Bergwelt: Verschwindend geringer Eingriff in die Natur

Von: Jörg Abels
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Planer Christoph Schrahe stell
Planer Christoph Schrahe stellte die Machbarkeitsstudie „Bergwelt Sophienhöhe” vor und stand den Bürgern Rede und Antwort. Foto: Abels

Niederzier. Mit einem Missverständnis räumte Planer Christoph Schrahe am Montagabend gleich zu Beginn der Bürgerversammlung über die Machbarkeitsstudie einer „Bergwelt Sophienhöhe” auf.

Ohne Eingriffe in bereits rekultivierte Landschaft könnten die geplanten Freizeiteinrichtungen mit Bergbahn, Gipfelrestaurant mit 150 Plätzen, Fahrradpisten, 1850 Meter langer Sommerrodelbahn und dem einen oder anderen Angebot mehr natürlich nicht realisiert werden.

Aber der Eingriff in die Natur sei verschwindend gering. Schrahe sprach von gerade einmal 0,25 Prozent der Gesamtfläche der Sophienhöhe (2250 Hektar), die versiegelt werden müsste - für 300 Parkplätze am Fuß des künstlichen Berges, 650 Meter südlich der Höller Mühle, für die Gastronomie und die Pfeiler der Seil - sowie der Rodelbahn.

„Aber natürlich müssen diese Flächen an anderer Stelle auch ausgeglichen werden”, verwies der Planer auf das übliche Prozedere eines Bauplanverfahrens und kündigte gleich „höherwertigen Ausgleich” an. Allein eine Million des 17,4-Millionen-Euro-Projekts sind dafür in der Studie ausgewiesen.

„99 Prozent der rekultivierten Fläche wollen wir der Natur zurückgeben”, entgegnete Landrat Wolfgang Spelthahn auf Kritik am geplanten Eingriff in die Rekultivierung und fragte in die Runde der rund 80 interessierten Zuhörer: „Muss aber nicht auch ein Prozent für die Menschen zur Verfügung stehen, für eine vernünftige, aktive Erholung im Einklang mit der Natur?”

Spelthahn warb dafür, dem Projekt, das sich vor allem an die jüngere Generation der Aktivsportler richtet und bei Mountainbikern und Gleitschirmfliegern auch bei der Bürgerversammlung am Montagabend bereits auf großes Interesse stieß, eine realistische Chance zu geben.

Besorgte Anwohner aus Rödingen warfen derweil Fragen der Lärm- und Verkehrsbelastung auf. „Wir werden nichts vorsehen, was die stille Erholung auf der Sophienhöhe beeinträchtigt”, versicherte Niederziers Bürgermeister Hermann Heuser, Herr des Planungsverfahrens. Denn die Studie sieht vor, dass das Gros der Bergwelt, wenn nicht sogar 100 Prozent auf dem Gebiet der Alt-Gemarkung Lich-Steinstraß realisiert wird.

Anders als bei vergleichbaren Parks sei im „Regelbetrieb keine Musikbeschallung vorgesehen”, erklärte auch Planer Schrahe, zwei bis drei Events im Jahr vielleicht ausgenommen. Die Studie geht bei einem relevanten Einzugsgebiet mit über 28 Millionen Einwohnern (NRW, Niederlande, Belgien) - defensiv kalkuliert - von rund 140.0000 Besuchern jährlich aus.

An den zehn besucherstärksten Tagen würden maximal 500 Fahrzeuge mit 1400 bis 1500 Besuchern die Sophienhöhe ansteuern, größtenteils nicht durch die umliegenden Orte, sondern von den Autobahnen 61 und 44 kommend über die B55. Über verkehrslenkende Maßnahmen müsse man aber trotzdem nachdenken, betonte Schrahe.

Dass eine Seilbahn mit 18 Gondeln à acht Sitzplätzen, die stündlich 1800 Personen transportieren kann, bei der prognostizierten Besucherzahl überdimensioniert sei, wies der Planer zurück. Jeder Mountainbiker würde ja am Tag zehn bis 15 Abfahrten absolvieren, müsste also immer wieder samt Rad den Berg hochtransportiert werden. Schon bei 180.000 Gästen pro Jahr müsse an der Bahn an den besucherstärksten Tagen sogar mit Wartezeiten gerechnet werden.

Bleibt die Frage der Realisierbarkeit: Landrat Spelthahn ist angesichts des historisch niedrigen Zinsniveaus zuversichtlich, schon bald nicht einen, sondern mehrere Investoren ins Boot holen zu können. Hilfreich sei, dass die Bergwelt modular aufgebaut sei. Die Studie sieht je nach Art der Anlagen Investitionen zwischen zwölf und 17,4 Millionen Euro vor.

Günstig sei zudem, dass die vorgesehenen Flächen bislang noch nicht für die Öffentlichkeit freigegeben sind und damit leichter neu geplant werden können.
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