Beim Kirchenkabarett ist Dieter Fender nichts heilig

Von: ptj
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Gemeindereferent Dieter Fender sorgt für Entspannung der „verkrampften Kirchengremienmuskeln“. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Kirche könnte so schön sein, wenn die Leute nicht wären“. Mit diesen Worten beschloss Kirchenkabarettist Dieter Fender sein gelungenes Kirchenkabarett im PZ der Zitadelle. Dieser Satz, den ein Priester einst an einen Gemeindereferenten gerichtet haben soll, war Programm seines fortlaufend aktualisierten Kabaretts.

Fender, selbst Gemeindereferent in Witten, krönte den Kolpingtag des Diözesanverbandes Aachen in der Zitadelle. Was ist eigentlich ein Gemeindereferent? „Die Seh-, Geh- und Hörhilfe für pastoralbehinderte Priester“. Als Auslöser für seine Berufung nannte Fender den „Omma-Satz“: „Wenn der Dieter mit seinen langen Haaren am Altar steht, denke ich immer an den Herrn Jesus“. Als Gemeindereferent wollte Fender immer „Leute und Kirche verändern“. So sei die „katholische Kirche legitime Nachfolgerin des Bergbaus in Witten, denn alle schwarzen Gestalten tappen im Dunklen“.

Lachnummern am laufenden Band

Mit viel Gelächter reagierten die erwachsenen Besucher des Kabaretts, während ihre Kinder in den Genuss einer ansprechenden Betreuung kamen. Eine Lachnummer war etwa: „Man hätte das Bistum Essen schon vor Jahren an die Chinesen verkaufen können als katholisches Disneyland. Ist doch egal, ob die katholische Kirche in China ins Museum kommt oder hier“. Es folgte ein amüsanter Exkurs in den Themenkreis „Fußball und Kirche“.

Die Antwort auf die Frage, in welche Richtung die gewünschte Veränderung nun gehen solle, offenbarte sich den amüsierten Gästen im Laufe des Abends – nämlich in beide Richtungen. Einerseits ist „Gesabbel und Gebrabbel überall. Doch Laotse plädierte für die Stille als größte Offenbarung“. Fender erinnerte an die ehemalige „stille Messe“, in der sich Gott jedem Einzelnen in wohltuender Form offenbarte, während heute „in jedem Gottesdienst etwas los sein muss“.

Humorvoll übersteigert bot Fender Einblicke in einen Familiengottesdienst der „Signal-Iduna-Kirche St. Banalius“ im Wettstreit um den Sieger des Wettbewerbs „Unser Gottesdienst soll schöner werden“. Hier wurden Pfarrer „Jogi“ Müller, Messdiener, Lektoren, Organist und alle weiteren Gottesdienstgestalter bei ihre Vorstellung euphorisch bejubelt, den Sponsoren wurde gedankt und Kinder durften ihre „Ewigkeitspunkte“ einlösen. Dazu jubelte „der Kinderzirkus Kommunion: Jesus loves you“. In diesem Zusammenhang ziehe „Gott für einen Augenblick eine Sintflut in Erwägung“.

Kabarettistisches Opfer wurde ebenso die Bildungsarbeit in christlichen Einrichtungen mit „gestalteter Mitte“, also mit Kerze, Bibel, handgebatiktem Tuch und esoterischem Touch. Provokativ stellt Fender seine eigene gestaltete Mitte vor: Der gelbe Sack steht für das, was „in unserer Kirche noch fachgerecht entsorgt werden muss“, die Reitgerte symbolisiert die Entscheidungshilfe im Pfarrgemeinderat. Ein stumpfes Beil ist Zeichen dafür, dass „es allzu scharfe Sachen in der Kirche nicht geben darf“. Einen Originalschnuller aus der Geburtskirche in Betlehem haben „Pfadfinder als Friedenslicht mitgebracht“. Ein Chinaböller galt als Symbol für non-verbale Kommunikation. Was mache in nun mit dieser Mitte? „Angucken und besinnen“, lautete Fenders Antwort.

Die Gäste hatten mächtig Spaß beim Kirchenkabarett, übernahmen gerne den Part der jubelnden Gottesdienstteilnehmer in „St. Banalius“ oder ergänzten singend in Fenders musikalischem Ratespiel mit Gitarrenbegleitung das „letzte Wort in der letzten Zeile“.

Der Kolpingtag hatte laut Markus Holländer, Vorsitzender der Jülicher Kolpingsfamilie, mit einem „sehr schönen“ und symbolhaften Wortgottesdienst unter Federführung von Dietmar Prielipp, geistlicher Leiter im Diözesanverband Aachen, begonnen. Spiel und Spaß mit über 200 Gästen auf dem tollen Spieleparcours im Außengelände prägten den Nachmittag.

Erwähnenswert sind auch die rund 60 teilnehmenden Flüchtlinge aus Nettetal, die die Kolpingsfamilie im Sinne eines „guten christlichen Miteinanders“ eingeladen hatte.

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