Tetz - Beim Frauenkabarett wird der „Mann für alle Fälle“ zur Ware

Beim Frauenkabarett wird der „Mann für alle Fälle“ zur Ware

Von: ptj
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Angela und der Erzengel Gabriel: Martha (l. Ute Lindemann-Degen) und Lisbeth (Helga Klingbeil-Weber) bereiten ihrem rein weiblichen Publikum einen vergnüglichen Abend. Foto: Jagodzinska

Tetz. „Häbäät“ (Herbert) heißt die fiktive Figur, an der das „Frauenkabarett Krefeld“ – abgekürzt FKK – seine Sketche über das Zusammenleben der Geschlechter festmacht.

Für genannte Abkürzung bieten die Damen mit dem losen Mundwerk allerdings auch Alternativen, etwa „frivol, kompetent, katholisch“.

Martha (Ute Lindemann-Degen) und Lisbeth (Helga Klingbeil-Weber) brachten mit ihrem Motto „Zwei bessere Hälften“ mächtig Stimmung in den mit Frauen vollbesetzten Tetzer Pfarrsaal, wo die Tetzer Frauengemeinschaft (kfd) zu ihrem Goldjubiläum eingeladen hatte. Einziger Herr im Saal war Uwe Degen, Ehemann von Ute Lindemann-Degen, der bei Bedarf den Gesang seiner Frau schwungvoll auf der Gitarre begleitete. Es ging um Kirche, Geschlechter, Gesellschaftspolitik, Bildung und Alltagssituationen, das Ganze gewürzt mit einer Prise Nostalgie.

Eigentlich hätte man bei der altbacken erscheinenden „Matta“ keinen Gatten erwartet. Denn sie spielte, auf Anraten ihrer Oma im grauen Faltenrock zu Kniestrümpfen, den „militant kinderlosen bekennenden Single“. Im klassischen grauen Kostüm, wenn auch mit pinken Kniestrümpfen, kam Lisbeth doch etwas moderner daher. Schließlich ist sie auch mit „Häbäät“ verheiratet, der allerdings eine „morbide Aura“ hat. Wofür steht die Abkürzung „kfd“ der Gastgeberinnen?

„Katholisch, fromm und demütig“ oder doch eher „Katholische Frauen denken“? Zum Beispiel: „Die Zeit, die ich mit dem Pastor verbringe, muss ich nicht zu Hause mit meinem Kerl auf‘er Couch absitzen“, brachte „Matta“ die Abkürzung keck auf den Punkt. Mit Gott haben die Damen – im wahren Leben übrigens ehemalige Angestellte beim Bistum Aachen – kein Problem. Eher mit dem „Bodenpersonal“, klar, denn das sind Männer.

Dennoch warben sie mit Slogans wie „Geist ist geil“, „Nichts ist unmöglich, Hosanna“ oder sogar der elektronischen „Church card“ für den Kirchenbesuch. Sie entwickelten neue „Apps“ wie die „Gehirnfindungs-App“, die natürlich bei „Häbäät“ mangels Masse überhaupt nicht funktioniert. Ferner demonstrierten sie die Wandlungsfähigkeit von Männerunterhosen und ersannen ein neues Geschäft, das Kaufhaus „Rent a man“, wo der „Mann für alle Fälle“ zur Ware wird.

Nach der Pause machten „Matta“ und Lisbeth zunächst in schwarzer Jeans und schwarzer Bluse eine gute Figur. Martha sang und reimte über die politische Lage mit ihrem „Ministerroulett“. Schließlich verwandelte sie sich mit Hilfe eines bordeauxfarbenen Blazers und herunterhängenden Mundwinkeln in Angela Merkel, die stets „schweigt und bleibt“. Lisbeth erschien als Sigmar Gabriel in Engelsgestalt. „Himmel und Hölle fusionieren zum Hömmel“ in dieser Lachnummer, die die Berechtigung der Damenduos unterstrich, sich Kabarettistinnen zu nennen.

Die Toleranz im wahren und im nahrungsübertragenden Sinne, nahmen die Damen als nächstes aufs Korn. Sie erzählten originelle Geschichten von einer vermeintlichen Entspannungskur mit Walgesängen und ersannen kuriose Ideen, umzusetzen in einer Schönheitsklinik. Zum Abschluss wurden sie nostalgisch und resümierten: „Der Lack ist ab, aber der Kern ist frei“. Donnernder Applaus des begeisterten Publikums belohnte die Kabarettistinnen für einen vergnüglichen Abend.

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