Büchners „Woyzeck“ am Mädchengymnasium in neuem Gewand

Von: Mira Otto
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Rücksichtslos untersucht der Doktor den völlig überforderten Woyzeck. Der Literaturkurs des MGJ besetzte die Medizinerrolle gleich vier Mal, um den enormen Druck auf Woyzeck besser darzustellen. Foto: Mira Otto

Jülich. Der Literaturkurs des Mädchengymnasiums (MGJ) interpretierte Georg Büchners „Woyzeck“ auf der Bühne und gab dabei völlig neue Einblicke in das Stück. Besonders die Psyche der Figuren trat durch die Mehrfachbesetzung einiger Figuren stärker in den Vordergrund.

Im PZ des MGJ öffnet sich zu Beginn der Veranstaltung der Vorhang. Die heißblütig-sinnliche Melodie von „El Tango the Roxanne“ erklingt. Woyzeck (gespielt von Anna Rohowsky) betritt die Bühne und bewegt sich tanzend mit seiner Marie. Plötzlich sticht er ihr ein Messer in den Körper und Marie fällt tot zu Boden.

Wer das Werk Georg Büchners kennt, weiß, dass das Dramenfragment „Woyzeck“ mit einem Mord endet und nicht beginnt. „Wir wollten einen anderen Blickwinkel von Büchners Werk zeigen“, sagt Peter Mangold, der den Kurs betreut, zur geänderten Szenenfolge, die das Ende der Handlung vorwegnimmt.

Damit nicht genug der Neuerungen, die der Literaturkurs eingebracht hat: Mitunter verkörpern gleich zwei Schauspielerinnen (Mia Deffur und Helene Göbbels) die Rolle der Marie. „Um die Zwiespältigkeit des Charakters besser darzustellen“, erläutert Mangold. Dabei folgt die eine Marie der Moral und besinnt sich auf ihren „gutherzigen Mann Franz Woyzeck“. Hierbei steht sie in Konkurrenz zu ihrem bösen und materiell eingestellten Zwilling, der sich zum wohlhabenden Tambourmajor (Isabelle Tambour) hingezogen fühlt und sich immer weiter von Woyzeck entfernt.

Der vierfache Doktor

Zudem lassen die Schülerinnen Woyzeck nicht nur gegen den Tambourmajor um Marie kämpfen, die Figur muss auch Experimente eines Doktors über sich ergehen lassen. Abwechselnd gespielt von Lea Körfer, Antonia Hänschel, Mirjam Reitz und Lea Fabry gibt es den Mediziner in der Interpretation des Mädchengymnasiums in vierfacher Ausführung. Somit muss Woyzeck eine Untersuchung durch gleich vier unfreundliche Ärzte über sich ergehen lassen, die ihm bei der Aufführung Vorwürfe machten und herumschubsen. „Dabei soll der Druck, der auf den Schultern des Mannes lastet, durch vier Personen besser verdeutlicht werden“, erläutert Anna Rohowsky die Änderung. Schlussendlich schließt sich der Kreis und der Handlung schlägt den Bogen zurück zum Mord.

„Das Stück so zu gestalten, ist eine Herausforderung. Die Schülerinnen haben das klasse gemacht“, sagte Schulleiterin Maria Bardenheuer nach der Aufführung zur Neu-Interpretation. Die Zuschauer schienen ähnlicher Meinung zu sein, denn sie entließen die Schauspielerinnen mit reichlich Applaus und Jubel von der Bühne.

Nach der Aufführung sammelten die Schauspielerinnen Spenden für die Theater AG der Stephanusschule in Selgerdorf. „Mit den Geldern bekommen wir die Möglichkeit, die Bühnenbeleuchtung für die Aufführungen verbessern“, sagte Ulla Beier, Lehrerin der Stepanusschule, zum Verwendungszweck der Gelder. Die Förderschule probt gerade Shakespeares „Romeo und Julia“.

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