Bürgermeister hält zweite Kanzelrede in Christuskirche

Von: jago
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Den Blick von außen auf das Protestantische wagte in der zweiten Auflage der Kanzelrede Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs. Nach der anschließenden Fragerunde im Bonhoefferhaus bekannte Fuchs: „Ich habe diesen Vormittag unglaublich genossen.“ Foto: Jagodzinska

Jülich. Nachdem mit Dr. Marcus Baumann ein Vertreter der Wissenschaft die Reihe der Kanzelreden der Evangelische Kirchengemeinde Jülich eröffnet hatte, kam im zweiten Teil die Politik zu Wort. Jülichs Bürgermeister Axel Fuchs referierte basierend auf Fragen, die ihm vorab übermittelt worden waren, zum Thema „Der Blick von außen auf das Evangelische“.

Fuchs stellte sich dieser „großen Herausforderung“ in der Christuskirche und hoffte, dass „Sie nach Hause gehen und das eine oder andere mitnehmen“. Die folgenden Betrachungen über das Besondere am Protestantismus unterteilte er in einen historischen und einen persönlichen Abschnitt.

Schon die Tatsache, dass, wie Fuchs es salopp ausdrückte, „in Wittenberg mit Luther ein Mönch dahingegangen ist und seine 96 Thesen an das Portal geknallt hat“ und sich daraus die Institution entwickelt hat, sei außergewöhnlich. Begünstigt worden sei die Entwicklung durch den aufkommenden Buchdruck, „das Facebook des Mittelalters“.

In der persönlichen Erinnerung ging Axel Fuchs zurück in die Zeit, als er 13-jährig beschlossen habe, das Leben als Punk sei genau sein Ding. Damals, als die Ökos die natürlichen Feinde der Punks waren und es auch zu Auseinandersetzungen kam, setzte die evangelische Jugendarbeit mit dem Angebot, das „Café Cholera“ mittwochs für Punks zu öffnen, ein Zeichen. „Diesen Schritt muss man erst Mal gehen“, würdigte Fuchs den damaligen Mut der Verantwortlichen.

Weiter ging Fuchs auf politische Aktivitäten der Evangelischen Kirche ein, die deutlich Stellung nehme zu Themen wie Tihange, Braunkohle oder Wiesencamp. In Andeutung konkreter Kommentare zu letzterem suchte der Bürgermeister die Offensive: „Wenn ich mich deutlich positioniere, darf ich eines nicht vergessen: Man muss Tausende Mitarbeiter mitnehmen!“

Sodann spannte er den politischen Bogen weiter zu einem „brisanten Thema“: Nach dem Besuch des Bürgermeistertags vergangene Woche in Dresden mache er sich konstant Gedanken, wie die repräsentative Demokratie mit einer Partei wie der AfD umgehen solle. „Diese Partei ist unwählbar“ lautet seine persönliche Meinung. Dennoch sei es ein merkwürdiges Gefühl, wenn man leichte Gewalt zu tolerieren beginne, wie beim AfD-Parteitag in Köln geschehen.

Im Rückblick auf eine Versammlung in der Stadthalle, wo es um die Errichtung eines Erstaufnahmelagers auf der Mersche Höhe ging, erinnerte er an die Rolle der Kirche: „Da wurde nicht gefragt, wer da kommt, sondern ,Wie können wir den armen Menschen helfen‘. Da wurde Nächstenliebe gelebt.“ Mit dem Fazit „Ihre Kirche ist für uns Heimat“, beendete Fuchs seine Kanzelrede unter dem Beifall der Gottesdienstbesucher.

Diskussion im Bonhoeferhaus

Im Anschluss an den von Pfarrer Udo Lenzig und Pfarrer Horst Grothe geleiteten Gottesdienst traf sich die Gemeinde zu einer von Arne Schenk moderierten Fragerunde im Bonhoefferhaus. Die Frage, was Kirche für die Jugend bieten könne, fand allgemein keine greifbare Antwort. Die Meinung, dass „wir eine Generation waren, die sich selbst mehr bespaßen konnte“, fand ebenso Zustimmung, wie die Feststellung des Rückgangs christlisch geprägten Familienlebens.

Lebhaft wurde es, als der Bürgermeister die Bewohner mit der Frage konfrontierte, ob der Marktplatz zur Belebung der Innenstadt wieder befahrbar werden solle. Die spontane kollektive Ablehnung besänftigte Fuchs mit dem Hinweis, dass es dazu noch keine konkreten Pläne gebe, gab aber auch zu bedenken: „Mit der Tabuisierung von Themen kommen wir nicht weiter. Man sollte auch mal etwas ausprobieren.“

Kreativität bewies Fuchs mit seiner Vision der „Errichtung einer Markthalle im mediterranen Stil“ oder dem Gedanken an die Bereitstellung von Leih-Golf-Caddies am Walramplatz, mit denen man für Einkäufe in die Innenstadt gelangen könne. „Es gab für die Stadt keine andere Möglichkleit mehr“, beantwortete Fuchs die Frage nach den Gründen für die Schließung des Hundestrands in Barmen, der überregional zu stark frequentiert worden war.

Eventuell werde es eine Lösung an der Rur in Verbindung mit einem potenziellen Biergarten geben. Den Vorwurf, die Stadt sei zu schmutzig, konterte Fuchs mit dem Bekenntnis: „Insgesamt ist Jülich immer noch eine verdammt schöne Stadt.“

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