Jülich - Bürgermeisterwahl Jülich: „Showdown“ am Freitag erwartet

Bürgermeisterwahl Jülich: „Showdown“ am Freitag erwartet

Von: Volker Uerlings
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Um diesen Chefsessel im Bürgermeisterbüro des Neuen Rathaus geht es: Ob Amtsinhaber Heinrich Stommel ihn freimacht oder nicht, ist weiterhin unklar. Foto: Uerlings
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Frank Peter Ullrich aus Düren-Arnoldsweiler soll laut schwarz-roter Findungskommission erster gemeinsamer Bürgermeister-Kandidat von CDU und SPD in Jülich werden. Am Freitag entscheidet sich das. Foto: Johnen

Jülich. Es muss ein Traumjob sein. An Einfluss und Macht nur überboten vom US-Präsidenten und als moralische Instanz gleich hinter dem Papst angesiedelt, ohne Franz Müntefering Unrecht tun zu wollen, der das ja für den SPD-Chefsessel in Anspruch nimmt. Wer Bürgermeister von Jülich ist oder wird, der hat es geschafft. Finanziell sowieso.

Wer diese Einschätzung für übertrieben oder überzeichnet hält, hat in den vergangenen mehr als fünf Jahren die inzwischen gefürchteten Gespräche „hinter den Kulissen“ nicht erlebt. Es ging vordergründig um Irgendetwas. In jüngster Zeit um Kreishäuser, Walramplätze, Stadthallen, Straßen, Wohnbaugebiete und Merscher Höhen, aber bei allem und irgendwie immer vor allem um DAS Thema: Wer wird Bürgermeister von Jülich? Diese Frage kann zwar erst Mitte September beantwortet werden. Aber es kommt in dieser Woche zu einem hollywoodreifen „Showdown“: Eine Versammlung, die es eigentlich gar nicht gibt, unternimmt den Versuch, einen Kandidaten zu nominieren, den es noch nie gab.

Wer das nicht versteht: CDU und SPD laden zu einer „gemeinsamen Kandidatenaufstelllung eines Bürgermeisterkandidaten“ (Freitag, 13. März, ab 18 Uhr in der Overbacher Aula) ein. Das ist die Veranstaltung, die es eigentlich nicht gibt – und der Wortlaut für „die Presse“.

Denn beide Parteien können nach ihren Satzungen nichts und niemanden in einer gemeinsamen Versammlung aufstellen. Zur Klärung müsste noch nicht einmal ein Gericht bemüht werden, das fiele schon bei der Vorprüfung des Rechtspflegers durch. Sie können allerdings sehr wohl an einem gemeinsamen Ort zufällig zusammenkommen und an diesem Ort zufällig den ausgeguckten gemeinsamen Kandidaten sehen und hören. Danach muss aber jede Partei das Votum der eigenen Mitglieder einholen – das sehr bewusst und gar nicht zufällig. So soll es nun geschehen, denn zu den separaten Versammlungen wurde ordnungsgemäß eingeladen.

Der Kandidat, den es noch nie gab, heißt Frank Peter Ullrich. Er wohnt in Düren-Arnoldsweiler und ist beim Bundesrechnungshof beschäftigt. Er soll der erste schwarz-rote Kandidat in Jülich werden. Was vielleicht nicht ganz unbedeutend ist: Ullrich ist seit über 20 Jahren Mitglied der SPD. Als „Funktionär“ soll er nie in Erscheinung getreten sein. Kolportiert wurde, dass er bei einer Aufstellung durch beide Parteien seine Mitgliedschaft ruhen lassen will.

Es lässt sich erahnen: Das sorgt auf beiden Seiten der großen Koalition, die in Jülich durchaus kuschelig-kooperativ regiert, für „Gesprächsstoff“. Die Sozialdemokraten halten auch einen ruhiggestellten Genossen naturgemäß für völlig in Ordnung. Teile der CDU aber schäumen.

Das führte vergangene Woche zum enormen Anstieg der christdemokratischen Gegenkandidaten um 50 Prozent: von zwei auf drei. Die Bewerbung von Michael Lingnau ist seit Monaten bekannt. Die von Richard Hoen junior wurde lange vermutet. Nun hat ihn die Mittelstandsvereinigung vorgeschlagen. Auch Heinz-Peter Braumüller steigt am 13. März bei der CDU in den Ring. Das könnte die Union in eine schwierige Lage manövrieren, vor allem Stadtverbandschef Elmar Fuchs.

