Bilder der Angst im Finanzamt

Von: jago
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Informelle Bilder von Horst Ke
Informelle Bilder von Horst Kemper: Im Finanzamt Jülich zeigt „Hoke” erstmals seine Werke einer breiten Öffentlichkeit. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Hokes Informelle Malerei” lautet der Titel einer Ausstellung mit Werken von Horst Kemper im Finanzamt <b>Jülich.</b> Dabei ist die Bezeichnung nicht als Hinweis auf die in den Nachkriegsjahren entstandene künstlerische Haltung „Informel-Kunst” zu verstehen, in der sich abstrakte Malstile ohne geometrische Formen vereinen.

„Informell, weil ich in meinen Bildern etwas erzähle”, erläutert Kemper die Wortwahl. Bescheiden fügt er hinzu, dass er eigentlich immer gedacht habe, er sei „nicht gut genug”. Zu seiner ersten Ausstellung animierte den Kerpener nun der befreundete Jülicher Schriftsteller Bernd Wollersheim, der zudem als Ausstellungsort das Finanzamt seiner Wahlheimat vermittelt hat.

Hoke, wie er sich selbst nennt, ist Autodidakt. Seine Gemälde entstehen ohne Konzept, sie sind das Ergebnis spontaner intuitiv gelenkter Gefühle. Das technische Rüstzeug holte Kemper sich bei Lehrern wie Wolfgang Siemens, er legt aber Wert auf die Feststellung seiner ganz individuellen Bildsprache: „Die Gedanken und Gefühle, die ich in meine Bilder lege, kann mir kein Lehrer geben.” Dabei verarbeitet er Elemente, die scheinbar wenig mit dem eigentlichen Motiv zu tun haben, die in gewisser Weise das gedankliche Nachfassen des Betrachters verlangen.

So ist es kein Zufall, wenn manche figürliche Darstellung an Werke von Fernand Léger erinnert, wenn mysteriöse Szenarien an Surrealisten wie Max Ernst oder René Magritte denken lassen. Bei konkreter Nachfrage erfährt man die Hintergründe, die sich zaghaft in der Komposition andeuten: „Ich verarbeite darin auch Ängste”, verrät Kemper und fügt hinzu, dass viel davon darauf zurückzuführen sei, dass er als Kind und in früher Jugend seine Kreativität aus den verschiedensten Gründen nicht ausleben durfte. „Man hat mir meine Kindheit genommen”, klagt der 1944 geborene an, der heute noch darunter leidet, dass sein älterer Bruder in der Besatzungszeit von einem ausländischen Soldaten bei einem Verkehrsunfall getötet wurde.

Kleine Kraftwerke im Hintergrund der gemalten Szenerien führen zu einem weiteren Aspekt, der Hoke beschäftigt. Es bedrückt ihn, dass mit den Energieressourcen „nicht sorgsam genug umgegangen wird”. Mit seinen Bildern will er ein Umdenken in der Verantwortung für kommende Generationen anmahnen. Die Ausstellung ist zu den Öffnungszeiten des Finanzamts noch bis zum 28. Oktober zu sehen.
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