Beier-Tradition: Wenn die drei Glocken singen ...

Von: Adi Zantis
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Eingeengt im mächtigen Gebälk des Glockenstuhles der Siersdorfer Ordenskirche: das Siersdorfer Beiern-Team an der Marien-Glocke (v. l.): Hannes Sieg, Stefan Weidenhaupt, Patrick Koenigs und Martin Ohlenforst. Foto: Zantis

Siersdorf. In der Siersdorfer Pfarrgemeinde ist am Fest- und Gedenktag Johannes Enthauptung (29. August) alljährlich auch das traditionelle Beiern über Jahrhunderte hinweg erhalten geblieben. Unter Beiern versteht man die besonders festliche Art des Glockenläutens als eine eher rhythmische Klangfolge. Entsprechend dem Tonumfang der Glocken können die Melodien sogar nach Noten gespielt werden.

Das Beiern ist auch heute noch im Rheinland als sehr alter Brauch weit verbreitet. Älteste Erwähnungen reichen bis ins 13. Jahrhundert zurück.

In Siersdorf werden von den „Beiersleuten“ die drei großen Glocken in den einzelnen Tonfolgen auf eine Melodie mit der Textunterlage „Hier-in-Siersdorf-ist-Sankt-Johannes“ (Heij-en-Siesch-dörp-es-Zent-Jan) angeschlagen. Dabei wird von den „Spielern“ hoch oben im Glockenturm viel Kraftaufwand, Gefühl, Rhythmus und Tonverständnis verlangt. Aus diesem Grunde ist zum klangvollen Melodienbogen vor allem ein eingespieltes Team erforderlich, dessen angespannte Aufmerksamkeit sich voll auf die Beierverse konzentrieren muss.

Die Bezeichnung „Beiern“ geht auf die niederländische Deutung „beiaerden“ zurück und hat sich vor allem als besonders festliche Art des Glockenläutens mit dem Bezug auf christliche Festtage verbreitet. Generationen übergreifend wurde das „klangvolle“ Brauchtum in der Johannes-Gemeinde bis in die heutige Zeit bewahrt und konnte mit gezielter Ausbildung für den Nachwuchs auch fortgeführt werden.

Beim jährlich festgelegten Beiern-Termin des Enthauptungs-Festes werden die Glocken jeweils vor den Gottesdiensten samstags am Vorabend und sonntags ca. 15 Minuten mit Unterbrechung angeschlagen.

Bereits vor den von alters her festgelegten Zeiten versammeln sich die Glockenspieler hoch oben im Hauptturm, um sich für die sogenannten „Schlagzeiten“ an den drei Glocken in Position zu bringen. Jeweils ein Dreier-Team postiert sich im beengten Gebälk des Glockenstuhles zum Anschlagen der Glocken mit dem Klöppel in der Klangfolge der vorgegebenen Melodie. Im rhythmischen Tonbild erklingen vier Tonhöhen zum Beiern-Text. Gebeiert wird an den drei Hauptglocken „Joseph“, „Maria“ und „Johannes“.

Unter der Führung der Kirchenvorstandsvorsitzenden Josef Thoma gehören derzeit Hannes Sieg, Markus Thoma, Martin Ohlendorfs, Patrick Koenigs, Hubert Ohlenforst und Stefan Weidenhaupt zum Siersdorfer „Beiern-Sextett“.

Gebeiert wird in diesem Jahr am Wochenende Samstag, 29. August, 16.45 bis 16.55 Uhr und 17.05 bis 17.15 Uhr), und am Sonntag, 30. August, 9.45 bis 9.55 Uhr. An beiden Gedenktagen zum Fest Johannes Enthauptung wird im Altarraum der alten Ordenskirche auch das Johannes-Haupt zur Besichtigung und Verehrung ausgestellt.

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