Jülich/Kreis Düren - „Brainergy-Park“: Champions League auf der Merscher Höhe

„Brainergy-Park“: Champions League auf der Merscher Höhe

Von: Guido Jansen
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Die Region freut sich: Michael Bayer (IHK/r.) und Peter Deckers (Handwerkskammer).
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Noch liegt das Land hinter dem Eingangstor zur ehemaligen Sendeanlage Merscher Höhe weitgehend brach und unberührt. Bald soll hier die Zukunft für die Region gemacht werden. Das besagt der Masterplan, der gestern in Jülich vorgestellt wurde. Foto: Jansen
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Noch nur Modell: der Brainergy-Park Jülich als Herzstück des Gewerbegebietes auf der Merscher Höhe. Frank Drewes (v.l., Stadtentwicklung), Michael Gramm, der Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel, die Bürgermeister Jürgen Frantzen, Axel Fuchs und Hermann Heuser sowie Architekt Tobias Ell sind von der Planung überzeugt.
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Planer Tobias Ell (r.) präsentierte Vertretern der Region den Masterplan für den Sonderbereich, der Firmen und Einrichtungen anlocken soll, die sich den neuen Energien verschrieben haben und das Know-How der Jülicher Forschungslandschaft nutzen wollen. Foto: Jansen
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Das Herzstück des Brainergy-Parks als Modell: Der zentrale rechteckige Bau wirkt unscheinbar, bietet aber 7500 Quadratmeter Fläche, auch für die Versorgungssteuerung des gesamten Gebiets. Foto: Carpus + Partner
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Prof. Ulf Herrmann vom Jülicher Solar-Institut bekräftigte das große Interesse der Fachhochschule am Brainergy-Park. „Die Energiewende ist eine große Chance für unsere Region“, sagte er.

Jülich/Kreis Düren. Wo stehen wir jetzt? Der Jülicher Wirtschaftsgeograf Prof. Michael Gramm hatte diese Frage aufgeworfen, als am Mittwoch im Jülicher Technologiezentrum vor einem Fachpublikum der Plan vorgestellt wurde, wie aus der Merscher Höhe die Zukunft werden kann. Gramm hatte auch gleich die Antwort parat: „Im Achtelfinale des Strukturwandel-Pokals in Deutschland.“

Einige Erfolge habe man bereits eingefahren auf dem Weg, ein interkommunales Gewerbegebiet auf den Flächen der einstigen Sendeanlage zu entwickeln zu einem Leuchtturm für den Strukturwandel. Das sei gleichbedeutend mit dem Achtelfinale. Um beim Fußball zu bleiben: „Wir wollen den Pokal gewinnen“, sagte Gramm.

Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser nannte ein noch weiter gehendes Ziel: „Wir wollen in die Champions League.“ Seine Bürgermeister-Kollegen Jürgen Frantzen (Titz) und Axel Fuchs (Jülich) nickten. Alle bestätigten, dass mit dem interkommunalen Gewerbegebiet, in das die drei Kommunen Flächen einbringen, die Chance auf viel mehr besteht. Das Gewerbegebiet entwickle sich aufgrund des Potenzials von selbst. „Wenn man in die Champions League will, dann kostet das Geld. Nicht nur im Fußball“, führte Heuser das Fußball-Bild fort. Architekt Tobias Ell vom Entwicklungsbüro Carpus und Partner erklärte den Masterplan und die errechneten Kosten: rund 56,5 Millionen Euro.

Für dieses Geld entsteht auf 52 Hektar eine Fläche, deren Herz ein 7500 Quadratmeter großer Zentralbau ist. Von hier aus wird die Fläche nach neuestem Stand der Wissenschaft mit Wärme, Kälte, Strom, Internet, Wasser und Gas versorgt. „Dieser Zentralbau ist das Gehirn für das gesamte Areal“, schilderte Ell. So entstehe nicht nur ein Gebiet, auf dem Forschung und Industrie auf bisher nicht gekannte Weise eng miteinander verbunden seien. Das Ergebnis könne auch eine Blaupause sein für die Stadt der Zukunft.

Über die müsse man sich Gedanken machen, wie Prof. Ulf Herrmann betonte, Direktor des Solar-Instituts am FH-Campus Jülich. „Wenn mehr Menschen auf Elektromobilität umsteigen, dann wird der Stromverbrauch rapide steigen. Dann brauchen wir neue Systeme, um die Versorgung zu sichern“, sagte Herrmann.

Wer soll das bezahlen?

Der sogenannte Brainergy-Park kann also eine Blaupause für die Stadt der Zukunft werden, eine enge Schnittstelle zwischen Forschung und Industrie, ein überregional sichtbarer Leuchtturm für den Strukturwandel nach dem Ende der Tagebaue und ein Wachstumsmotor für die Kommunen, der neue Arbeitnehmer und Einwohner bringt. Bleibt die Frage: Wer soll das bezahlen ?

Die Kommunen können das nicht. Und die drei Bürgermeister nickten, als Michael Bayer, der Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Aachen, forderte, dass das Land und vor allem der Bund gefragt seien. „Die Region hat Jahrzehnte lang für die Energieversorgung gesorgt“, spielte er auf den Abbau von Stein- und Braunkohle an. „Jetzt ist Berlin gefragt.“

Fuchs erklärte, „dass sich 56,5 Millionen Euro nach bombastisch viel Geld anhört. Aber in die Lausitz sind völlig zu Recht elf Milliarden Euro gepumpt worden. Jetzt sind wir dran“. Der Jülicher Bürgermeister spielte auf die Strukturausgleichszahlungen an, die nach dem Ende des Braunkohleabbaus an das andere Ende der Republik geflossen sind. Jens Bröker von der Entwicklungsgesellschaft Indeland merkte an, dass das Zahlen von Entschädigung nicht das Hauptargument sein sollte. „Hier muss etwas passieren, das zugunsten derer ist, die die Finanzierung mitbringen“, betonte er, dass das Brainergy-Projekt das Potenzial haben muss, Gesellschaft und Staat zu modernisieren.

Der Dürener CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Rachel stimmte der Förderung aus der öffentlichen Hand weder zu, noch widersprach er. Er erklärte, dass aus seiner Sicht auch der Bergbautreibende bei der Finanzierung in der Pflicht sei. Und er rief den Wettkampf mit anderen möglichen Förderprojekten in Erinnerung, der gewonnen werden müsse, wenn man in die Champions League will. „Wir sind die stärkste Region in Forschungsfragen zur Energiewende. Aber das haben in Deutschland noch nicht alle erkannt“, sagte Rachel. Der Brainergy-Park muss also als Leuchtturm erkannt werden, bevor er gebaut wird. Region

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