Brutaler Sportplatzüberfall: Verein fühlt sich allein gelassen

Von: Volker Uerlings
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Die Delegation von Grün-Weiß Welldorf-Güsten am Donnerstag vor dem Landtag (v.l.): Armin Pahl, Karl-Heinz Albersmeier, Jakob Cremer. Foto: Uerlings
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30 bewaffnete Männer haben am 6. November den Sportplatz in Güsten gestürmt und mehrere Menschen verletzt. Foto: JZ/JN

Jülich/Düsseldorf. Karl-Heinz Albersmeier war der Kamm geschwollen. Da musste er mal kurz raus, durchpusten. Der Vorsitzende des SV Grün-Weiß Welldorf-Güsten hatte bis zu diesem Zeitpunkt am Donnerstag die Sitzung des NRW-Innenausschusses im Landtag mit seinen beiden Begleitern Armin Pahl und Jakob Cremer aufmerksam verfolgt, weil sowohl der brutale Überfall auf das Fußballspiel zwischen den Grün-Weißen und den Dürener Sportfreunden als auch der Angriff auf Polizeibeamte in Düren ausführlich diskutiert worden waren.

Fast eine Stunde nahmen sich die Fachpolitiker Zeit, allerdings verfielen sie an der ein oder anderen Stelle in Rituale, die Albersmeier ärgerten. So wurde dem Landtagsabgeordneten Josef Wirtz (CDU/Jülich) „Wahlkampf“ und Parteipopulismus aus den Reihen der SPD vorgeworfen, weil er am Donnerstag sehr hartnäckig die Situation und Probleme des Sportvereins zur Sprache brachte. Wirtz: „Mit den Vereinsvertretern hat noch kein Mensch geredet. Das halte ich für einen unglaublichen Vorgang.“

Der Abgeordnete forderte Innenminister Ralf Jäger drei Mal auf, doch endlich auch mit dem Verein Kontakt aufzunehmen, der nicht wisse, ob für die Sicherheit des geplanten nächsten Spiels garantiert werden könne: gegen SV Türkspor Bergheim. Außerdem sei im Bereich Opferschutz nichts geschehen. Für Jägers Parteikollegen war das wohl nah an der Majestätsbeleidigung. Sie murrten lautstark und unterstellten vorgezogenes Wahlkampf-Geplänkel. Allerdings kandidiert der Christdemokrat aus Jülich im nächsten Jahr gar nicht mehr.

Der Minister entgegnete, dass sich auch der Verein an das Kommissariat Opferschutz/Prävention hätte wenden können. In seinem Bericht, den Ralf Jäger dem Ausschuss vorgelegt hat, bewertet er die Lage eindeutig: „Da der gewalttätige Übergriff keinen Bezug zu der betroffenen Fußballbegegnung hatte, sind besondere polizeiliche Maßnahmen aus Anlass von künftigen Spielen der beteiligten Vereine nicht erforderlich.“ Ein ranghoher Polizeivertreter sagte der Delegation aus Welldorf-Güsten am Donnerstag immerhin zu, dass die Ordnungshüter ein waches Auge über die nächsten ein bis zwei Spiele hätten.

Der Bericht des Innenministers enthielt aus Sicht der Union einen Mangel: Er stellt das Geschehen erst ab dem 6. November dar. Dabei habe es bereits am 4. und 5. November größere Gruppen (50 bis 70 Personen) gegeben, die von Düren nach Jülich reisten, um dort nach den eigentlichen Zielpersonen Ausschau zu halten. Das waren die beiden Männer, mit denen türkischstämmige Dürener zuvor eine Auseinandersetzung auf der Bundesstraße 56 hatten. Josef Wirtz: „Da wissen wir ja aus der Presse mehr.“ Der Minister und seine Fachleute erklärten, hiervon keine Kenntnis zu besitzen.

Nach dem Schock vom 6. November ist jedenfalls die Angst in Welldorf-Güsten immer noch aktuell. Es gab unzählige Anrufe, E-Mails und vor allem Kommentare in den Sozialen Netzwerken. Eine ganze Reihe enthielten Vorwürfe, Drohungen oder Beschimpfungen, wie Karl-Heinz Albersmeier im Gespräch mit unserer Zeitung informierte. Auch die Medienwelt der Republik lernte den Jülicher Doppelort mit seinem Sportverein plötzlich kennen – und hinterließ laut Albersmeier nicht immer den besten Eindruck. Für einen vergleichsweise kleinen Verein wie den SV Grün-Weiß und seinen Vorstand war da die Grenze zur Überforderung überschritten.

Hilfe gab es nicht. „Wir fühlen uns komplett allein gelassen“, sagt der Vorsitzende und meint damit durchaus auch die Öffentlichkeit in seiner nahen Umgebung. Zuspruch oder Hilfsangebote aus dem Kreishaus oder dem Jülicher Rathaus habe es nicht gegeben. Karl-Heinz Albersmeier ging noch einen Schritt weiter. Er setzte einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, der „all das Unfassbare“, was den Grün-Weißen (und den Sportfreunden Düren) widerfahren ist, zusammenfasste. Es war für ihn keine Überraschung, dass er nach seiner Darstellung „eine Art Standardantwort“ erhielt. Aber er lässt nicht locker – und hat den nächsten Brief an die Kanzlerin schon abgeschickt.

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