Bürgerhalle: Merzenhausener erteilen Stadt Jülich Absage

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Eindeutiges Votum: Alle 47 Versammelten in Merzenhausen wollen „erst mal alles beim Alten lassen“. Foto: Jagodzinska

Merzenhausen. „Wir lassen erst mal alles beim Alten“ – für diese Formel stimmten alle 47 Merzenhausener, die zur Bürgerversammlung in der selbst errichteten Bürgerhalle zusammengekommen waren. Hintergrund des Treffens sind die Bemühungen der Stadt Jülich, nach Möglichkeit alle Bürgerhallen künftig vorhandenen oder zu gründenden Trägervereinen zu überantworten.

Die Begründung des Beschlusses in Merzenhausen wurde auf eine kurze Formel gebracht: „Wir machen es doch schon selber!“ Bei dem Vorschlag aus dem Rathaus bliebe die Stadt Eigentümerin, die Betreiberverantwortung würde aber nach Versammlungsstättenverordnung auf die Trägervereine übergehen.

Ortsvorsteherin Anna-Katharina Peters begrüßte die Bürger(-innen), überließ aber dem Jülicher Stadtverordneten Heinz Frey, gleichzeitig Mitglied der Bürgerhallenkommission, die Versammlungsleitung. Frey betonte: „Im Moment schließt die Stadt Jülich nicht einfach eine Bürgerhalle. Es werden jährlich 100.000 Euro für die Bauunterhaltung Jülicher Bürgerhallen in die Hand genommen.“

Beim Bemühen, die Infrastruktur zu erhalten und dennoch die Kosten zu senken, sei der Stadt „der große Wurf noch nicht gelungen. Jetzt sollen die Bürger selber machen.“ Das aber hätten sie doch schon getan, setzte Frey nach: Durch den Bau der Halle nämlich hätten sie der Stadt einen Vermögenszuwachs beschert. Auch weiterhin leisteten sie nicht nur als Steuerzahler ihren Part, sondern sorgten aktiv für Werterhalt. Frey: „Bürgerhallen, die von Bürgern gepflegt werden, sind die am besten gepflegtesten.“

„Nur“ 125.000 Euro Entlastung

Wenn man alle Jülicher Bürgerhallen schließen würde, wäre der Jülicher Haushalt mit einem Millionen-Defizit (lediglich) um 125.000 Euro entlastet. Der Stadtverordnete präsentierte seine eigene Auflistung mit vielen Details. Heinz Frey erklärte auch, dass es verschiedene Hallenarten gebe: die klassische Bürgerhalle wie in Merzenhausen. Sie liege in den städtischen Berechnungen „hinten“. Zweitens gibt es eine Mischform und drittens solche, die überwiegend von Vereinen genutzt werden. Sie bezeichnete er als „Notbürgerhalle“.

In die Wirtschaftlichkeitsberechnungen der Stadt flössen auch Abschreibungen ein. Im Fall Merzenhausen ist das ein Betrag von 6000 Euro pro Jahr. Dieses Verfahren sei aber laut Frey sinnlos, weil Abschreibungen „eigentlich dazu dienen sollen, Ersatzbeschaffungen zu finanzieren“, die aber gar nicht anstehen. Sein Resümee: „Die Kostenproblematik ist erkannt – aber nicht verstanden – und wird benutzt, wie man es eben gerade braucht.“ Und: „Die Bedeutung der Hallen scheint verstanden, ist aber abhängig vom Lebensraum/Standort.“ Die Bürgerhalle des 400-Seelen-Ortes habe einen Buchwert von 250.000 bis 300.000 Euro, eine vergleichsweise hohe Lebensdauer von 11 bis 28 Jahren und sei mit ihren 17.000 Euro Betriebskosten „eine der billigsten Hallen im Stadtgebiet“ lautet das Fazit des Stadtverordneten.

Frey wurde mit Fragen und Anmerkungen aus der Versammlung bombardiert, etwa: „Würde ein eventueller Sparkommissar die Position freiwilliger Leistungen (besagte 100.000 Euro für Bürgerhallen) einfach streichen?“ Antwort: „Das weiß keiner.“ Oder: „Wenn wir die Halle übernehmen würden, müsste uns die Stadt Geld für die Jugendlichen zahlen, weil nach ihrem Willen die Jugendförderung kostenlos ist?“ Antwort: „Aber dann hat die Stadt nichts gespart, und es geht ja ums Sparen.“ Im Übrigen stellte Frey die Sinnhaftigkeit einer kostenfreien Jugendarbeit heraus, „um die Jugendlichen von der Straße zu kriegen“.

Letztlich wurde einstimmig der eingangs zitierte Beschluss gefasst, alles beim Alten zu belassen, allerdings auf die Heizkosten stärker zu achten. Wie die Stadt Jülich nun darauf reagiert, bleibt abzuwarten. Der Rat hatte mit großer Mehrheit die Überantwortung an Trägervereine beschlossen, die dann auch Geld für notwendige Investitionen erhalten. Anderenfalls werde über eine „Vermarktung“ von Hallen nachgedacht.

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