Bilderbuchkarriere eines Installateurs aus Jülich

Von: Antonius Wolters
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Innungsbester, Kammersieger, Meister und einer der jüngsten Sachverständigen in NRW: Dennis Meisen aus Barmen. Foto: Wolters

Barmen. Dennis Meisen gehört zu den Menschen, die den Dingen, mit denen sie sich beruflich beschäftigen, möglichst tief auf den Grund gehen möchten. Das hat vermutlich auch damit zu tun, dass der 31-Jährige seine Ausbildung im Forschungszentrum Jülich begonnen hat, wo sich junge Leute mit solch einem Tiefschürf-Faible richtig austoben können.

Dennis Meisen hat im FZJ eine Ausbildung zum Installateur und Heizungsbauer absolviert, die er als Innungsbester und späterer Kammersieger abschloss. Es folgte der Besuch der Meisterschule, die mit dem Erwerb des Meisterbriefes endete, aber auch das war Meisen noch nicht genug.

Zunächst hat er in der Abendschule ein Studium als Betriebswirt im Handwerk absolviert und dann noch dazu entschlossen, sich bei der Handwerkskammer um das Amt als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger zu bewerben, nach seinen Worten „der i-Punkt auf dem Meistertitel“.

Seit der vergangenen Woche darf der „Barmener Jung“, der als Betriebsleiter in der Firma seines Schwiegervaters in Mönchengladbach tätig ist, mit seiner Familie aber wieder in seinem Heimatort wohnt, das entsprechende Siegel führen, das ihm für die Dauer von zunächst fünf Jahren verliehen worden ist. „Wir sind die Augen des Richters“, beschreibt Meisen eine der Tätigkeiten, bei denen ein öffentlich bestellter Sachverständiger gefragt ist, nämlich Streitigkeiten, die vor Gericht ausgetragen werden.

Andere Auftraggeber, für die Sachverständige arbeiten, sind beispielsweise Hersteller, Versicherungen oder auch Privatleute, die bei Zweifeln an einer Handwerksleistung oder dem dafür geforderten Preis einen Experten hinzuziehen. „Da man hoheitlich tätig ist, kann man Gutachten schlecht ablehnen“, sieht der Handwerksmeister auch eine gewisse Verpflichtung darin, sein Amt wahrzunehmen.

Seine Aufgabe ist es, die Dinge in seinem Fach neutral zu begutachten. Da dies bis vor kurzem ein Mindestalter von 30 Jahren voraussetzte, ist der 31-Jährige einer der jüngsten, wenn nicht der jüngste öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige seiner Branche, von denen es in NRW nur gut 50 gibt.

Auf dem Weg dahin musste Meisen sich nicht nur einer Prüfung beim Fachverband unterziehen, um sein eigenes handwerkliches Wissen und Können nachzuweisen, juristische Seminare besuchen und zwei Probegutachten schreiben. „Wo andere aufhören, da fängt der Sachverständige an“, kommt diese Tätigkeit jedem entgegen, der gern den Dingen auf den Grund geht. „Man muss ein dickes Fell haben“, hat ihn ein erfahrener Kollege bereits vor dem rauen Ton gewarnt, den gerichtliche Auseinandersetzungen oft begleiten.

Zudem muss der Handwerksmeister auch fachlich stets am Ball bleiben. Meisen spricht hier von einer „Fortbildungspflicht“, die in der Sachverständigenordnung festgeschrieben ist. Schulungen muss er nachweisen, die nach einem Punktesystem registriert werden. Zudem dokumentiert die Handwerkskammer auch seine gutachterliche Tätigkeit akribisch.

„Andere Länder beneiden uns um das Gutachterwesen“, sieht Dennis Meisen darin auch eine spezifisch deutsche Qualität begründet, die auch zur unbestechlich kontrollierten Qualitätssicherung im Handwerk beitrage. Da Meisen als vereidigter Gutachter gleichzeitig sein eigener Herr ist, musste er für diesen Teil seiner beruflichen Tätigkeit ein Gewerbe anmelden.

Auch eine spezifische Haftpflichtversicherung hat er für sein Amt abgeschlossen, um beispielsweise bei einer Gefährdungsanalyse auf der sicheren Seite zu sein, wenn ihm dort ein Fehler unterläuft. Doch zunächst fiebert Dennis Meisen seinem ersten Auftrag entgegen. Um was es dabei gehen wird, ist indes noch völlig offen. Aber auch das wird der Wissbegierige noch herausfinden...

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