Jülich - Bernhard Hoecker meldet KuBa-Publikum bei Facebook an

Bernhard Hoecker meldet KuBa-Publikum bei Facebook an

Von: ptj
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Kleiner Mann ganz groß: Comedian Bernhard Hoëcker liefert dem Publikum im vollbesetzten Kulturbahnhof eine spritzige Show. Foto: Jagodzinska
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Der geistreiche Schnellsprecher Bernhard Hoëcker bezauberte das Publikum im Kulturbahnhof.

Jülich. Bevor Bernhard Hoëcker vor ausverkauftem Publikum auf die Bühne im KuBa trat, machte sein buntes Geocoin-Kreislogo Appetit auf sein neues Soloprogramm „Netthamseshier“. Schon in den ersten Minuten war der geniale Comedian auf du und du mit dem Publikum.

Er spielte mit den Zuhörern, versetzte sich in ihren Gemütszustand und baute die gesamte Situationskomik seiner Show auf ihrer Bereitschaft auf, ihm weit mehr als ihren Wohnort zu verraten. Wer also etwa bei Hoëckers Haustierabfrage die Hand hob, war sogleich sein Gesprächspartner und kam so schnell aus der Nummer nicht mehr heraus.

Gefühle und Geheimnisse

Wer sich allerdings nicht beteiligen wollte, den ließ der neugierige Comedian freilich in Ruhe. Während einigen wenigen Zuhörern der Kontakt zwischen Bühne und Publikum merklich zu eng war, spielte der bei weitem größte Teil begeistert mit. Ob jung oder mittleren Alters, die Leute vertrauten ihm nicht nur ihre berufliche Ausbildung an, sondern gaben ihre Gefühle und Details wie das Geheimnis um die Anfänge ihrer Partnerschaft preis.

Das kalkulierbare Risiko war also aufgegangen, sonst wäre das Drei-Stunden-Spaßprogramm auf rund 20 Minuten geschrumpft. Kein Wunder also, dass das gemeinsame Erstellen eines Facebook-Profils während der Show der Renner wurde. Ein junger Besucher stellte dem schlagfertigen kleinen Mann mit hoher Stirn auf der Bühne sein Smartphone zur Verfügung. Ein Profilbild des Publikums wurde aufgenommen, an den hinten angesiedelten Techniker geschickt und online gestellt. Die als Gemeinschaft eingetragenen „Schlammkröten für den Weltfrieden“ – ebenfalls eine Idee aus dem Publikum – gingen sofort ins Netz und hatten bereits in der Pause einige Einträge, zumeist aus den Reihen der Anwesenden.

Nach dem Themenkreis um Heimatkunde und Evolution nahm sich der Komiker moderne Legenden vor und gab Ratschläge, „wie man mit ein bisschen Extralüge Teil einer abgefahrenen Story wird“. Je abgefahrener die Geschichte, umso mehr sei zu empfehlen, „sofort im Internet nachzugucken“, lautete sein Tipp.

„Satan ist nicht so debil“

Sind im Pink-Floyd-Stück „The Wall“ nun satanische Verse enthalten oder nicht, wie weltweit geglaubt wird? Nein, der „Satan ist nicht so debil“, in einem englischsprachigen Stück eine „Botschaft für uns Deutsche“ einzubauen. Trotzdem hörte sich die eingespielte Stelle „all in all it‘s just... (another brick in wall)“ an wie „Hol ihn unters Dach“. Dabei geht es um den deutschen Tontechniker Peter Fischer, der die Platte in der Nacht abmischte, verschwand und einige Tage später tot auf dem Dachboden des Studios gefunden wurde.

Hoëcker ist nicht nur originell und schlagfertig, sondern auch ein erstklassiger Sänger, wie er unter anderem in seinem deutschsprachigen Stück „Meet and greet, das heißt Begegnung“ als Konter zu der finnischen Metal-Band „Nightwish“ zum Besten gab. Das Resümee aus der ersten Halbzeit fand sich zu Beginn der zweiten auf einem Jülicher Verkehrsschild wieder: „Jülich, wo keine Ortschaft jugendfrei ist“ (man denke an Puffendorf und Geilenkirchen). Ferner „Wo Anneliese auf dem Rücksitz popelt und wir erfahren, wann warum von wem wieso und wie lange“.

Die Begegnung zwischen Bühne und Publikum erlebte ihren Höhepunkt mit dem Auftritt von SPD-Sprecher David Merz, der auf die Bühne trat und Hoëcker Trainingseinheiten in Judo gab. Merz ließ sich ganz auf die Show ein und zeigte großes Potenzial als Comedian. Erwähnenswert ist Hoëckers „Eselsbrücken“-Rap, den das Publikum „hammergut“ mit ihm gemeinsam in Karaoke-Manier zum Besten gab.

Eigene Röntgenbilder im Gepäck

Was erfuhr das Publikum von dem Comedian, nachdem umgekehrt reichlich niederschwellige Informationen geflossen waren? Er ist Metal Fan, als Atheist auf dem Weg zum Agnostiker, glaubt er an das „fliegende Spaghettimonster“, er wurde nach einem Hockey-Unfall operiert – er zeigte sogar Röntgenbilder – und hat einen Hund namens Fluffy. Schlussendlich wollte sich der neue Jülich-Kenner „in die lange Reihe derer einreihen, die der Stadt schon ein Lied gewidmet haben“, das da heißt „Netthamseshier“. Donnender Applaus belohnte den geistreichen Schnellsprecher Bernhard Hoëcker.

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