Bürger treten in intensiven Dialog mit den Bürgermeisterkandidaten

Von: Antonius Wolters
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Als Bürgermeisterkandidaten präsentierten sich auf dem Podium Walter Korbel (v.r.), Mark Dremel, Patrick L. Schunn, Sascha Zuther, Marion Schunck-Zenker und Amtsinhaber Wolfgang Witkopp. Foto: Wolters
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„Ausverkauftes Haus“ in der Realschule Linnich: Rund 160 Personen beobachteten oder beteiligten sich aktiv am Bürgermeister-Forum in der Aula. Foto: Wolters
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Während der Diskussion kamen reichlich Bürger zu Wort. Foto: Wolters
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Die Moderatoren Otto Jonel (l.) und Uwe Hasler. Foto: Wolters

Linnich. Dass die erneute Kandidatur als Bürgermeister für ihn kein Selbstläufer wird, dürfte Amtsinhaber Wolfgang Witkopp spätestens bei der von Stadtmarketingverein „Wir in Linnich“ und Lokalredaktion Jülich organisierten Diskussionsrunde am Mittwoch in der Aula der Realschule gespürt haben.

Es wäre seine letzte Amtszeit, kündigte Witkopp an, der beitragen möchte, dass „die Stadt im Umbruch“ den dringend benötigten Erfolg auch schafft. Im Vorfeld des Abends hatten die beiden Moderatoren Uwe Hasler vom Stadtmarketingverein und unser Redakteur Otto Jonel dem Kandidaten-Sextett sieben Fragen zu einzelnen Themen geschickt, wobei die Antworten auf Wandzeitungen nachzulesen waren, die als Leitfaden durch den Abend führten.

Der Verödung der Innenstadt möchte Walter Korbel mit privatem Sponsoring und der Etablierung von Bürgertreffs begegnen. Marion Schunck-Zenker möchte Linnichs Alleinstellungsmerkmale wie das Glasmalerei-Museum stärker betonen und die Stadt besser verkaufen, während Mark Dremel das Integrierte Handlungskonzept (IHK) umsetzen und Gewerbeansiedlungen mit Hilfe von SIG Combibloc realisieren will. „Wir müssen mit Leerständen umgehen“, schlägt Witkopp vor, hier andere Funktionalitäten wie Wohnungen oder Büros zu prüfen.

Aus dem Publikum wurde die Frage laut, warum Linnich auf seiner Internet-Seite keine Informationen über Gewerbeflächen gebe und nicht für sich werbe. Witkopp berichtete in Sachen Gewerbegebiete über interkommunale Gespräche mit Aldenhoven und Baesweiler, das finanzielle Wagnis für die Erschließung eigener Gewerbegebiete sei zu groß. Deshalb sei die Ausweisung von Wohnbaugebieten forciert worden. Zudem sei es sein Bestreben, einen Frequenzbringer in die Innenstadt zu holen.

„Eine starke Stadt bringt starke Ortschaften hervor“, sieht Dremel keine Konkurrenz zwischen Innenstadt und Dörfern, sondern eher die Chance, gemeinsam zu arbeiten, während Korbel die City stärken möchte. Schunck-Zenker betont die Vernetzung von Entwicklungsplänen wie in Ederen, etwa das Anlegen von Wegen zwischen den 13 Orten.

Kritische Tönen galten der Entwicklungsgesellschaft Indeland und den Vorteilen für Linnich. Während Patrick L. Schunn die Mitgliedschaft ablehnt und Schunck-Zenker konstatiert, dass bisher zu wenig zurückgekommen sei, wurde aus dem Publikum kritisiert, dass Projekte aus der Bürgerschaft entwickelt würden, während in benachbarten Kommunen die Verwaltung aktiv geworden sei.

Beim Thema Finanzen und Schulden warben Sascha Zuther und Schunn für den Bürgerhaushalt, bei dem die Bevölkerung stärker bei Entscheidungen beteiligt werde. „Nur Einsparungen beim Personal bringen etwas“, bekannte Witkopp, der die finanzielle Ausstattung durch das Land beklagte und den Sparkommissar fürchtet, der die Grundsteuern drastisch erhöhe. Die Gewerbesteuer verbessere die Situation nicht, da davon nur zehn Prozent übrig blieben.

Schunck-Zenker lehnt jedwede Denkverbote ab, sieht mit Gründung von Stadtwerken die Möglichkeit, Einnahmen zu generieren und favorisiert eine Kombination von IHK und Gewerbeansiedlung. Zudem müsse der Schuldenabbau forciert werden, um für Zinserhöhungen gerüstet zu sein. Bei den Außenständen der Stadt räumte Witkopp ein, dass die Abrechnungen über Ingenieurbüros erfolgten und jeder zweite Bürger gegen diese klagten. Dremel wunderte sich über das Outsourcing von Aufgaben, die originär von der Verwaltung zu erledigen seien.

Beim Reizthema Windkraft würde ein Bürgermeister Schunn versuchen, zwischen Positionen zu vermitteln und einen Kompromiss zu finden. Schunck-Zenker erinnerte an Landesvorgaben und betonte die Wichtigkeit, Entscheidungen in der Hand zu behalten und in Bauleitverfahren Rechtssicherheit zu erzielen. Dremel bedauert, dass es für die Kommunen keinen neutralen Fachberater gibt und begrüßt, dass sich die Abstände zur Wohnbebauung am oberen Ende bewegen.

Witkopp erinnerte daran, dass er keine andere Wahl habe, als Beschlüsse des Rates umzusetzen. Er räumt bei allem Wohlwollen für diese Art der Energieerzeugung ein, dass einzelne Orte überfordert werden. Zu den Einnahmen der Stadtentwicklungsgesellschaft aus der Nutzung von Ausgleichsflächen für Windkraft hüllte er sich in Schweigen.

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