Blick in Jülichs Vereinsleben des 19. Jahrhunderts

Von: Kr.
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Blick ins 19. Jahrhundert: Dr. Chantal Kröber und Prof. Dr. Günter Bers stellten ihre neuesten Veröffentlichungen über Jülich vor. Foto: Krol

Jülich. Es waren beachtliche Zahlen, die Prof. Dr. Günter Bers, Vorsitzender der vor 20 Jahren gegründeten Joseph-Kuhl-Gesellschaft Jülich, bei der Mitgliederversammlung im Dietrich Bonhoeffer-Haus vorlegte. Seit 2006 hat die Gesellschaft elf Titel zum Forum Jülicher Geschichte, vier Jahrbücher und drei Titel in der „kleinen Schriftenreihe” veröffentlicht.

Insgesamt waren dies 3508 geschichtsträchtige Seiten, die sich mit der regionalen Geschichte befassen.

Die Mitglieder hörten es mit Zufriedenheit, zumal zwei weitere Werke vorgestellt wurden. Doch ehe Dr. Chantal Kröber ihr Werk zum Thema „Vergesellschaftung in kleinstädtischen Strukturen. Die rheinische Kleinstadt Jülich und ihre Vereine im 19. Jahrhundert”, das Thema ihrer Dissertation gewesen war und nun als Veröffentlichung der Gesellschaft vorlag, erläuterte, standen Neuwahlen an.

Vorstand gewählt

Im Amt als 1. Vorsitzender bestätigt wurde Prof. Dr. Günter Bers. Seine langjährige Stellvertreterin, Dr. Barbara Schellenberger, legte ihr Amt nieder. Ihre Aufgaben übernahm Dr. Horst Wallraff. Geschäftsführer bleibt Willi Dovern. Helmut Scheuer ist weiterhin Schatzmeister, und im Beirat sitzen Dr. Horst Dinstühler, Dr. Wolfgang Herborn, Dr. Barbara Schellenberger und Dr. Chantal Kröber.

Drei Jahre lang hatte Dr. Chantal Kröber, die sich schon in ihrer Examensarbeit mit der Stadt Jülich beschäftigte, an ihrer 753 Seiten starken Veröffentlichung über Jülicher Vereine gearbeitet. Doch, so betonte sie, ist noch längst nicht alles Material verbraucht. Dies wird alleine schon daran deutlich, dass in der 4000 Einwohner zählenden Stadt rund 200 Organisationen verzeichnet waren, denen 2100 Männer und 130 Frauen angehörten.

Deshalb beschränkte sie ihre Ausführungen auf zehn der wichtigsten Vereine, darunter auch den einzigen Frauenverein.

Freimaurer-Loge

Exemplarisch hatte sie außerdem die Militär-Loge, die Freimaurer-Loge, die Marianische Sodalität, Schützenverein, Civil-Casino-Gesellschaft, Geselliger Arbeiterverein, Ressourcen-Gesellschaft, Landwehr- und Kriegerverein ausgewählt.

Als mitgliederstärkster Verein tat sich die Casino-Gesellschaft hervor, der vor allem das gehobene Bürgertum angehörte, während sich der Arbeiter-Verein hauptsächlich aus Handwerkern zusammen setzte.

Der Geselligkeit wurde besonders breiter Raum eingeräumt. Theateraufführungen, Konzerte und Landpartien gehörten damals zum Vereinsleben dazu, ebenso wie der besonders beliebte Vogelschuss. Doch auch damals wurden, obwohl es feste soziale Strukturen gab, über diese Grenzen hinweg gemeinsame Feste organisiert.

Mit ihrer Veröffentlichung füllte die 28-jährige Autorin, die in Köln geboren wurde, dort Geschichte, Chemie und Informatik auf Lehramt studierte und zurzeit als Referendarin an der Käthe-Kollwitz-Realschule Köln tätig ist, eine Lücke. Es gibt keine vergleichbare Arbeit über das Vereinswesen im Rheinland aus dieser Zeit.

Prof. Bers hätte gerne selbst einmal eine solche Arbeit verfasst, doch, so betonte er, sei er froh, dass seine ehemalige Doktorandin diese Aufgabe übernommen habe. Er selbst stellte seine jüngste Veröffentlichung über Leihbüchereien im 19. Jahrhundert in Jülich vor.

Drei private Leihbüchereien habe es gegeben, die rund 400 bis 500 Bände, zumeist Trivialromane zur Auswahl hatten. Doch auch einige Sachbücher hätten in ihren Regalen gestanden. Mitte des 19. Jahrhunderts aber seien sie verschwunden, ihre Aufgabe wurde von den Vereinen ausgefüllt.

Dass es aber in Jülich in dieser Zeit so viele Büchereien gegeben habe, sei für eine Kleinstadt schon etwas besonderes gewesen.
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