Bürgerinitiative kritisiert Pläne für Logistikzentrum

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Ausschnitt der geplanten 200 Meter langen Industriebrücke über der Dorfeinfahrt in Blickrichtung Jülich. Visualisierung durch die Bürgerinitiative „Zukunft Kirchberg“

Kirchberg. Für die anstehenden Sitzungen der zuständigen politischen Fachausschüsse in Jülich schlägt die Bürgerinitiative „Zukunft Kirchberg“ dringend Korrekturen an der bestehenden Planung für das Logistikzentrum vor, um die negativen Folgen für den Stadtteil zu vermindern.

In Sachen Logistikzentrum der Fa. Eichhorn/Boos in Kirchberg habe die Stadtverwaltung Jülich keinen einzigen der zahlreichen Einwände und Verbesserungsvorschläge der Bürgerinnen und Bürger aus der Bürgerbeteiligung angenommen und umgesetzt, moniert die BI. Damit drohe die Ortseinfahrt von Kirchberg zu einem Industriepark mit monströsen Industriebauten umgestaltet zu werden.

Selbst einfach umsetzbare Vorschläge zur optischen Verbesserung der Bauten – beispielsweise die Ausführung der 200 m langen Industriebrücke in leichter Klarglas-Stahlfachwerk-Optik („Eisenbahnbrückenoptik“) anstelle eines grauen Blechklotzes, die Begrünung des Hochregallagers durch Bepflanzung oder die Anlage eines Walls mit Bäumen und Büschen als Sichtschutz zur Straße hin – seien mit fadenscheinigen Begründungen abgelehnt worden.

Die Stadtverwaltung vertrete dabei die Ansicht, dass von den geplanten massiven Industriebauten keine negativen Folgen für Kirchberg ausgehen, sondern dass im Gegenteil die Wohnqualität in Kirchberg durch das Logistikzentrum gleichbleibe oder steige, schreibt die BI. „Wir halten diese Ansicht der Verantwortlichen der Stadtverwaltung für bestenfalls naiv, dabei gefährlich und bürgerfeindlich. Unserer Ansicht nach liegt es auf der Hand, dass die Umsetzung der erdrückenden Bauten nach der jetzigen Planung abschreckend auf die Menschen wirkt und in der Folge junge Familien davon abhalten wird, sich in Kirchberg eine Heimat zu suchen.“

Von der BI hierzu nach seiner Einschätzung befragt, schreibt Prof. Kötter als Experte für nachhaltige Dorfentwicklung: „Dörfer wie Kirchberg werden üblicherweise vor allem wegen ihres dörflichen Charakters, der Landschafts- und Naturnähe sowie wegen eines intakten Ortsbildes als Wohnstandort gewählt. Diese Qualitäten werden durch die Baumaßnahme erheblich beeinträchtigt bzw. zerstört. Wohnstandortentscheidungen von privaten Haushalten werden durch die neue bauliche Situation beeinflusst werden und ein möglicher Zuzug gerade von jüngeren Haushalten und Familien unterbleibt, weil eine Entscheidung zugunsten benachbarter Orte gefällt wird, die derartige Nachteile nicht aufweisen.“

Ohne den Zuzug von jungen Familien jedoch hat Kirchberg nach Ansicht der BI auf lange Sicht keine Zukunft! Wenn man dies anerkenne, müsse es im Bestreben von Verwaltung und Politik liegen, nicht nur einseitig die Interessen der Wirtschaft bzw. der Fa. Eichhorn zu verfolgen – wie dies die Stadtverwaltung vorschlägt –, sondern zusätzlich die negativen Folgen des Logistikzentrums weitgehend zu vermeiden. Alles andere wäre Gleichgültigkeit gegenüber den Menschen in Kirchberg und der Zukunft des Dorfes. Dazu schlagen die Bürger folgende Veränderungen der bestehenden Planung vor:

Reduzierte Höhe des Hochregallagers: Hinausgehend über den Wunsch der Fa. Eichhorn nach einem Hochregallager mit einer Grundfläche von 45 x 100 m und einer Höhe von 35 m sei im bestehenden Planentwurf die Grundfläche GE4 des Lagers um ca. 30 Prozent auf 51 x 114 m erhöht worden. Zusätzlich bestehe eine Flächenreserve von über 10 000 Quadratmeterm (derzeit Büsche). Die Höhe des Bereichs GE4 Hochregallager könne daher ohne Verlust von Lagerkapazität deutlich reduziert werden, z.B. auf 20 m.

Tunnel: Ein Tunnel ist gegenüber einer Industriebrücke zwar teurer (um eher zwei statt der vom Eichhorn-Gutachter geschätzten vier Millionen Euro), aber durch die Möglichkeit, sich am bestehenden Standort zu erweitern und eine jetzige Ackerfläche zu nutzen, spare die Fa. Eichhorn im Gegenzug jedoch viele Millionen Euro gegenüber einem Umzug an einen anderen Standort. Durch diesen großen Vorteil für das Unternehmen ist es aus Sicht der BI ebenso eine Pflicht des Unternehmens, alle notwendigen Investitionen für eine Verminderung der negativen Folgen für Kirchberg zu tätigen.

Wall als Sichtschutz: Entlang der Wymarstraße ist zurzeit keinerlei Sichtschutz auf das Logistikzentrum geplant. Die BI schlägt vor, hier einen ca. vier Meter hohen Erdwall mit dichter Bepflanzung von Bäumen und Büschen vorzusehen. Die erforderliche Breite von ca. zehn Metern könne problemlos auf dem bestehenden Grünstreifen und auf der geplanten Verkehrsfläche realisiert werden.

Begrünung: Bauten über zwölf Metern Höhe sollen zur besseren Einbindung in Umgebung und Landschaftsbild mittels Bepflanzung begrünt werden. Der vorgeschlagene Tarnfarbenanstrich eigne sich dazu nicht.

Villa Buth, Eichhornhäuser: Die denkmalgeschützte Villa Buth, die sich in einem desolaten Zustand befindet, sowie die verfallenden Eichhornhäuser sollten weitgehend instandgesetzt und mit einem neuen Anstrich versehen werden, um den Verfall aufzuhalten und die Ortseinfahrt optisch aufzuwerten. Dies sollte von der Stadt vertraglich vor Satzungsbeschluss geregelt werden.

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