Was passiert, wenn der „Konsenskandidat“ Frank Peter Ullrich (O-Ton Bewerber Michael Lingnau) zum Beispiel bei der einen Partei das erforderliche Votum erhält, bei den Christdemokraten aber nicht? Es gab Versuche, die Gegenkandidaten zum Verzicht zu bewegen. Sie waren erfolglos. Michael Lingnau sagt, warum das in seinem Fall scheiterte: „Die CDU braucht, sie hungert nach einem eigenen Kandidaten. Die Profilschärfung lässt nämlich zu wünschen übrig – personell.“ Das „bürgerliche Lager“ wünsche sich einen bürgerlichen Bewerber, der aus Jülich stammt.

Das mag stimmen, ist aber keine neue Erkenntnis. Die große Koalition hat in der Frage eines gemeinsamen Bürgermeisterkandidaten mit offenem Visier genau das gemacht, was sie auch angekündigt hat. Der Koalitionsvertrag sieht nämlich den Versuch vor, einen solchen zu finden. Das ist auch politisch nicht völlig unklug, denn sollte Amtsinhaber Heinrich Stommel noch einmal antreten, dann haben gemeinsame Bewerber eben rein rechnerisch bessere Chancen als zwei getrennte.

Also gab es eine Ausschreibung, also gab es Bewerbungen, also wurden die von einer Findungskommission bewertet, also hat diese Kommission nun einen Vorschlag unterbreitet. Der Zeitpunkt, eigene Leute aufzubauen und aufzustellen, ist wesentlich früher verpasst worden. CDU-Stadtparteichef Elmar Fuchs steht hier in der Verantwortung, denn er ist 2009 mit genau dieser Forderung angetreten. Warum das nicht gelungen ist und er nun auf Frank Peter Ullrich setzt, wird er seinem Parteivolk sagen und erklären müssen.

Festzustellen bleibt, dass die Kandidaten-Frage vor allem bei den Christdemokraten über Jahre rauf- und runterdiskutiert wurde, phasenweise bis zur Lähmung in Sachfragen. Dieser Zustand scheint endlich überwunden.

Die SPD hat nicht viel zu verlieren. Je nach Ausgang der Bewerber-Kür am Freitagabend in Overbach präsentiert sie einen Anwärter gemeinsam mit dem Partner in der großen Koalition – oder hat einen eigenen, falls es nicht klappt und Frank Peter Ullrich auch zur Verfügung steht, wenn ihn „nur“ die Sozialdemokraten unterstützen.

Alles nur Vorgeplänkel

Das alles ist sicher spannend, aber Vorgeplänkel, denn bis zur eigentlichen Bürgermeister-Wahl dauert es noch Monate. Die mutmaßlich wichtigste Frage bleibt offen, wie von Amtsinhaber Heinrich Stommel diese Woche auf Anfrage zu erfahren war. Ob er sich inzwischen zu einer weiteren Kandidatur entschieden habe oder immer noch nicht, haben wir gefragt. Antwort: „Wenn es da etwas mitzuteilen gibt, würde ich mich melden.“ Er hat sich nicht gemeldet, es gibt also nichts mitzuteilen. Vielleicht ja, vielleicht nein. Rund sechs Wochen vor der Wahl muss er sich erklärt haben. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass er es auch nur einen Tag früher macht.

Warum das von Bedeutung ist? Heinrich Stommel steht seit über 20 Jahren an der Spitze der Stadtverwaltung, bei der letzten Direktwahl holte er über 70 Prozent. Er wäre im Fall einer Kandidatur in jedem Fall ein (Mit-)Favorit. Es ist sein gutes Recht, mit dieser Entscheidung zu warten. Sollte er aber nicht antreten, dann wäre das Ausreizen der Frist eher unverständlich, weil er dann nicht für die besten Bedingungen bei der Nachfolge-Suche gesorgt hat. Er hat 20 Jahre viel für die Stadt getan – die Stadt aber auch für ihn. Es gäbe sicher interessante weitere Bewerber, wenn sie sich nicht mit einem solchen „Platzhirschen“ messen müssten. Vielsagend ist aber auch eine andere Bemerkung Heinrich Stommels: „Von den Partei- und Fraktionsvorsitzenden hat noch nie jemand mit mir über diese Sache gesprochen.“

Nun steht also in Jülich die Beantwortung der K(andidaten)-Frage an, bevor die Wählerschaft über die B(ürgermeister)-Frage entscheidet. Beide haben enorme Kraft in den letzten Jahren gekostet. Von daher ein Resümee, das sich nicht erfüllen kann: Besser wäre, wenn (schon) am Donnerstag gewählt würde.

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