Burg Engelsdorf: Ausflug durch fast 1000 Jahre Baugeschichte

Von: Antonius Wolters
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Die Lesergruppe während der Führung auf der „wehrhaften Seite“ von Burg Engelsdorf mit dem von einer steil aufragenden Haube gekrönten Rundturm und dem charakteristischen Treppengiebel. Foto: Wolters
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Blick in den Treppenturm mit der aufwendig restaurierten Spindeltreppe aus Eichenholz.

Engelsdorf. Zwar ist die Position von Burg Engelsdorf bei Aldenhoven nicht allen Navigationsgeräten geläufig, doch alle Abonnenten hatten das alte Gemäuer gefunden, wo ihnen bei einem Rundgang mit Architekt Dr. Ekkehard Kandler ein Experte zur Seite stand, der 2007 das Konzept für die Sicherung und Sanierung der im Kern rund 1000 Jahre alten Anlage erarbeitet hatte.

„Wir retten nur die Bausubstanz des Objektes“, umriss Kandler, der auch am Institut für Baugeschichte und Denkmalpflege der Technischen Hochschule Köln tätig ist, den Umfang der Arbeiten, die weitgehend abgeschlossen sind.

Erstmals urkundlich erwähnt wurde die ehemalige Wasserburg 1080. Ihr damaliges Aussehen und Größe sind nicht bekannt, es könnte sich, so Kandler, um eine mit Palisaden bewerte Motte gehandelt haben. Mit dem Kernbau der heutigen Anlage aus Feldbrand- und Natursteinen haben die Herren von Engelsdorf als erste Burgbesitzer vermutlich Anfang des 14. Jahrhunderts begonnen.

Die Erweiterung mit einem Rundturm folgte im 15. Jahrhundert, als das Adelsgeschlecht von Palant durch Heirat den Stammsitz der Herren von Engelsdorf übernahm. Unter Anna von Palant, Burgherrin seit 1526, war 1533/34 eine komplette Erneuerung der Holzdecken nach einem Brand notwendig. Erst im 17. Jahrhundert kam der Treppenturm hinzu, der durch eine elf Meter hohe Spindeltreppe aus Eichenholz erschlossen wird, die im Zuge der Sicherungsmaßnahmen von Ignazio Fernandez, dem Sohn des heutigen Burgherren, restauriert worden ist.

Auf einer Tranchot-Karte aus dem 19. Jahrhundert zeigte Ekkehart Kandler, dass die 33x30 m große Anlage auf quadratischem Grundriss geplant war mit zwei Wohnflügeln, einem Innenhof und zwei Wehrtürmen – einer rund, der andere eckig – an der Jülich zugewandten Seite. Wie der eckige Turm aussah, von dem nur Reste erhalten sind, ist nicht bekannt. Auch die noch größere Vorburg, die nicht erhalten ist, zeigte einen quadratischen Grundriss. Beide waren von Wassergräben umgeben, die vom Merzbach gespeist wurden. Der Wassergraben ist im 19. Jahrhundert trocken gelegt worden.

Das vorläufig letzte Kapitel der Baugeschichte wurde mit dem Umbau 1866 aufgeschlagen, wobei anschließend nur noch ein Wohnflügel genutzt blieb. Das Pallasgebäude diente später nur noch als „stattliche Scheune“, wie es Kandler formulierte, in der teilweise Getreide gelagert wurde, wie alte Fotos zeigen. Alte Fotos waren es auch, die dazu beigetragen haben, dass die charakteristischen Treppengiebel originalgetreu rekonstruiert werden konnten, die der Burganlage im Verbund mit der steil aufragenden Haube des mächtigen Rundturms als weithin sichtbare „Landmarke“ eine besondere Fernwirkung geben.

Die Bedeutung der winzigen „Ein-Mann-Kapelle“ für die Burgbewohner, die bei der Besuchergruppe großes Interesse fand, lässt sich nur erahnen. Ein gotisches Maßwerkfenster, ein kleines Gewölbe kennzeichnen den 1x1,5 m kleinen Raum. Die Reste von Fresken dort waren eher zufällig entdeckt worden.

Dr. Ekkehard Kandler, der die Baumaßnahme seit 2007 begleitet, macht sich nun daran, mit der Familie Fernendez ein künftiges Nutzungskonzept für die unbewohnten Teile der Burg zu erarbeiten, was bei der Umsetzung wohl mit weiteren Baumaßnahmen einhergehen wird.

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