Bürgerhalle bekommt ein Jahr auf Bewährung

Von: ojo
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Körrenzig. Das Moratorium ist verlängert worden. Die Bürgerhalle Körrenzig wird nun ein weiteres komplettes Jahr gleichsam unter besonderer Beoachtung betrieben. Das Fazit nach diesem Jahr wird entscheidend sein für die weitere Zukunft. Es geht um nicht weniger als die Existenz der Bürgerhalle.

Eigentlich sollte diese Frage bereits geklärt sein. Nicht zuletzt deshalb hatte der Stadtrat dem Körrenziger Versuchsprojekt zugestimmt. Der eigentliche Hintergrund war ein technischer. ging es doch um die Frage, ob die Bürgerhalle eine neue Lüftungsanlage erhalten muss oder nicht. Bei einer Inspektion des Gebäudes durch den Kreis als Aufsichtsbehörde war neben Brandschutzmängeln die vorhandene Lüftungsanlage als ungenügend eingestuft worden – die Halle wurde geschlossen. Im ersten Halbjahr 2013 sollte getestet werden, ob die Bürgerhalle sozusagen mit manueller Lüftung betreiben werden könnte – also durch gelegentliches Öffnen von Fenstern und Türen. Zu dieser technischen Komponente kam eine weiter, eine gesellschaftliche. Anwohner der Bürgerhalle fühlten sich in zunehmenden Maße durch die Veranstaltungen gestört. Sogar die Polizei wurde hinzugezogen, um für Ruhe zu sorgen. Auch diese Problematik sollte in diesem halben Jahr beobachtet werden, vor allem unter dem Aspekt, dass den Mietern ein striktes Einhalten der Auflagen und der Hallenordnung eindringlich ans Herz gelegt wurde.

Nun, ein gutes halbes Jahr später, diskutierten Anwohner, Betreiber, Körrenziger und die Linnicher Verwaltungsspitze die Erkenntnisse aus dieser Probezeit. Den wirtschaftlichen Aspekt fasste Heinz-Peter Lenzen von den Vereinigten Vereinen kurz und knapp zusammen: „Die Vermietung der Halle ist sehr, sehr mager.“ Für Absagen und Zurückhaltung hat er eine Erklärung: „Es geht die Angst um, dass ab 22 Uhr die Polizei erscheint“, um für Ruhe zu sorgen. Das Terminbuch ist dünn. Ein paar Veranstaltungen seien noch eingetragen, „aber davon können wir nicht leben“. Dabei geht es nicht um reinen Profit. Die Bürgerhalle, die die Vereinigten Vereine bewirtschaften, kostet Geld für ihren Unterhalt. Ortsvorsteher Wilfried Meisens Prognose klang düster: „Zwei Jahren könnten wird das noch so leisten. Dann müssten wir die Halle an die Stadt zurückgeben.“ Da die Stadt nicht als Bewirtschafter auftrete, wäre sie für Körrenzig „tot“, wie es Meisen formuliert.

Eine echte Veranstaltungsalternative gibt es offenbar nicht. Dem Eindruck, dass eine spürbare Verlagerung zum Vereinsheim des SSV Körrenzig erfolgt, widersprach SSV-Vorsitzender Wilfried Sauer. Die Situation in Körrenzig sei dramatisch, befand Bürgermeister Wolfgang Witkopp. Der Betrieb der Halle gehe nur auf der Basis gegenseitigen Verständnisses. Seine Beobachtung: „Die Feierkultur hat sich in den letzten Jahren dramatisch verändert.“ Es wird lauter, und das nicht zuletzt außerhalb des eigentlichen Veranstaltungssaales. Und das bekommen die Anwohner dann hautnah mit.

Dass es anders geht, hat der Körrenziger Junggesellenverein bewiesen. Seine Fete im zurückliegenden 1. Halbjahr wurde von allen ausdrücklich gelobt. Meisen sah darin eine Marschrichtung für die Zukunft. Wenn der Veranstalter seine Gäste dämpft und zu gesittetem Feiern anhält, „müsste es schon gehen“. Dabei könnte auch ein Ordnungsdienst nach dem Welzer Vorbild eine regulierende Wirkung entfalten.

Die Lösung, auf die man sich verständigte, ist ein Versuch. Stadt, Betreiber und Anwohner wollen die Entwicklung in und um die Bürgerhalle ein weiteres Jahr beobachten. Aufgeschoben ist damit der Einbau der neuen Lüftungsanlage. Sie war mit 65.000 Euro veranschlagt. Was sich allerdings machen ließe, wäre eine Ertüchtigung der Fenster im oberen Bereich, um die Schallemissionen zu reduzieren, sagte Beigeordneter Hans-Josef Corsten zu. Diese Investition mache Sinn, „wenn die Halle überlebt“. Das Probejahr wird zeigen müssen, ob der Dreiklang Feierkultur, Anwohnerbedürfnis und wirtschaftliches Auskommen gelingt. Fällt nur eine dieser Komponenten aus, bricht das Kartenhaus zusammen.

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