Bergehalde bleibt unter Landschaftsschutz

Von: gep
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„Betreten verboten”: Blick v
„Betreten verboten”: Blick von der etwa 100 Meter hohen Bergehalde in Siersdorf. Links ist das ehemalige EBV-Verwaltungsgebäude, in der Mitte das Aldenhoven Testing Center und rechts das Schlun-Betriebsgelände zu sehen. In der Ferne rechts EBV-Bergehalden im Kreis Aachen. Foto: gep

Siersdorf. Über 130 Hektar erstreckt sich die rund 100 Meter Siersdorf. An ihrem Fuß verwertet auf sieben Hektar die Schlun Umwelt GmbH & Co. KG, die zur Baugruppe Schlun in Gangelt-Niederbusch gehört, auf ihrer Wertstoff-Umschlaganlage Papier, Holz, Sperrmüll, Glas, Grünabfälle oder Stammholz.

„Das kriegt keiner mit”, sagt Seniorchef Hubert Schlun auf dem abgelegenen Betriebsgelände, zu dem nur ein asphaltierter Feldweg, der Röttgenweg, führt.

In der Kiesgrube werden Kies und Sand gewonnen. Die Abbaufläche, so Schlun Umwelt-Prokurist Heinz Schuivens, beträgt zehn Hektar, sieben weitere Hektar sollen beantragt werden. Seit 1992/93 arbeitet Schlun hier im Auftrag des EBV an der „Haldenübererdung”, der Renaturierung der ehemals fünf riesigen und gefährlichen Schlammteiche der ehemaligen Zeche, die sich über rund 35 Hektar erstrecken. Die Schlammteiche und die Kiesgrube werden nur mit „völlig unbelastetem Boden” verfüllt, sagt Schuivens.

Noch immer unterliegt die Halde dem Bergrecht und ist daher eine Betriebsfläche, für die gilt „Betreten verboten”, sagt Hans- Willi Knoben von der EBV GmbH. „Einige Jährchen” würden noch für den Abschlussbetriebsplan benötigt. Es könne sich unter Umständden um sieben oder neun Jahre handeln. Denn um die Schlammteiche zu verfüllen, setze man nur Bodenmasse aus der Region ein.

Wunsch der Landschaftsbehörde sei es nach derzeitiger Planung, dass sich die Halde als Sukzessionsfläche selbst überlassen werde und unter „unbedingten Landschaftsschutz” gestellt werde. Es werde also nicht wie im Fall der RWE-Abraumkippe Sophienhöhe aktiv aufgeforstet.

Bewaldet sind nur die Ost- und die Nordostflanke der Halde. Auf der kahlen Nordwest- und der Südwestseite des Bergs mit seinen Spalten und Abflussrinnen haben sich spontan genügsame Pionierpflanzen wie etwa die allgegenwärtige Erle oder salzliebende Blumen angesiedelt. Auch „jede Menge Rehe” gibt es auf Halde. Der Dürboslarer Ortsbürgermeister und Waidmann Wolfgang Klems schätzt den Bestand auf 30 Stück. „Sporadisch” werden auch Wildschweine gesichtet, sie wechseln meist von der Sophienhöhe nach Siersdorf. Auch Greifvögel- und Eulenarten sind hier heimisch.

Fünf 260-PS-Radlader sind bei Schlun Umwelt im Einsatz, 4,5 Kubikmeter kann deren Schaufel fassen oder zehn Tonnen laden.

Es sind riesige Mengen, die in Siersdorf umgeschlagen werden (können). Es sind alleine 20.000 Tonnen Glas im Jahr.

Ein 600-PS-Häcksler zerkleinert im Jahr 8000 bis 10.000 Tonnen Grünschnitt, amtlich genehmigt sind 15.000 Tonnen. Er muss zügig verarbeitet werden, denn er „müffelt schnell, sagt Betriebsleiter Helmut Mürkens. Der Grünschnitt wird nicht zu Humus verarbeitet -- „null Kompostierung” (Schuivens). Er wird im Biomasse-Heizkraftwerk der Stadtwerke Dinslaken in Hückelhoven verfeuert. Altholz - etwa Paletten - gehen als Hackschnitzel ebenfalls in das Hückelhovener Kraftwerk.

Teer- und Asbest-freier Bauschutt wie Ziegel, Beton, Straßenaufbruch oder Fliesen wird mit einem Brecher und zwei Sieben zu drei Körnungen des Recycling-Baustoffs RCL verarbeitet, eine Magnetscheidetechnik sortiert den Stahl- und Eisenschrott aus.

Schwer zu recyceln sind Gipsabfälle. „Das wird uns noch einholen”, befürchtet Schuivens. Denn Gips kann auch nicht verbrannt werden, so dass es in restgenutzten Deponien eingelagert werden muss. Eine Wiederverwertung ist derzeit nur bei sehr sauberen, sortenreinen Abfällen machbar.

Die Gipsreste und -platten werden einer 1600 Quadratmeter Halle zwischengelagert - neben Baumischabfällen. Maximal 25.000 Tonnen darf Schlun hier im Jahr umschlagen.

Wenn die zehn Mitarbeiter Kaffee aufsetzen wollen, kommt das Wasser aus mitgebrachten Kanisterin. Denn das Betriebsgelände ist nicht an eine Trinkwasserleitung angeschlossen. Das benötige Brauchwasser - etwa um mit Sprenkleranlagen den Staub niederzuschlagen - wird vor Ort dank eines gefälles von einem Prozent aufgefangen und in einem 800 Kubikmeter fassenden Teich sowie in drei Zisternen mit einem Volumen von 180, 160 und 150 Kubikmetern gebunkert. Zugleich sind sie Löschwasser-Reservoir.

Taubes Gestein aus dem Schacht auf der Bergehalde

Das im Flöz abgebaute Material, darunter die begehrte Kohle, wurde nach oben in die Kohlenwäsche transportiert und dort getrennt. Im Schlammwasser schwimmt die Kohle wegen ihres geringeren spezifischen Gewichts oben, die „Berge”, das Restmaterial, unten.

Letzteres landet auf der Bergehalde, die in Siersdorf ein Schüttvolumen von 65 Millionen Kubikmetern hat. Da das Schlammwasser noch viel Feinkohle enthielt, wurde der getrocknete Schlamm früher als Brennstoff an arme Leute verkauft. In Siersdorf wurde nicht nur das Bergematerial von Emil Mayrisch abgelagert, sondern ab 1984 auch von der Alsdorfer Zeche Anna.

Hobby-Archaölogen sind auf der Halde des öftern schon fündig geworden. Entdeckt wurden beispielsweise versteinerte Süßwasser-Muscheln aus der Karbon-Periode Westfalium, diese begann vor etwa 316,5 Millionen und endete vor rund 305 Millionen Jahre.

Damals entstand die Steinkohle durch die Karbonisierung von Pflanzenresten. Riesige Sumpfwälder aus Urfarnen, Schachtelhalmen, Siegel- und Schuppenbäumen wurden durch Sedimente wie Ton und Sand luftdicht bedeckt und bei hohen Temperaturen zu Kohle gepresst.

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