Bourheimer Kirche St. Mauri könnte Funktion verlieren

Von: Volker Uerlings
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Dietmar Müller im Gotteshaus, das er auch aufgrund seiner historischen Ausstattung für ein „Kleinod“ hält. Allerdings müsse der Gemeinderat angesichts der stark zurückgehenden Gottesdienstbesuche und andere Faktoren nun handeln. Ein Verkauf der Kirche ist im Gespräch. Foto: Uerlings
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Die Kirche Heilige Maurische Märtyrer, genannt Mauri, mit einem barocken Baukörper und einem romanischen Westturm. Foto: Uerlings

Jülich. Man sollte ja nach Möglichkeit die Kirche immer im Dorf lassen. Das wird wohl im Fall von St. Mauri im Jülicher Ortsteil Bourheim auch langfristig der Fall bleiben, es ist schließlich ein denkmalgeschütztes Gebäude mit Bestandteilen aus den Jahren 1200 und 1776.

Inzwischen sind aber zumindest Zweifel erlaubt, ob der barocke Bau mit dem romanischen Westturm immer ein Gotteshaus bleibt. Diese Zweifel fußen auf einer Mitteilung des Bourheimer Gemeinderates – seit der Fusion zu „Heilig Geist Jülich“ ist es kein „Pfarr“-Gemeinderat mehr –, der sich gedanklich mit Alternativnutzungen auseinandersetzt. Im Klartext: einem Verkauf.

„Wird die Bourheimer Kirche verkauft?“, fragt Dietmar Müller für das kirchliche Gremium in einem Schreiben an die Redaktion. Und weiter: „Die Zahl der Kirchenbesucher sinkt stetig. Die Ausgaben für die Unterhaltung des Gebäudes steigen, gleichzeitig wurden Kostenzuschüsse für die Gebäudeunterhaltung vom Bistum eingestellt.“ Der Gemeinderat erwäge erste Gespräche mit interessierten Investoren. Im Vorfeld eines solchen Schrittes soll es aber nächste Woche, am 19. Oktober, einen Informationsabend in Bourheim geben (siehe Infobox rechts).

Das wirft natürlich viele Fragen auf. Ist das wirklich unvermeidlich? Gibt es schon Investoren? Und wenn ja: Was wollen die mit diesem schmucken Sakralbau denn anfangen?

Im persönlichen Gespräch mit Dietmar Müller wird dann klar, dass die Verkaufsoption nicht kurzfristig akut gezogen werden muss, aber auch keinesfalls für die nächsten Jahre auszuschließen sei. „Als ich vor 20 Jahren nach Bourheim gekommen bin, gab es etwa 50 Besucher bei den Gottesdiensten. Heute sind es, wenn man Glück hat, noch zehn“, verdeutlicht er einen Notstand. Zusammengefasst sind es drei „G‘s“, die den Mangel in Bourheim – und wohl nicht nur dort – aufzeigen: weniger Gläubige, die Gottesdienste besuchen, weniger Geistliche, weniger Geld.

Da stellt sich nicht nur der Gemeinderat im 850-Einwohner-Stadtteil die Frage, wie lange man die unzweifelhaft wichtige, aber auch teure Immobilie überhaupt noch halten kann in ihrer Funktion, die sie mutmaßlich seit über 1000 Jahren ausübt. Laut „Handbuch des Bistums Aachen“ hat der Kirchenstandort Bourheim eine Tradition, die wahrscheinlich auf das 9. oder 10. Jahrhundert zurückgeht.

Was, wenn wir die Kirche verkaufen?

Im Rahmen des „KIM“-Prozesses im Bistum (KIM = Kirchliches Immobilienmanagement) wurde laut Dietmar Müller gesagt, dass die 16 Kirchen im Stadtgebiet Jülich noch für mindestens zehn Jahre offen bleiben. „Davon sind schon zwei Jahre rum. Und ich glaube, dass Bourheim diese zehn Jahre nicht schaffen wird, wenn es hier so weiter geht.“

Deswegen müsse der Gemeinderat nun wachrütteln. „Wir wollen offen darüber diskutieren, wie es mit Kirche in Bourheim weitergehen soll. Was, wenn wir die Kirche verkaufen? Wir können es so jedenfalls nicht laufen lassen“, sagt Müller. Er macht keinen Hehl daraus, wie leid es im tun würde, wenn es so kommt. Das liegt natürlich an seinem Glauben, hat aber noch andere Hintergründe: „Diese Kirche ist ein Kleinod. Und sie ist einer von nur zwei wesentlichen Identifizierungsfaktoren für den Ort.“ Der zweite sei die Bürgerhalle, aber um deren Zukunft müsse man sich auch sorgen.

Dem christlichen Glauben liegt die Hoffnung zugrunde. So hoffen Dietmar Müller und seine Mitstreiter auf das Treffen nächste Woche. Vielleicht findet sich noch ein Ausweg.

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