Jülich - Burnout: Die schleichende Veränderung

Burnout: Die schleichende Veränderung

Von: Kr
Letzte Aktualisierung:
13946329.jpg
Sie hatten zum Themenabend psychische Gesundheit eingeladen: Petra Schmitz Blankertz, Susanne Becker, Gerhard Staisch, Dr. Mechthild Pauels, Leiterin der Beratungsstelle und Dr. Wolfgang Hagemann (von links). Foto: Kròl

Jülich. Regelmäßig lädt die Jülicher Nebenstelle des Sozialpsychiatrische Dienstes Düren zu Informationsveranstaltungen rund um psychische Gesundheit ein, und schnell sind diese Termine immer ausgebucht. Nicht anders war es beim 8. Themenabend „Hilfen bei Burnout und seelischer Erschöpfung“, zu dem die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Dienstes Gerhard Staisch, Petra Schmitz-Blankertz und Susanne Becker den Psychiater und Psychotherapeuten Dr. Wolfgang Hagemann eingeladen hatten.

Vor mehr als 20 Jahren hat Dr. Wolfgang Hagemann die Roeher Parkklinik und Tagesklinik für psychosomatische Medizin gegründet und kann damit auf eine langjährige Erfahrung im Umgang mit Burnout-Patienten, ihre Therapie, aber auch die Vorbeugung zurück blicken. „Burnout kommt nicht von heute auf Morgen, er entwickelt sich innerhalb von zwei bis drei Jahren und kann dann auch nicht innerhalb von ein paar Tagen geheilt werden“, gab er zu bedenken.

Körper, Geist und Seele machen den Menschen aus, erklärte er weiter und sprach dem eigenen Ich, der Familie, Freunde und der Arbeitswelt und Gesellschaft eine wichtige Rolle beim Erhalt der geistigen Gesundheit zu. Sie müssen dann auch bei einer Erkrankung Beachtung finden.

„Der Hauptgrund für Stress ist der tägliche Umgang mit Idioten“, zitierte er Albert Einstein, denn hinter den Ursachen für Stress steht stets der Mensch. Hagemann zeigte die Symptome auf, die ein Burnout ankündigen wie Schlaflosigkeit, innere Unruhe, Erschöpfung, beschleunigte und oberflächliche Atmung, aber auch Blockaden der Wirbelsäule, Infektanfälligkeit. Doch auch Gedankenkreise und Perfektionismus, Konzentrationsstörungen, der Verlust von Selbstsicherheit und Fatalismus, Zukunftsängste, Störung der Selbstwahrnehmung, sozialer Rückzug und vieles mehr können Anzeichen eines Burnout sein.

Gestörte Bedürfnisbalance

Vier Grundbedürfnisse liegen dem Wesen des Menschen zugrunde. Dies sind Kontrolle und Orientierung: Lust und Unlustvermeidung; Selbstwerterhöhung; sowie Zugehörigkeit und Bindung. Mit dem Burnout geht diese Bedürfnisbalance verloren. Es hat oft seine Ursache in einer zu geringen Wertschätzung des Tuns, ständig erreichbar sein und die einseitige Fokussierung auf einen Lebensbereich. Hier muss die Selbstfürsorge und Selbstachtsamkeit einsetzten, um Burnout zu vermeiden.

Deshalb riet der Mediziner diese Selbstachtsamkeit zu stärken, auch durch die Pflege von Freundschaften und Partnerschaften, auf eine gesunde Lebensweise zu achten, Sport und Bewegung einzuplanen, einen gesunden Schlafrhythmus einzuhalten und sich mit Hilfe von Mediation, Yoga und anderen Dingen auf sich selbst zu besinnen.

Wenn dann trotz aller Selbstachtsamkeit eine Therapie notwendig wird, so erklärte Hagemann, muss der Raum für eine korrigierende positive Begegnungserfahrung geschaffen werden. Konflikte erkennen und klären, sich abgrenzen und nein sagen lernen sowie Rituale und Regeln des Miteinanders neu ordnen, gehören ebenfalls dazu. Zusammenfassend meinte er: „Um Burnout zu vermeiden oder aus ihm herauszukommen, ist der intime Dialog mit Partnern und Freunde über Gefühle, Ängste, Trauer unabdingbar.“

Mit interessanten Beispielen und, trotz der Ernsthaftigkeit des Themas, mit einem guten Schuss Humor, gelang es dem Referenten, das Interesse der zahlreichen Zuhörer zu fesseln und sie anschließend zu einer angeregten Diskussion zu ermuntern.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert