Aldenhoven - Bewegung nach Jahren des Stillstandes

Bewegung nach Jahren des Stillstandes

Von: Saskia Zimmer
Letzte Aktualisierung:
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Fühlt sich in ihrer Arbeit bestätigt: Ursula Dech, hier mit Kindern im Gemüsebeet im Garten der Kita. Foto: S. Zimmer

Aldenhoven. Es herrscht ausgelassene Stimmung im Gemüsebeet. Die Kinder des Kindergartens „Am Römerpark” staunen über die Pracht ihrer selbst angepflanzten Margeriten und Bohnen. Ihre Erzieherinnen staunen währenddessen über den Abschluss der Tarifverhandlung im Sozial- und Erziehungsdienst.

„Das da noch ein brauchbarer Kompromiss herauskommt, damit hat man ja schon fast nicht mehr gerechnet”, sagt Ursula Dech, Leiterin des Familienzentrums. Die Freude darüber, dass endlich etwas Greifbares auf dem Tisch liegt - und das nach monatelangem Tauziehen zwischen den Verhandlungspartnern -, ist natürlich groß.

Aber so ganz kann der Kompromiss den sieben Erzieherinnen der Kita „Am Römerpark” nicht die Sorgenfalten von der Stirn vertreiben. „Das alles ist ein guter Anfang”, lobt Dech, „aber es muss noch viel mehr passieren”, sagt sie überzeugt. Das Familienzentrum arbeitet unter einem freien Träger - dem Förderverein der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule -, ist aber von den Tarif-Änderungen ebenso betroffen, weil auch hier das Personal nach Tarif bezahlt wird.

Zu verdanken habe man die Veränderungen, die der Tarifabschluss jetzt vorsieht, eigentlich ja Herrn Laschet, sagt Dech und lacht verschmitzt. Die erfahrene Leiterin lässt normalerweise kein gutes Haar an dem NRW-Minister und dem im letzten Jahr in Kraft getreten Kinderbildungsgesetz (Kibiz).

Aber wenn es um die Errungenschaft für die Erzieher geht, dann muss sie doch mal loben: „Kibiz hat den Kollaps ausgelöst, der meine Kollegen auf die Straße getrieben hat.” Größere Gruppen, weniger Personal, mehr Arbeit, weniger Geld führten dazu, dass auch in Dechs Einrichtung der Krankenstand bedenklich zugenommen. „Die große Belastung durch Kibiz hat die Defizite im Gesundheitsschutz offengelegt.”

Von dieser großen Belastung ist in der Kita „Am Römerpark” nichts zu spüren, welch ein Glück für die Kinder. Die Atmosphäre ist familiär und zwischen Klavier, Treibhaus und Küche toben die Kleinen zufrieden umher. Betreut von einem seit Jahren eingespielten Team. „Uns und unseren Anstrengungen wurde jetzt der Rücken gestärkt - dennoch ist der Kompromiss nicht mehr als ein Zeichen, ein Zeichen in die Zukunft”, sagt Dech.

Diesem Zeichen mist die Leiterin jedoch mehr Bedeutung zu, als dem zusätzlichen Gehalt, das der Tarifabschluss den Erzieherinnen verspricht. Denn damit sei es nicht getan: „Das Geld, das in die Abwrackprämie gesteckt wurde, hätte in die frühkindliche Bildung investiert werden sollen.”

Dennoch ist Dech ausgesprochen glücklich darüber, dass sich nach Jahren des Stillstandes überhaupt mal etwas bewegt. „Es wurde dringend Zeit, dass die qualitätsvolle Arbeit der Erzieher mehr gewürdigt wird und eine Aufwertung in der Gesellschaft erfährt”, sagt sie.

Durch den Streik und den neuen Tarifabschluss sei das in einem Maße, wie noch nie gelungen. Aber jetzt müssten noch die Ausbildung und vor allem die tatsächlichen Arbeitsbedingungen verbessert werden. Denn nur dann würden auch die davon profitieren, um die es eigentlich ja geht: Die Kinder. Diejenigen, die gerade so beneidensert über ihre selbst gezüchteten Margeriten und Bohnen staunen.
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