Brennstoffzelle des Forschungszentrums stellt Weltrekord auf

Von: hfs.
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Der parlamentarische Staatssekretär Thomas Rachel (2.v.l.) sowie Vorstandsmitglied Prof. Dr. Harald Bolt (2.v.r.) gratulierten dem Forscherteam um Dr. Norbert Menzler (r.) zum Weltrekord. Foto: hfs.

Jülich. Das Ziel ist ehrgeizig und hoch gesteckt. Bis 2050 möchte die Bundesregierung 80 Prozent des Strombedarfs mittels regenerativer Energien erzeugen. Zum Beispiel durch Wind- oder Sonnenenergie. Seit Anfang der 1990er Jahre beschäftigt sich das Forschungszentrum Jülich mit sogenannten Brennstoffzellen, die dann der Stromerzeugung dienen sollen, wenn die Sonne einmal nicht scheint oder Windstille herrscht.

Das aus 60 Wissenschaftlern bestehende Forschungs- und Arbeitsteam stellte am Donnerstag einen Weltrekord auf: Seit über 70.000 Stunden (acht Jahre) läuft auf dem Campus eine Hochtemperatur-Brennstoffzelle. Grund für die Forscher zu einer Feierstunde.

Sie sehen aus wie Brennöfen, in denen Keramikgefäße entstehen, Steinzeug oder Porzellan bei bis zu 1350 Grad gebrannt werden. Ganz so heiß ist es in der Brennstoffzelle nicht. Die Betriebstemperatur liegt bei etwa 700 Grad. Die Zellen, in denen der Strom erzeugt wird, sind ebenfalls aus Keramik. „Aber es bedurfte enormer Anforderungen an die verwendeten Materialien, wobei teilweise neue Komponenten entwickelt werden mussten“, erläuterte Prof. Dr. Harald Bolt als Vorstandsmitglied den langen „Reifeprozess“, dankte und gratulierte dem Team um Dr. Norbert Menzler vom Institut für Energie- und Klimaforschung für die gezeigte Ausdauer „bis hin zum Weltrekord.“ Denn der wurde mit 70.000 Betriebsstunden aufgestellt. Das ist länger als je eine andere Brennstoffzelle mit keramischen Zellen zuvor.

Hoher Wirkungsgrad

Derartige Festoxid-Brennstoffzellen gelten aufgrund ihres hohen Wirkungsgrades als ideal dafür geeignet, um Haushalte, kleine Betriebe aber auch Großfahrzeuge wie Lkw, Züge oder Schiffe mit Energie zu versorgen.

Dass dies bestens funktioniert, sprach Thomas Rachel an, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung. Ein Neubau „seines“ Ministerium in Berlin wird mit einer solchen Hochtemperatur-Brennstoffzelle versorgt. „Die erzielten Werte sind phänomenal, die Energieeffizienz schlägt alle Rekorde“, lobte Rachel und deutete an, wie wichtig die Erforschung der Wandlertechnik ist. Dass man bezüglich der Energiewende aber erst „am Beginn eines großen Prozesses ist“, ergänzte der Politiker. Denn schließlich gelte es, diese Technik zur Marktreife zu bringen.

Dies sprach auch Dr. Walther Pelzer an, Gruppenleiter der Abteilung Forschung und Energie im NRW-Ministerium für Innovation, Wissenschaft und Forschung. Nach seinen Worten bringt ein japanischer Hersteller Ende des Jahres ein Fahrzeug mit Brennstoffzellentechnik zum Stückpreis von rund 80.000 Euro heraus. Die Kapazität reiche für rund 500 Kilometer.

Zu Beginn der Jülicher Forschung stand die Wirtschaftlichkeit an den „Energiespeicher der Zukunft“ nicht im Vordergrund, sondern der Nachweis, dass diese Brennstoffzellen hoch effizient und umweltfreundliche Strom- und Wärmequellen sein sollten. Das ist mit dem Rekord gelungen. „Sie tragen dazu bei, Schwankungen bei den erneuerbaren Energien auszugleichen und stellen so einen wichtigen Baustein zum Gelingen der Energiewende in Deutschland dar“, gratulierte Rachel.

Der erinnerte in diesem Zusammenhang an die so genannte „Kopernikus-Initiative“ des BMBF, die sich ausschließlich mit der Energieforschung beschäftigt, für die das Berliner Ministerium in den nächsten drei Jahren insgesamt 1,2 Milliarden Euro bereitstellt. Der Jülicher Langzeittest begann am 6. August 2007. Er sollte die Haltbarkeit der in Jülich entwickelten Brennstoffzellen demonstrieren. Der aus zwei Zellen bestehende Stapel wird mit Wasserstoff als Brenngas betrieben, verträgt aber auch Erdgas oder genauer gesagt Methan. Insgesamt lieferten die Zellen seit dem Start rund 3400 Kilowattstunden Strom, genug also, um einen Haushalt ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.

Was die Haltbarkeit betrifft, verringerte sich die Spannung pro 1000 Betriebsstunden um circa 0,6 Prozent. Doch längst läuft Stapel 2, die Fortentwicklung. Der alterte während 34.500 Stunden nur halb so schnell, was mit Freude registriert wurde.

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