Boissels Glaskunst schafft neue Räume in Linnich

Von: Kr.
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Bis zum 30 August zeigt Thierry Boissel seine außergewöhnlichen Arbeiten im Deutschen Glasmalerei Museum in Linnich, die völlig neue Räume haben entstehen lassen. Foto: Kròl
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Thierry Boissel ist in der Linnicher Schau sowohl Künstler als auch Kurator.

Linnich. Radikale Neuerungen nicht nur in der Darstellung, sondern auch in der Technik bescheinigt Dr. Myriam Wierschowski, Leiterin des deutschen Glasmalereimuseums in Linnich, dem Glaskünstler Thierry Boissel, dessen Ausstellung heute eröffnet wird. Sie ist bis zum 30. August unter dem Titel „Poesie aus Licht, Glas und Farbe“ in Linnich zu sehen.

Durch Ludwig Schaffrath entdeckte Boissel die Liebe zum Glas, geht dabei aber ganz andere Wege. Durch Heißverformungen, die nichts mehr mit der traditionellen Glasmalerei zu tun haben und auf Schwarzlot und Blei ganz verzichten kann, entstehen reliefartige Strukturen, die sich mit dem Blickwinkel des Betrachters verändern. Um möglichst großformatig arbeiten zu können, verwendet Boissel überwiegend ESG-Glas.

„Glasmalerei ist mit Räumen arbeiten und mit Licht spielen“, erklärt der Künstler, der eine Ausstellung mit Glasmalereiarbeiten ebenso problematisch findet wie mit Architektur. Doch in Linnich wusste er sofort, wie er seine Ausstellung konzipieren wollte. Er tritt nicht nur als Künstler, sondern auch als Kurator auf. Um die Sponsoren und all die vielen anderen Dinge hat er sich gekümmert und schuf eigens für diese Ausstellung ganz neue Arbeiten. So griff er sein Projekt für die St. Nikolaus Kirche in Borgholzhausen, eine Abtrennung zwischen Kirche und Kapelle, noch einmal für die Linnicher Präsentation auf.

Faszinierendes Zusammenspiel

Auf der Ebene 3 des Museums ließ er völlig neue Räume entstehen, die der Betrachter durchschreiten und begreifen kann.

Es ist ein faszinierendes Zusammenspiel zwischen Raum, Glas, Wänden, Licht und Schatten, das er hier erleben kann und dem sich kaum jemand entziehen kann. Imaginäre Räume sind dort entstanden, die die philosophische Frage nach Schein und Wirklichkeit aufwirft.

„Es ist toll wenn Kunst solche Fragestellungen mit sich bringt. Ich bin sehr gespannt, wie unsere Besucher reagieren und bin sicher, wir werden hier im Museum eine sehr aktive Zeit haben“, sagte Myriam Wierschowski. Auf der nächsten Ebene scheinen Farbelemente frei im Raum zu schweben. Dabei handelt es sich um drei Scheiben, die hintereinander gestaffelt wurden. In einer Nische stehen kleine Glaselemente wie zufällig über- und nebeneinander gelehnt. „Überlagerung“ betitelte der Künstler dieses Projekt, das eine Werkstattsituation symbolisiert.

Er griff außerdem seine Projekte für das St. Andrews Neuropsychiatric Hospital in Südkorea auf und für St. Agatha in Altenhundem. Hier schuf er eine Abtrennung zwischen Alltagskapelle und der Kirche, auf der er in fotorealistischer Darstellung Szenen aus dem Leben der Heiligen wiedergab und sie in die heutige Zeit transportierte. Nähert man sich diesen Gestalten und betrachtete sie aus verschiedenen Perspektiven, werden sie zu Schemen oder treten deutlicher hervor. Ebenso verhält es sich mit seiner Serie „Antiphon“, die er für eine Installation im öffentlichen Raum entwickelte.

„Ich denke, dies ist eine ganz besondere Ausstellung geworden, und ich bin froh, dass wir dies realisieren konnten“, urteilte die Museumsleiterin und dankte vor allem den großzügigen Sponsoren. Ohne sie hätte auch der Katalog nicht aufgelegt werden können, der die Linnicher Schau begleitet.

„Diese Ausstellung ist für mich eine sehr große Freude“, gestand der Künstler aus Frankreich, der übrigens schon bei der Eröffnungsausstellung des Museums mit dabei war.

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