Bewegtes Leben eines Soldaten: Besondere Erinnerung an Michel Ernst

Von: Kr.
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Gemeinsam mit Konfirmanden der Gemeinde entzündete Rabbiner Bohrer die Chanukkakerzen. Foto: Kròl

Aldenhoven. Es ist eine lange bewegende Geschichte von einem kurzen Leben, das geprägt war von Leid, Schmerz, Trennung und Abschied. Sie beginnt 1922 in Warschau, wo Michel Ernst in eine jüdische Familie hineingeboren wird, endet zunächst einmal im Dezember 1944 in Alsdorf, als der junge Mann unter tragischen Umständen zu Tode kommt, und nimmt ihren Neuanfang im Jahre 2005.

Im Jahr 2005 fand der Niederländer Joost Claassens nämlich im Internet die Homepage der Aldenhovener Internet-Geschichtswerkstatt „Spurensuche“.

Durch Claassens wird der Kontakt zum ehemaligen US-Soldaten Billy Melander hergestellt, der beste Freund Michel Ernst, der dessen Tod aus nächster Nähe miterlebt. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass Leben und Sterben dieses jungen Mannes lebendig zu erhalten, als Beispiel dafür, wie trotz allem Schmerz der Hass besiegt werden kann.

Und seit jenem Jahr treffen sich im Gemeindesaal der evangelischen Kirche in Aldenhoven zur Zeit des jüdischen Chanukka-Festes Menschen, die das Andenken an diesen jungen Mann lebendig halten möchten. Herzlich hieß Pfarrer Charles Cervigne die Anwesenden, darunter auch Rabbiner Mordechai Bohrer aus Aachen und Joost Claassens, willkommen. Die Gedenkfeier vorbereitet hatte das Aldenhovener „Bündnis gegen rechts“, die Geschichtswerkstatt und die Konfirmanden der Gemeinde. Sie sind es auch, die gemeinsam mit der Geschichtswerkstatt die Patenschaft für das Grab des Soldaten übernommen haben und es alljährlich besuchen.

In dieser Feierstunde griffen die Anwesenden das Thema des diesjährigen Konfirmandenunterrichts „Trennung und Abschied“ noch einmal auf, die auch das Leben von Michel Ernst prägten. Durch den Nationalsozialismus musste die Familie Ernst ihre Heimat in Polen verlassen, zog zunächst nach Antwerpen und dann nach Toulouse. Doch auch dort fand man keine Sicherheit, und die Familie wanderte nach Toronto aus.

Als der Krieg auch Amerika erreichte, meldete sich Michel Ernst zur Armee. Und so gelangte er wieder nach Europa und schließlich Ende 1944 nach Deutschland und im Dezember nach Siersdorf. Als einer der Ersten meldete er sich zu einem Versuch, rund 30 deutsche Erwachsene und Kinder zu retten, die Schutz vor dem Granatenbeschuss in einen Bergwerksstollen gesucht hatten und dort verschüttet wurden.

Alle Bemühungen erwiesen sich jedoch als vergeblich. Das Regiment wurde nach Alsdorf verlegt, wo Michel Ernst mit seinem Freund Billy Melander am 17. Dezember zur Wache am Alsdorfer Gymnasium eingeteilt war. Dort kam es zu einem folgenschweren Unfall, Wände und Pfeiler stürzten ein und begruben den jungen Mann unter sich. Er konnte nur noch tot geborgen werden.

An all dies erinnerten Charles Cervigne und Joost Claassens. „Er war ein Mensch, dessen Leben von Schmerz und Abschied geprägt war und doch ist er ein Mensch geblieben, der seine Würde bewahrt hat, seine Liebe und seinen Anstand“, erklärte Cervigne und meinte außerdem: „Er baute Brücken und versuchte, den Menschen in Siersdorf zu helfen. Deshalb pflegen wir sein Erbe.“

Gedichte, gemeinsame Lieder und eine musikalische Umrahmung durch Rainer Goldbaum gehörten ebenso zur Feierstunde wie der Kurzfilm „Spielzeugland“.

Abschließend entzündete Rabbiner Bohrer mit vier Konfirmanden die Chanukka-Kerzen „Beim Chanukka Fest feiern wir den Sieg der Schwachen über die Starken“, erklärte er und gab die Antwort auf seine Frage: „Was haben Chanukka und Michel Ernst gemeinsam? Wie damals die Makkabäer so glaubte auch Ernst, das Richtige getan zu haben, als er versuchte die Siersdorfer zu retten.“

Im Anschluss an die Gedenkfeier blieben die Teilnehmer noch bei einem koscheren Essen zusammen.

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