Jülich - Bewegte Geschichte der Kirchenglocken aus Barmen und Bourheim

Bewegte Geschichte der Kirchenglocken aus Barmen und Bourheim

Von: Guido Jansen
Letzte Aktualisierung:
5258499.jpg
Alt und älter: Die h-Glocke aus Bourheim (vorne) stammt aus dem Jahr 1431, die a-Glocke ist vermutlich noch 300 Jahre älter. Foto: Guido Jansen
5258510.jpg
Die Kirche Heilige Maurische Märtyrer in Bourheim beherbergt ein altes Geläut. Foto: Guido Jansen

Jülich. Die Glocken sind in Rom. Dass das Geläut in der Karwoche in Richtung Vatikanstaat davonfliegt, sagt man so. Gründonnerstag in der Messe während des Glorias haben sie letztmals geläutet. „Dann ist erstmal Ruhe im Glockenturm“, sagt Erwin Jungbluth, der seit 30 Jahren Küster in Barmen ist und seit dem vergangenen Jahr auch Bourheim betreut. Am Samstag endet das Schweigen wieder.

In der Osternacht während des Glorias. Jungbluth legt den Schalter wieder um, den er vor zwei Tagen während des Glorias einfach auf Aus gestellt hat. „Das ist das ganze Geheimnis.“ Zumindest das Geheimnis von den Glocken, die angeblich nach Rom fliegen.

Die Glocken ansich tragen dagegen viele Geheimnisse und Geschichten in sich. Selbst die Mitarbeiter des Bistums Aachen sind erstaunt. „Wir sind überrascht, dass es in Jülich so viele alte Glocken gibt“, sagt eine Mitarbeiterin des Bistums auf Anfrage unserer Zeitung. Zwei der ältesten Glocken der Region hängen im Zuständigkeitsbereich von Erwin Jungbluth. Die a-Glocke aus aus der Kirche Heilige Maurische Märtyrer Bourheim stammt aus dem 12. Jahrhundert. Genau so alt ist die g´-Glocke aus St. Martin in Barmen.

Zum Vergleich: Die älteste Glocke aus dem Aachener Dom wird auf das jahr 1656 datiert. Wer das bronzene Geläut in Bourheim und Barmen gegossen hat, ist beim Bistum nicht mehr überliefert. Jungbluth schont die alten Schätzchen. Nur sonntags, wenn alle Glocken läuten, sind sie im Einsatz. Die jüngeren müssen die alltägliche Arbeit tun. Gleichwohl ist das Wort jüngere relativ. Glocke Nummer zwei in Bourheim stammt aus dem 15. Jahrhundert, genau so wie Glocke Nummer zwei und drei aus Barmen.

Im Gegensatz zu vielen anderen Glocken im Jülicher Land. Viele von ihnen wurde im 16 Jahrhundert in Trier gegossen. Das gilt beispielsweise für die die dis/cis-Glocke aus der Propstei in Jülich aus dem Jahr 1508 oder für die es-Glocke aus St. Martin in Kirchberg. Eine besondere Geschichte hat die älteste Glocke, die im Turm von St. Philippus und Jakobus in Broich hängt. Sie wurde im Jahr 1591 gegossen. Wann genau und wie sie nach Broich gekommen ist, ist heute nicht ganz klar.

Auf einmal da gewesen

„Wenn ich mir die Schrift-Dokumente anschaue, die es in Broich darüber gibt, dann macht es den Eindruck, als wäre die Glocke aufeinmal da gewesen“, sagt Hans Josef Schiffer, der Küster in Broich ist. Fest steht, dass die Glocke erst während oder vermutlich nach dem Zweiten Weltkrieg nach Broich gekommen ist. Denn bis auf die kleine Apollonia-Glocke hat das Broicher Gotteshaus sein Geläut im Krieg verloren, weil Bronze gebraucht und eingeschmolzen wurde. Fest steht auch, dass die Broicher Glocke wenigstens 350 Jahre lang im Turm der Kirche der ehemaligen Pfarre in Harmelsdorf in Pommern geläutet hat.

Die nächste bekannte Station ist der sogenannte Glockenfriedhof in Hamburg, der Reichsstelle für Metalle. „Da hat das Bistum Aachen sie weggeholt und nach Broich gebracht“, so Schiffer, der seit 43 Jahren als Küster arbeitet. Einen Namen hat die c-Glocke bisher nicht, der Küster schlägt Pommern-Glocke vor. „Es ist interessant, dass diese Glocke bei uns bisher nicht zur Kenntnis genommen worden ist“, sagt Schiffer. Am Samstag, nach dem Gloria, erklingt die Glocke aus dem Pommernland wieder.

Leserkommentare

Leserkommentare (1)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert