Braunkohle: Warum Zitadelle und Schophoven tiefer gelegt werden

Von: Guido Jansen
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Tiefer gelegt: Wegen der Sümpfung im Zuge des Tagebaus Inden (links) ist die Indener Ortschaft Schophoven (rechts) um 52 bis 54 Zentimeter abgesunken. Foto: Guido Jansen
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Folge des Bergbaus: Teile des Gymnasiums Zitadelle sinken schneller ab. RWE hat den Schaden reguliert, indem das Gebäude getrennt wurde.

Inden/Jülich. Schophoven ist abgesunken. In den vergangenen 15 Jahren um 52 bis 54 Zentimeter. Das hat Markus Poths von RWE Power den Mitgliedern des Indener Planungs- und Entwicklungsausschusses auf der jüngsten Sitzung erklärt. „Das klingt viel, verläuft aber in der Fläche sehr gleichmäßig“, sagte Poths.

Auch der große Unterschied zum Absinken der anderen Indener Ortschaften, die im selben Zeitraum nur einen bis drei Zentimeter abgesunken seien, sei geologisch erklärbar und unbedenklich. Tatsächlich sinkt das gesamte Rheinische Braunkohlerevier zwischen Mönchengladbach, Bergheim, Eschweiler und Alsdorf wegen der Tagebaue ab. Wie viel, das hängt von der Bodenbeschaffenheit an Ort und Stelle ab. „Wenn das Absinken so gleichmäßig verläuft wie im Fall Schophoven, dann ist das unproblematisch“, erklärte Poths, der vom Indener Ausschuss gebeten worden war, die Bergschadenssituation im Gemeindegebiet darzulegen.

Der Grund für das Absinken ist nicht das Entstehen der tiefen Bergbaulöcher, sondern die sogenannten Sümpfungsmaßnahmen. RWE entzieht im gesamten Braunkohlerevier Grundwasser, um den Tagebau zu ermöglichen. Weil das Wasser fehlt, werden die Erdschichten komprimiert.

Problematisch wird das Absinken, wenn es durch Besonderheiten im Untergrund unterschiedlich stark ausfällt. Dafür gebe es laut RWE Power zwei Ursachen. Kirchberg liegt am Rand der sogenannten Ruraue. „In Auegebieten, wie etwa der Ruraue, können Böden sehr unterschiedlich beschaffen sein“, sagte Poths. „Kiesschichten und Torf reagieren unterschiedlich, und deswegen geschieht das Absinken dort ungleichmäßig.“

Die zweite Ursache für Bergschaden sind tektonische Sprünge wie zum Beispiel der sogenannte Rurrandsprung in Jülich. Im Gespräch mit unserer Zeitung ergänzte Poths, dass eine solche tektonische Störung durch die Zitadelle verläuft. Deutlich sichtbar werden die Folgen am Gebäude des Gymnasiums. Betritt man den Innenhof der Festung über die Pasqualinibrücke, dann stellt man einen Schnitt durch das Gymnasium fest, die linke Hälfte des Gebäudes liegt etwa 40 Zentimeter tiefer.

Ursprünglich war das Gebäude ein Stück. Weil die zwei tektonischen Platten, die am Rurrandsprung aufeinandertreffen, wegen der Sümpfung unterschiedlich schnell sinken, musste das Gebäude getrennt werden. „Gegenmaßnahmen sind nur schwerlich möglich“, erklärte RWE Power-Pressesprecher Guido Steffen. „Wenn die Schäden durch den Bergbau verursacht werden, dann regulieren wir sie selbstverständlich.“

Mehr Augenhöhe

Heinrich Spelthahn, der Vorsitzende des im vergangenen Jahr gegründeten Vereins Rheinische Initiative Bergschaden (RIBS), begrüßte die Initiative des Indener Ausschusses, einen RWE-Experten zum Thema Schäden zu hören. „Das passiert leider viel zu selten“, sagt Spelthahn in Richtung der meisten vom Bergbau betroffenen Kommunen. „Ich bin mir beispielsweise nicht sicher, ob die Mitglieder im Stadtrat wissen, dass es in Jülich über 1000 Bergbauschäden gibt“, berichtete er über die Rückmeldungen, die RIBS seit der Gründung erhalten hat. RWE werbe mit dem Schlagwort Transparenz, was die Bergbauschäden betreffe. „Diese Transparenz muss man aber auch einfordern.“

Genau so wichtig sei es laut Spelthahn, dass die Menschen, die von Bergbauschäden betroffen sind, dem Verursacher auf Augenhöhe begegnen können. Die Thematik sei kompliziert. Und deswegen brauchen die Betroffenen aus Sicht von RIBS Hilfe. „Es ist notwendig, dass es in jeder Kommune eine Art Expertengremium gibt, an das die Menschen sich wenden können“, erklärte Spelthahn.

Derartige Anlaufstellen vor Ort gibt es im Kreis Düren nicht. Neben der Hilfe für die Betroffenen würde so eine Art öffentliche Kontrolle entstehen. „Was die Fakten zu Schäden angeht, hat RWE derzeit ein Monopol. Die Transparenz hat zwar zugenommen, was zu begrüßen ist. Wir als RIBS sind auch in den Informationsfluss eingebunden. Trotzdem sind mehr Transparenz und Augenhöhe notwendig.“

Was das Schophovener Absinken angeht, bestätigt Spelthahn die RWE-Einschätzung. „Das ist nicht bedenklich, wenn es so gleichmäßig verläuft.“ Im Rhein-Erft-Kreis gebe es wegen des Tagebaus Hambach, der früher begonnen wurde und deswegen tiefer ist, teilweise ein deutlicheres Absinken. „Es bleibt abzuwarten, was passiert, wenn die Tagebaue vorbei sind und das Wasser wieder zurückkehrt“, sagte Spelthahn.

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