„Bußgeldfabrik”: Fast 94.000 Verfahren in acht Monaten

Von: hfs.
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Bis zu 400 neue Verstöße müssen Peter Fink und seine fünf Mitarbeiter - hier Sachbearbeiterin Christina Ohleff - täglich beim Straßenverkehrsamt in Düren auf der Bußgeldstelle registrierern. Foto: hfs.

Jackerath. Sie ist der Star unter den zehn stationären Blitzanlagen im Kreis Düren. Die „PoliScanSpeed”, die an der Messstelle Titz am Autobahndreieck Jackerath sowohl in Richtung A44 als auch die Verbindungsrampe von dieser Autobahn in Richtung A 61 ablichtet.

Täglich sind es rund 400 Autofahrer, die in die Geschwindigkeitsfalle tappen. Aktueller Stand zum Stichtag 26. August: 93.746 Überschreitungen seit 1. Januar diesen Jahres.

Er gehört zu Deutschlands prominentesten Trainern, als er vor wenigen Tagen dort geblitzt wurde, hielt der „Star” die exakte Uhrzeit 23:17 fest. Aber auch die Geschwindigkeit von 116 Stundenkilometern - viel zu schnell für den Streckenabschnitt, auf dem nur 80 km/h erlaubt sind.

Das gestochen scharfe Foto lässt zwar keinen Zweifel an der Identität des Fahrers, gegen den nun ein Bußgeldverfahren eingeleitet wurde. „Über die Halteradresse müssen wir aber nun feststellen lassen, um wen es sich handelt”, sagt Peter Fink, Leiter der Bußgeldstelle beim Straßenverkehrsamt in Düren.

Der kann sich seit Inbetriebnahme der Jackerather „Blitze” durch die Erhebung von Verwarnungsgeld-Verfahren (insgesamt 66.000 und hinzu kommen noch 13.000 Bußgeldverfahren) über Arbeit nicht beklagen. Denn die anderen neun Anlagen im Kreis werfen auch Arbeit ab. Im Juli wurde die Grenze von 100.000 Verfahren überschritten, ein Rekord bei der Bußgeldstelle. „Aktuell sind wir nun bei 110.835 Fällen”, bemerkt Fink, der mit fünf weiteren Angestellten die Verfahren bearbeitet. Hinzu kommen noch zwei so genannte Ermittler. Die werden im Kreis Düren tätig, wenn es um die Identität des Fahrers geht.

„Über das Nummernschild bekommen wir schnell die Halteradresse, aber der ist nicht immer der Fahrer”, sagt Peter Rubel, Leiter des Straßenverkehrsamtes. Die Ermittler leisten auch Amtshilfe für andere Behörden in Deutschland, wenn es um kreisdürener Halter geht. Ansonsten bemüht die Behörde den Postweg. So wird im Falle des „schnellen Trainers” nun der Bundesligaverein angeschrieben mit der Bitte, die Adresse des Fahrers zu übermitteln. Sind die Daten bekannt, erhält der einen Fragebogen, wird aufgefordert, sich zum Sachverhalt zu äußern. Das Bußgeldverfahren kommt in Gang.

„Wir sind wie die Jungfrau zum Kinde zu der Jackerather Anlage gekommen. Die haben wir uns nicht gewünscht”, erklärt Rubel. Da der Autobahnbereich zwischen A44 und A61 ein Unfallschwerpunkt darstellte, wurden Geschwindigkeitsmessungen angeordnet. „Der Bereich lag ausgerechnet im Kreis Düren”, sagt der Leiter der Behörde. Mit Personalumschichtungen - zur Zeit sind rund 50 Mitarbeiter beim Straßenverkehrsamt beschäftigt - musste die Flut der Fälle bearbeitet werden. Angesichts der Mengen wurde eine neue Software fällig.

Ende Oktober wird eine Spezialanlage automatisch scannen (einlesen), damit der Postverkehr schneller erledigt werden kann. Ruhe in der Bußgeldstelle herrschte lediglich in der heißen, fast vierwöchigen Sommerphase. Denn da ging auch PoliScanSpeed in die Knie. „Die Hitze hat der Anlage zugesetzt”, kann sich Peter Fink ein Lachen nicht verkneifen. „Nicht nur die ICE-Züge haben darunter gelitten.” Im Rahmen notwendiger Bauarbeiten wird die „Knipse” in einigen Tagen für zwei Wochen abgeschaltet. Nicht nur eine Ruhephase für den Techniker, der ansonsten dreimal pro Woche die Anlage anfährt, um die Daten auszulesen.

Rund 2,3 Millionen Euro wurden bisher an Strafen verhängt. „Das ist die Soll-Zahl, aber ob wir die je reinkriegen, ist fraglich”, sagt Peter Rubel und spielt auf Fahrer aus dem Ausland an. „Leider gibt es in Europa noch kein Amtshilfeverfahren, wenn es um die Bezahlung von Bußgeldern geht.”

Unter den rund täglich 400 Fällen sind im Durchschnitt nur zehn Autos, die mit DN-Kennzeichen fahren. Die sind schnell ermittelt, ebenso auch die fünf Fahrer, die mit einer Geschwindigkeit von 170 Kilometern (!) geblitzt wurden. „Es ist mir ein Rätsel, wie die bei diesem Tempo auf der Straße bleiben konnten”, schüttelt Fink mit dem Kopf. Und blickt auf seine Bußgeldtabelle. Die sieht für diese Schnellfahrer ein dreimonatiges Fahrverbot vor, hinzu kommen vier Punkte und mindestens 600 Euro Strafe.

Aber nicht nur die Geschwindigkeitsüberschreitungen werden bei der Kreis-Bußgeldstelle bearbeitet. Nicht selten bittet die Polizei um Mithilfe der Sachbearbeiter. „Wenn zum Beispiel Bankräuber oder andere Schwerkriminelle gesucht werden, bekommen wir ein Fahndungsfoto oder eine entsprechende Zeichnung. Dann gleichen wir damit unsere gemachten Blitzlichtbilder der Standortkameras ab, es kann ein Bewegungsprofil erstellt werden.”

Für Peter Fink und seine Mitarbeiter mittlerweile Routinearbeit. Wie der tägliche Blick auf die Daten der „Messstelle 3”, die blitzt und blitzt und dafür gesorgt hat, dass die Unfallzahlen in diesem Bereich leicht nach unten gegangen sind.
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