Biotonne wird Pflicht: Sinkt Abfallgebühr?

Von: gep
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Blick in die grüne Tonne: Ab Januar 2015 sollen mehr Bioabfälle separat eingesammelt werden und nicht mehr im Restmüll landen. Foto: Stock/bonn-sequenz

Jülicher Land. Nach dem Jahreswechsel wird die Biotonne zur Pflicht. Das fordert Paragraph 11 des Kreislaufwirtschaftsgesetzes. Danach sind Bioabfälle „spätestens ab dem 1. Januar 2015 getrennt zu sammeln“. Eine grundsätzliche Pflicht zur Biotonne bestand bislang nicht. Wer auf seinem Grundstück alle anfallenden Abfälle kompostierte, konnte sich auf Antrag vom Anschluss- und Benutzungszwang befreien lassen.

Auch wenn im neuen Jahr somit jeder Haushalt die Biotonnen-Gebühr zu entrichten hat, dürfte es unter dem Strich zu Einsparungen kommen. Denn die Entsorgung des Restabfalls, der erst in der Hausmülltonne und dann im Müllöfen landet, ist teurer als die Verwertung des Bioabfalls. Anita Klotz, Baudezernentin in Aldenhoven: „Die Gebühren könnten sinken.“

Nach Angaben des kommunalen Zweckverbandes Entsorgungsregion West (ZEW) kostet die thermische Beseitigung einer Tonne Haus- und Sperrmüll sowie hausmüllähnlichen Gewerbeabfalls knapp 178 Euro, die Entsorgung einer Tonne Bioabfall hingegen nur 80,40 Euro.

In der Kalkulation der Stadt Linnich sind es 1,113 Euro je Liter Bioabfall. In der Gesamtrechnung kommen aber zu den Entsorgungskosten von fast 125.000 Euro noch sonstige Kosten von fast 140.000 Euro hinzu etwa für die Behälterstellung – es sind knapp 2300 Stück – oder Abfuhr und ZEW-Mitgliedsgebühr.

115 kg Biomüll pro Einwohner

Im Jahr werden im Kreis Düren laut ZEW durchschnittlich knapp 115 Kilogramm Bioabfall pro Einwohner eingesammelt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Städten und Gemeinden sind (Stand: 2012) allerdings beträchtlich. In Aldenhoven werden 118 Kilogramm erfasst, in Jülich 107, in Inden 133, in Linnich 111 und in Titz 118 Kilogramm. Doch es könnten mehr sein, denn bisher entsorgen sowohl Eigenkompostierer als auch Biotonnennutzer über die Restmülltonne auch vergär- und kompostierbaren Abfall.

Die Biotonne ist längst auch eine Energietonne. Denn aus Bioabfällen wird auch Strom und Wärme gewonnen. Die ZEW-Tochter AWA Entsorgung GmbH (AWA), Eschweiler, hat die Kompostierungsanlage Würselen mit einem Investitionsvolumen von rund zehn Millionen Euro um eine Vergärungsstufe und ein Blockheizkraftwerk ergänzt. Errichtet wurden sieben Tunnelfermenter und fünf Intensivrottetunnel.

Aus 18 500 Tonnen Biomüll pro Jahr wird aus dem in den Fermetern entstehenden Methangas Wärme und Strom erzeugt. Der Strom reicht zur Versorgung von rund 1000 Haushalten, der Kompost und Flüssigdünger für 600 Hektar Acker.

Als Faustformel für derartige Anlagen gilt, dass aus einer Tonne Bioabfall 80 bis 140 Kubikmeter Rohmethan entstehen, das entspricht 50 bis 80 Kubikmeter Erdgas.

Wie AWA-Sprecher Michael Uhr erläutert, wird der Bioabfall aus dem Dürener Nordkreis in der Regel in Würselen kompostiert oder vergärt. Der Grünschnitt wird überwiegend nach Warden transportiert, aber „auch mal“ zum Entsorgungs- und Logistikcenter (ELC) Hürtgenwald-Horm der AWA. Insgesamt verarbeitet die AWA jährlich 75 000 bis 80 000 Tonnen Grünschnitt und Bioabfall. Fällt mehr als reichlich Grünschnitt an, wird er in Horm zwischengelagert und dann „extern“ in Erftstadt kompostiert.

Nach dem Jahrewechsel rechnet die AWA laut Uhr mit einer „nicht nennenswerten“ Steigerung der Bioabfall-Mengen. Die Verarbeitungskapazitäten reichten aus. Zwar kostet die Anschaffung der neuen Abfallbehälter einmalig eine erhebliche Summe und dürften sich ferner die laufenden Kosten für die Leerung und die Verwertung erhöhen, aber sollten die Bürger ihr Trennverhalten verbessern, würde es unter dem Strich zu Einsparungen auch für Bürger und Betriebe kommen.

Jedenfalls trägt „ein nachhaltiges Management biogener Stoffströme“, so bringt es jedenfalls das Umweltbundesamt den Kommunen nahe, auch zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes bei und erweitert zudem die regionale Wertschöpfung.

In Jülich werden im laufenden Jahr rund 3400 Tonnen Bioabfall erwartet. In Titz sind es knapp 1750 Tonnen, in Inden etwa 900 Tonnen und in Linnich 1550 Tonnen. In Hohlmaß gerechnet sind es in Aldenhoven an die 470.000 Liter – oder etwa 1700 Tonnen.

Dass im Nordkreis und darüber hinaus mehr Bioabfall erfasst werden könnte, zeigt der Blick in die Restmüll-Bilanz der ZEW. Danach häuft ein Einwohner im Kreis Düren im Durchschnitt jährlich 144,5 Kilogramm Restmüll an. In Aldenhoven sind es dagegen nur 133 Kilogramm und in der ZEW-Mitgliedskommune Monschau sogar nur 55 Kilogramm.

Über dem Kreis-Durchschnitt liegen Titz (184 kg), Linnich (160 kg), Jülich (152) und Inden (152). Hier ist also noch Potenzial. Ein besseres Trennverhalten, in diesem Fall die „Ausschleusung“ von Bio- und Grünabfällen aus dem Restmül, könnte die zu entsorgenden Mengen und damit auch die Gebühren reduzieren.

Unterschiedlich sind auch die Gebühren für die Biotonne im Jülicher Land. In Aldenhoven kostet im laufenden Jahr bei 14-tägiger Leerung ein 120-Liter-Gefäß im Jahr 72,18 Euro, die 240-Liter-Tonne 129,94. In Linnich sind es 92 und 123 Euro, in Jülich 63 und 97,92 Euro, in Inden 87,36 und 138 Euro sowie in Titz 75,60 und 129,60 Euro. Die letztgenannte Gemeinde bietet aber auch Biotonnen mit lediglich 60 und 80 Liter Fassungsvermögen an. „Auch kleinere Größen sind gefragt“, sagt Sachbearbeiter Guido Pungg und verweist auf Alleinstehende und Mieter. Von den etwa 1750 Biobehältern sind rund 500 Mini-Tonnen. Ihnen gegenüber stehen gut 3000 Restmüllgefäße in der Gemeinde.

In der Gemeinde Aldenhoven sind derzeit 3300 Biotonnen und 4800 Restmüllbehälter im Einsatz. Dezernentin Klotz schätzt die Zahl derer, darunter sind auch so genannte Müll-Gemeinschaften, die vom Biotonnen-Benutzungszwang bisher befreit sind, auf knapp 1000.

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