Betreuungswünsche in Jülicher Grundschulen stark gestiegen

Von: Volker Uerlings
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Ganztagsschule
Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in Offenen Ganztagsgrundschulen in Jülich ist erneut gestiegen. Symbolfoto: Jörg Carstensen dpa/lnw

Jülicher Land. Mit Prognosen ist das so eine Sache. Bis zum 13. Mai dachten führende Sozialdemokraten im ganzen Land noch, dass sie bei den Landtagswahlen knapp die Nase vorn behalten könnten – oder wenigstens als zweite Kraft in eine neue Regierung eintreten.

Keine zehn Stunden später stimmte weder das Eine noch das Andere. In der Vergangenheit lagen die Demoskopen gelegentlich goldrichtig. Vorhersagen sind nicht nur Hilfsmittel der „Mächtigen“, sondern auch in der praktischen politischen Arbeit. So erlangte vorgestern eine neue Studie der Bertelsmann-Stiftung Prominenz, die erheblich höhere Schülerzahlen als bislang angenommen ankündigt, inklusive Lehrermangel und Raumknappheit.

Für das Mittelzentrum Jülich scheint das in absehbarer Zeit nicht zu stimmen, wie eine Redaktionsnachfrage bei der Verwaltung ergab. Dafür wird nicht nur in weiten Teilen des Nordkreises eine andere Dienstleistung weit stärker beansprucht als einmal angenommen: Betreuungsplätze in Ganztagsgrundschulen.

„Wir wissen bald wirklich nicht mehr, wo wir alle noch unterbringen sollen“, sagte Dezernentin Doris Vogel im Schulausschuss, nachdem sie eine eigentlich gute Nachricht überbracht hatte. Alle Anmeldungen zur Offenen Ganztagsgrundschule (OGS) im Stadtgebiet Jülich könnten berücksichtigt werden, obwohl die Zahl wieder gestiegen ist: von 370 auf 389.

„Lösungen gefunden“

Nach Gesprächen mit Trägern und Schulleitungen seien „Lösungen gefunden“ worden. Bedeutet im Klartext: An den meisten Ganztagsgrundschulen müssen die Kinder wohl enger zusammenrücken. Addiert man die Zahlen der Übermittagbetreuung (siehe Info rechts) und die der OGS in Jülich, dann werden fast 600 von rund 1200 Kindern im neuen Schuljahr über die reine Unterrichtszeit hinaus versorgt: exakt 50 Prozent.

In der Jülicher Stadtverwaltung rechnet man mit weiter steigender Tendenz. Doris Vogel im Fachausschuss: „Wenn das so weitergeht, dann kriegen wir ein Problem.“ Matthias Hoven (UWG Jül) blickte weit in die Zukunft und sorgte für eine Diskussion: „Wir werden ja nicht neben jede Grundschule eine zweite setzen können, um alle zu betreuen!?“ Er regte an, hier auch über die Nutzung leerstehender Klassenräume nachzudenken.

Gert Marx, Schulamtsleiter, entgegnete, dass leere Klassenräume für bestimmte Aufgaben von Ganztagsgrundschulen schon jetzt genutzt würden, aber eben Klassenräume auch nicht für alle Aufgaben einer OGS geeignet seien oder auch die falsche Umgebung darstellten. Kinder müssten schließlich auch mal durch eine andere Umgebung von der Schule abschalten können.

Frank Bourguignon (FDP) wollte erst gar keine Diskussion über Kosten aufkommen lassen, dazu sei das Thema Betreuung viel zu wichtig: „Das sollte weit oben stehen, dass wir hier investieren.“ Helma Dürholz (SPD) war auf Kompromisslinie: „Das hält uns ja nicht davon ab, näher hinzuschauen und erst zu optimieren.“

Mit jeweils 97 Plätzen bieten die Grundschule Nord und die Katholische Grundschule ab dem neuen Schuljahr mehr als die Hälfte der Jülicher OGS-Plätze an, an dritter Stelle rangiert die Promenadenschule (84).

Schülerzahlen in Jülich stabil

Mit Blick auf die jüngsten Aussagen der Bertelsmann-Stiftung muss sich die Stadt Jülich wohl zunächst keine Sorgen machen. Entscheidungsgrundlage hier ist ein noch recht „frischer“ Schulentwicklungsplan (SEP) von 2015. „Einen Trend zu höheren Schülerzahlen können wir bis 2020 nicht erkennen“, sagte Schulamtsleiter Gert Marx. Der SEP habe vorhergesagt, dass die Zahlen etwas sinken und bei etwa 1100 stabil bleiben.

„Genau in der Phase sind wir jetzt“, sagte Marx. Eine dauerhaft steigende OGS-Nachfrage gab es nicht im gesamten Nordkreis (siehe Grafik), aber festzuhalten bleibt, dass der Bedarf in den vergangenen zwölf Monaten überall gestiegen ist. In Aldenhoven läuft das aktuelle Anmeldeverfahren laut Verwaltung noch. In der Gemeinde Titz gibt es künftig keine Grundschule mehr, da die Primusschule an ihre Stelle getreten ist.

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