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Carl Eichhorn: Expansion mit Hürden oder lieber Plan B?

Von: Volker Uerlings
Letzte Aktualisierung:
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Vorne der neue Lauf des Mühlenteiches, hinten das alte Wellpappenwerk und in der Mitte das neue Lager auf dem Eichhorn-Gelände. Fotos: Uerlings, Skizze: Eichhorn KG Foto: Uerlings
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Vom Verwaltungsgebäude in Kirchberg hat Hellmuth Eichhorn den Bau des Papierrollenlagers immer im Blick. Foto: Uerlings

Jülich. Die Entscheidung liegt zwar schon knapp zwei Monate zurück, sie hat aber in der Chefetage der Carl Eichhorn KG bis heute Wirkung hinterlassen. Ende November hat der Jülicher Ausschuss für Planung, Umwelt, Bauen das expansionsbereite Familienunternehmen im Ortsteil Kirchberg um alternative Ausbauvarianten gebeten.

Untersucht werden soll ein Hochregallager am Ortseingang von nur 28 Metern Höhe (statt 35) und ob auch ein Tunnel unter der Wymarstraße zur Verbindung der Werksflächen in Frage kommt (statt einer Brücke). Hellmuth Eichhorn gegenüber unserer Zeitung: „Ein 28-Meter-Lager brauchen wir nicht, das planen wir auch nicht. Wir kümmern uns jetzt intensiv um Plan B.“

Und der sieht eine mögliche Verlagerung des kompletten Betriebs in das Gewerbegebiet Inden/Weisweiler vor. Gespräche hat es schon gegeben, Pläne liegen ebenfalls vor und hängen im Konferenzraum des Wellpappenherstellers an der Wand. Eichhorn und Prokurist Andreas Weidlich: „Wir haben den Eindruck, dass wir dort sehr willkommen sind.“

Eichhorn sagt gleich, dass ihm die Vorstellung schwer falle, weil sein Unternehmen seit über 160 Jahren am Standort Kirchberg zu Hause sei. „Das wäre nicht schön und eine Entscheidung mit Schmerzen, aber die richtige. Wir haben alles getan und brauchen jetzt ein klares politisches Statement“, fordert der Unternehmer.

Der jüngste Prüfauftrag lasse ihn aber an der „Zuverlässigkeit der Jülicher Politik zweifeln“: „Sie ist hinter den Aufstellungsbeschluss zurückgefallen.“ Damit meint er, dass ihm mehrheitlich Zustimmung signalisiert worden sei, nachdem er die Pläne zur Betriebserweiterung als Kompromiss nach den Protesten im Ortsteil früh und freiwillig verändert habe. Das Unternehmen hatte von der „Optimallösung“ Abstand genommen, die ein Hochregallager von 40 Metern Höhe und eine sehr viel größere Indu­striebrücke über die Straße vorsah.

Nun aber ist er enttäuscht und „sehr ernüchtert“. Inzwischen lägen fast alle Gutachten vor. „Die Politik soll endlich Farbe bekennen.“ In Weisweiler nahe des Kraftwerks sei eine „Traufhöhe von 47 Metern auch 250 Meter neben der Wohnbebauung möglich“. Ein Endlosverfahren mit immer weiteren Alternativforderungen und Gutachten seien in der heutigen Marktsituation nicht machbar. „Es geht uns nicht schnell genug voran“, sagt der Unternehmer. Prokurist Andreas Weidlich fügt hinzu: „Wir kommen an einen Punkt, an dem es sich nicht mehr rechnet.“

Die Eichhorn KG will nach eigenen Angaben über Jahre rund 50 Millionen Euro investieren und 60 neue Arbeitsplätze schaffen. Eichhorn: „Ich bin bereit, das Risiko hierfür zu übernehmen. Wir geben Gas und investieren kräftig, weil wir an das Unternehmen und seine Zukunft glauben.“

Derzeit sind schon Veränderungen sichtbar, von Jülich aus auf der rechten Seite der Wymarstraße. Dort entsteht ein Papierrollenlager, das nach dem Abriss der alten Eichhorn-Papierfabrik, in der viel gelagert wurde, dringend benötigt wird. Zugleich ist der neue Verlauf des Mühlenteichs zu erkennen.

Der denkmalgeschützte Wasserlauf hat das Unternehmensgelände bislang diagonal durchquert, jetzt macht er eine schon sichtbare „Biege“ und verläuft demnächst ein Stück parallel zur Straße. Er wird am Ende auf der Strecke durch das Eichhorn-Gelände komplett sichtbar und an den Ufern begrünt sein. Außerdem ist er durchgängiger, weil zwei Staustufen entfernt werden.

Auf dieser Seite der Wellpappenwerkes soll später unmittelbar neben dem Papierlager eine weitere Produktionshalle entstehen. Auf dem linken Teil sind neben dem Hochregallager eine Wellpappen-Produktionsanlage und ein Rohstofflager vorgesehen – alles zusammen bildet ein Logistikzentrum, das von Lastwagen angesteuert wird. Beide Standorte sollen durch eine Brücke verbunden werden. Die Notwendigkeit dieser Investitionen erklärt die Carl Eichhorn KG vor allem mit der immer stärker vom Markt geforderten „Just-in-Time-Produktion“.

Die Dimension des Hochregallagers und die Brücke sind im Dorf Steine des Anstoßes. Die Bürgerinitiative „Zukunft Kirchberg“ hat über 1000 Unterschriften gesammelt. Und in der ersten Offenlage des Bebauungsplanverfahrens wurden 150 Einwände eingereicht, die in diesem Frühjahr bei einer Abwägung behandelt werden, wenn alle Gutachten vorliegen. Wann das genau passiert, ist derzeit noch nicht klar.

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