ohne jeglich Diskussion. En bloc wurde die 16 Kandidaten für die Linnicher Wahlkreise, ihre Ersatzleute und die 33 Plätze fassende Reserveliste angenommen.

Leise Missbilligung wurde lediglich an der Zahl der Nein-Stimmen deutlich, die etliche Kandidaten erhielten. Aber auch die hielten sich in Grenzen. So erhielt Peter Leufen, für viele heißer Anwärter auf den Fraktionsvorsitz, drei Gegenstimmen bei der Kandidatur für den Wahlkreis Linnich 2, aber bei zwei Enthaltungen immer noch imposante 55 Ja-Stimmen. Mit Torsten Chalak (Tetz 2), Justus Peters (Boslar) und Achim Grün (Gevenich) erhielten drei Wahlkreiskandidaten das uneingeschränkte Vertrauen aller 60 Stimmberechtigten bei dieser Versammlung, die von CDU-Kreisgeschäftsführer Bernd Ramakers protokolliert wurde.

Sowohl Thomas Rachel als auch Stadtverbandsvorsitzender Torsten Chalak hatten die Parteimitglieder auf einen Wahlkampf in Geschlossenheit und mit Engagement eingeschworen. Gerade angesichts der zunehmenden Aushöhlung der kommunalen Selbstverwaltung sei es unabweisbar, für eine Politik im Sinne der Bürger und für alle Bürger einzutreten, so Chalak. Die CDU zeichne sich damit aus, das Ohr nah am Bürger zu haben. „Menschen vor Ort wissen am besten, welche Entscheidungen vor Ort getroffen werden müssen“, sagte Chalak.

So bemerkenswert die personelle Neuausrichtung der Linnicher CDU auch ist, ein Ziel wurde verfehlt: „Wir haben trotz aller Bemühungen das Drittelquorum nicht erreicht“, Stell Rachel fest. Damit ist die Frauenquote gemeint, auf die man sich vor Jahren festgelegt hatte. Es mangelt an kommunalpolitisch-engagierten Frauen. Das allerdings ist wahrlich kein reines CDU-Phänomen, sondern in allen Parteien und bei den Unabhängigen zu beobachten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert