Jülich - Bühne 80 probt den ehrenwerten Suizid

Bühne 80 probt den ehrenwerten Suizid

Von: ptj
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Wirklich der letzte Ausweg?: Sir George Middlesome, Earl of Eastermoor (Bert Voiss) und Lady Ellen, seine Gattin (Claudia Cormann-Wiersch) wollen „ehrenwert aus dem Leben scheiden“. Foto: Jagodzinska

Jülich. Regisseurin Marianne Sery ist kein neues Gesicht beim beliebten Jülicher Amateurensemble „Bühne 80“. Sie spielt seit 1981 mit und führte bereits 1996 Regie bei der Aufführung „Die Physiker“ von Friedrich Dürrenmatt. Nun hat sie sich der englischen Komödie gewidmet.

Sie reizt das „makabre Komische“, eine gelungene Zusammensetzung aus schrillen Bridgedamen, distinguierten Adligen wie dem Earl of Eastermoor und Lady Martha Gladstone und als Krönung Butler Mortimor, der „adliger als alle ist“.

Den Gegenpol bildet Miss Pringle (Maritta Kieven) als Versicherungsagentin, eine typische „Amtsperson, die alles unter Kontrolle hat“. Seit November probt die „Bühne 80“ einmal pro Woche die Komödie „Bubblegum und Brillanten“ von Jürgen Baumgarten.

Zur Vorbereitungsphase zählen ein Probenwochenende in der Eifel und sonntägliche Sonderproben, bevor das Stück am Samstag, 16. April, in der Stadthalle Premiere feiert. Wird das ständige Proben nicht langweilig? „Nein“, betont Sery.

Mit sichtlich „sehr viel Spaß beim Proben“ feilt das Team, das größtenteils bereits viele Jahre zusammenarbeitet, an seiner Interaktion und bringt immer neue Ideen ein. Ihre Theaterpremiere feiern Elvira Scheidt als Lady Marthas Bridgedame Clara, Dieter Nießen als klassischer englischer Inspektor Roger Jameson und Jana Büchsenschütz als Marthas Hausmädchen Jane Kinnegan.

Nach ihrer gelungenen Kostprobe bei der Lesung zum Mantel- und Degen-Klassiker „Die drei Musketiere“ im Erzählerinnenduo fungiert Lea Wiersch nun als Souffleuse. Eine Theaterprobe im Roncallihaus macht Lust auf mehr: „Silentium, allerseits“, fordert Sery, „Vorhang ab“, setzt Bert Voiss nach.

Der kleine Salon im Erdgeschoss des Schlosses von Sir George Middlesome, Earl of Eastermoor (Bert Voiss) und seiner Gattin, Lady Ellen (Vorsitzende Claudia Cormann-Wiersch) hat, wie das gesamte Anwesen mitsamt seiner Besitzer, bessere Zeiten gesehen.

Der verschuldete Ehrenmann George und Gattin Ellen haben sich in ihrer ruinösen Lage zu einem gemeinsamen Selbstmord entschlossen. Mortimer (Andreas Hardt), ihr Butler, Koch und Fahrer, bringt „das Frühstück von heute und die Times von gestern“.

Er hat die „Familiengruft gefegt“ und zeigt sich „sehr stolz auf den Entschluss der Lordschaften, ehrenwert aus dem Leben zu scheiden“. „Bert, wenn du jetzt betroffen bist, dann sitzt du nicht so entspannt“, fordert die Regisseurin Voiss auf, der sofort auf Körperspannung achtet.

Mit Poetik, Umarmungen und Küssen bereiten sich Lord und Lady of Eastermoor gefühlvoll, während der Probe aber auch mit einigem Gelächter, auf ihren Abschied voneinander und von dieser Erde vor. „Das muss noch ein bisschen mehr Feuer haben“, meint Sery und die Szene wird bereitwillig wiederholt.

Tante Martha (Rosemarie David) versäumt es nicht, die aus bürgerlichem Hause stammende Lady als ehemalige Kindergärtnerin noch gehörig zu beleidigen und zeigt sich gefühllos: „Liegt also dann bitte hier nicht tot herum, wenn ich mit meinen (Bridge)Damen hier durch gehe“, sagt sie.

„Es gibt doch immer einen Ausweg“ meint hingegen Konkursverwalter Jonathan Jenkins (Martin Günzel), der mehr als nur ein Auge auf Hausmädchen Jane Kinnegan geworfen hat. Im ersten Akt nimmt „Lord Tom Meow-Meow III“ als nur akustisch auftretender Hauskater und „Mistvieh“ im Hinterzimmer (super miaut von Evelyn Wirtz) breiten Raum ein.

Am Ende des ersten Aktes bringt Mortimer den Lordschaften eine verstaubte Waffe mitsamt Spinne aus einer Grabkammer auf einem Silbertablett – eine Todesart, die sich als schwierig erweist. Die weitere Handlung verspricht acht zusätzliche Akteure und Spannung.

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