Budenstadt ohne Musik, aber mit ganz viel Tamtam

Von: Daniela Martinak
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Ehemalige Mitarbeiter des Baumarktes, der kürzlich Insolvenz anmeldete, veranstalten dennoch eine Art Betriebsausflug. Ein Gläschen Glühwein gehört dazu. Foto: Daniela Martinak
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Regina Schmidt verkauft bereits seit 40 Jahren Strickwaren für drunter und drauf auf dem Jülicher Weihnachtsmarkt. Foto: Daniela Martinak

Jülich. Halbzeit. Seit zweieinhalb Wochen erleuchtet der Jülicher Schlosspark in weihnachtlichem Glanz. „Eine willkommene Abwechslung“, sagen die einen. „Immer wieder das Gleiche“, sagen die anderen. Dennoch: Egal ob zur Mittagspause, morgens vor dem Stadtbummel oder nachmittags nach der Arbeit – der Weihnachtsmarkt ist gut besucht.

„Wir kommen regelmäßig her. Es gehört einfach zur Vorweihnachtszeit dazu“, behauptet Andrea Sann aus Jülich, die sich zu einem leckeren Glühwein mit ihren ehemaligen Arbeitskollegen in der Budenstadt im Schlosspark getroffen hat. „Natürlich könnte der Markt größer und noch schöner sein, aber ich finde, für Jülich ist es genau richtig. Nur einige Buden stören mich. Vieles gehört einfach nicht auf einen Weihnachtsmarkt, aber auch das sieht wohl jeder anders“, sagt sie. „Was fehlt“, fällt ihr auf, „ist schöne feierliche Weihnachtsmusik.“

Was definitiv dazugehört: Der köstliche aufgewärmte Wein. Das weiß auch Peter Eschweiler, der seit über 20 Jahren einen Glühweinstand auf dem Jülicher Weihnachtsmarkt betreibt: „Glühwein geht eigentlich immer, nur zu warm darf es nicht sein. Aber auch die unalkoholischen Getränke, wie etwa der Autofahrerpunsch werden gut und gerne angenommen.“

Nachdem sich die kleine Gruppe um Andrea Sann innerlich ein wenig aufgewärmt hat, schlendern sie vorbei an Spielzeugständen, Strickwaren, Gewürzen und Dekorationsartikeln. Hier gibt es etwas zum Schnützen, dort werden Gläser graviert.

„Abends, wenn alles beleuchtet ist, sieht es wirklich klasse aus. Im Hintergrund die Zitadelle – so mögen wir Jülicher es“, betont Marcell Ehwald. Und auch Simone Gase hat nicht viel auszusetzen: „Wir freuen uns jedes Jahr darauf. Da wird nicht umsonst viel Tamtam drum gemacht. Bevor ich nach Köln oder Aachen fahre, genieße ich lieber hier die Ruhe und treffe Leute, die ich kenne, stelle mich dazu, stoße mit Glühwein auf die Weihnachtszeit an.“ Am liebsten am Stand von Peter Eschweiler, der freut sich natürlich.

Aber sind denn auch die anderen Händler zufrieden? Gleich gegenüber der Glühweinbude preisen Dieter Pelzer und sein Team aus Brachelen handgemachte Körbe an. In sämtlichen Farben, Formen und Größen ist die Korbware wohl aus dem Angebot nicht mehr wegzudenken. „Seit 40 Jahren kommen die Leute hierher, um unsere Körbe zu kaufen. Wir haben auch keine Konkurrenz mehr. Das Geschäft läuft gut, und die Kunden sind genauso zufrieden wie wir.“ Besser könnte es selbstverständlich immer laufen, aber immerhin „läuft es um einiges besser als im vergangenen Jahr“. Mit dazu bei trägt sicher das Wetter, denn geregnet hat es in diesem Jahr zum Glück nicht so häufig.

„Aber kalt darf es ruhig werden“, ruft Regina Schmidt. Auch sie gehört zum festen Bestandteil des Jülicher Weihnachtsmarktes. Seit nunmehr 40 Jahren verkauft sie dort Strickwaren für drunter und für drauf, sprich Socken, Unterwäsche, Mützen, Schals. „Es wird von Jahr zu Jahr weniger. Beklagen können wir uns nicht, aber die Besucher bleiben mehr und mehr aus. Ich glaube es liegt daran, dass die Leute kein Geld mehr haben“, vermutet die Aachenerin. Auch sie habe dennoch ein gutes Gefühl im Vergleich zum Vorjahr.

Noch anderthalb Wochen lädt der Weihnachtsmarkt zum Bummeln und Glühweintrinken ein; noch anderthalb Wochen, bis die Lichter ausgehen, Socken und Körbe wieder eingeräumt werden.

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