Brückenkopf-Weiher: „Tropf” ist endlich wieder ein „Fließ”

Von: Otto Jonel
Letzte Aktualisierung:
Der Wasserschulgarten erholte
Der Wasserschulgarten erholte sich in kürzester Zeit von der „Dürre”. Durch den permanenten Zufluss ist er wieder gut gefüllt und bietet Fauna und Flora einen angemessenen Lebensraum. Foto: O. Jonel

Jülich. Im „hinteren” Teil des Brückenkopf-Weihers, dort, wo es über das Brückchen vom Zoo in die Zoobastion und weiter zum Stadtgarten geht, schnappten die „U-Boote” noch im Frühjahr nach Luft. Rosa, weißlich oder im markanten Orange schimmernd, lagen die halbmeterlangen Orfen und Koikarpfen dicht unter der Oberfläche im Wasser.

Unter ihren Bäuchen war der Teichgrund schon gefährlich nahe. Die Ruderboote und Kanus waren an die Kette gelegt. Beschauliche Fahrten auf dem seichten Gewässer waren kaum mehr möglich. Der Weiher litt an Wasserarmut.

Die Wasserknappheit war nicht etwa einer Dürre geschuldet. Vielmehr war die Verbindung zwischen Brückenkopf-Weiher und Rur, die Leben spendende Aorta, „zu”. Und das darf man getrost wörtlich nehmen. „Dass da überhaupt noch was durchging, grenzt an ein Wunder”, meint Heinz Horrig, gemeinhin als Chef vom Dienst im Brückenkopf-Park bekannt, in der Rückschau.

Der Vergleich zur Medizin ist so abwegig nicht. Seit Jahr und Tag floss weniger Wasser von der Rur hinüber zum Brückenkopf. „Wir haben vor Jahren versucht, die Leitung zu spülen. Das hat aber nicht so geklappt”, schildert Eva Savi die prekäre Situation. Die Fachfrau aus dem Tiefbauamt der Stadt kennt das Problem mit dem Weiherzufluss. Wie eine Ader oder Vene setzte sich die Leitung zu, die teils freifließend, teils verrohrt geführt wurde. Wie sehr, wurde allerdings erst vor wenigen Wochen offenkundig.

Da sich bereits am Rohraustritt jenseits der Kirchberger Straße nur ein Rinnsal in den Graben ergoss, musste irgendwo auf der Strecke von der Rur unter der Kirchberger Straße hindurch eine Blockade sein. Angenommen wurde dieser lange Zeit in dem Abschnitt unter der Kirchberger Straße zischen einem Schieberschacht an dem kleinen Parkstreifen an der einen und dem Rohrausgang an der anderen Seite.

Und tatsächlich fand sich ein Pfropfen auf Horrigs entscheidenden Hinweis - allerdings an anderer Stelle. In dem Bereich zwischen dem offen Zufluss von der Rur und der Kirchberger Straße hatten Baumwurzeln, Erdreich und Schwemmmüll das Rohr fast vollständig ausgefüllt. „Es hat nicht mehr viel gefehlt, und da wäre gar nichts mehr durch gegangen”, schildert Eva Savi. Die „Verstopfung” war so massiv, dass das betroffene Rohr im Juni freigelegt werden musste und ein Segment herausgeschnitten wurde.

Von diesem Einstieg arbeitete sich eine Fräse durch den „Thrombus” und machte dem Wasser wieder den Weg frei. Einigermaßen, jedenfalls. Denn abgeschlossen ist das Kapitel „Rohr frei” damit noch nicht.

Bei einer Kamerabefahrung des Rohrbereich zwischen Rur und dem Schieberschacht an der Kirchberger Straße zeigten sich generelle Mängel. Eva Savi: „Wir haben gesehen, dass alle Muffen undicht sind.” Das Problem ist relativ einfach zu lösen. „In diese Leitung bis zu dem Schieber wird ein Inliner verlegt”, erklärt Eva Savi. Durch das nach vorhandene Rohr wird ein neues geschoben, das das alte abdichtet und für zusätzliche Stabilität sorgt. Vorteil dieses Verfahrens: „Wir brauchen keine Bäume anzutasten.” Damit wäre der erste Abschnitt des Weiherzulaufs saniert.

Nicht ganz so einfach geht es weiter. „Die Leitung vom Schieber unter der Straße hindurch werden wir komplett erneuern müssen.” Inliner-Verfahren ist hier nicht praktikabel. „Da werden wir die Straße aufreißen.”

In diesem Abschnitt liegen mittlerweile derart starke Versätze der Rohrsegmente vor, dass noch nicht einmal mehr eine Kamerabefahrung möglich ist. Die unumgängliche Neuverlegung behebt nebenbei noch ein weiteres Problem: Das derzeitige Gegenfälle wird beseitigt.

Ob die Freileitung im Jülicher Wohnviertel „Links der Rur” eventuell entschlammt wird, „muss man sehen”, lässt Eva Savi offen. Dies wäre im Gesamtkonzept der Sanierung allerdings auch nur ein zweitrangiger Aspekt.

Die Sanierung des Weiher-Zuflusses ist mit 115 000 Euro beim Kämmerer angemeldet. Das Freilegen des verstopften Rohrs und die Fräsarbeiten sind darin schon enthalten.

Mittlerweile ist auch die Bezirksregierung über den Sanierungsplan und die vorgesehenen Maßnahmen informiert worden. „Ich hoffe, dass sie dem zustimmt”, sagt Eva Savi. Sobald aus Köln grünes Licht gegeben wird, erfolgt die öffentliche Ausschreibung der Tiefbauarbeiten. Vor Oktober aber wird der Bagger wohl nicht anrücken. Gleichwohl soll das Werk noch in diesem Jahr vollendet werden.

Das Freifräsen des verstopften Rohres hatte freilich schon nachhaltige Wirkung. Im Brückenkopf-Weiher ist wieder reichlich Wasser. „Mehr als genug”, sagt Horrig. Auch der Wasserschulgarten macht seinem Namen wieder Ehre. Er war auf dem besten Weg, zum Sumpfbiotop zu mutieren.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert