Jülicher Land - Bei Grippeverdacht nicht einfach in die Praxis rennen

Bei Grippeverdacht nicht einfach in die Praxis rennen

Von: gep
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Der Schweinegrippe-Test ist schnell gemacht: Das Ergebnis des Abstriches von Nase und Rachen liegt innerhalb von Stunden vor. Foto: imago

Jülicher Land. Fieber, Muskel-, Glieder-, Kopfschmerzen, Halsschmerzen oder Schnupfen, Husten oder Atemnot - bei solchen Beschwerden bricht manchem heute der Angstschweiß aus. Schweinegrippe! Was tun? Ein Titzer, bei dessen Schwiegersohn sich verdächtige Symptome zeigten, machte sich auf den Weg - und lief „voll vor die Pumpe”.

Er wurde in Praxen und im Krankenhaus „abgewiesen und verwiesen. Das kann doch nicht wahr sein”, entrüstet er sich. Das sei „vielleicht unglücklich gelaufen”, räumt auch Dr. Gabriele Heuser ein, Leiterin des Sachgebiets Infektionsschutz beim Gesundheitsamt des Kreises Düren.

Als die Schweinegrippe Ende April, mittlerweile auch „Neue Grippe A/H1N1” oder „Neue Influenza” genannt, Deutschland erreicht hatte, verkündete die Behörde: „Gemeinsames Ziel aller Beteiligten ist: Durch infektionshygienisches Management muss gewährleistet werden, dass Infizierte effektiv behandelt werden und möglichst wenig Menschen neu angesteckt werden.”

Telefonisch kontaktieren

Ein Arzt „muss behandeln, mindestens aber beraten”, sagt Heuser. Wie eine Umfrage unter Medizinern ergeben hat, ist es bei Verdachtsfällen am sinnvollsten, den Hausarzt zunächst nur telefonisch zu konsultieren, um die Ansteckungsgefahr zu verringern.

Die Influenza-Viren werden vor allem durch Tröpfcheninfektion beim Sprechen und Husten übertragen sowie über die Hände. Insbesondere beim Niesen und Husten können Erreger auf die Hände gelangen und darüber weiter verbreitet werden. Daher wird häufiges Händewaschen empfohlen. Beim Husten selbst sollte in den Ärmel gehustet werden, raten Experten. Hygiene sei das A und O.

Grippekranke sollten „nie einfach in die Praxis rennen”, betont der Vorsitzende der Kreisstelle Düren der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, Dr. Wolfgang Deiters. „Es fehlt an der Kooperation bei manchen Patienten”, klagt der Allgemeinmediziner, der in Düren praktiziert und jeden Tag mehrere Verdachtsfälle behandelt - in einem separaten Raum. Der Test sei schnell gemacht.

Zur Diagnose akuter Infektionen wird das PCR-Verfahren verwendet. PCR ist die Abkürzung für „Polymerasekettenreaktion” damit werden charakteristische Erbgutabschnitte eines Erregers H1N1 nachgewiesen. Das Ergebnis des Abstrichs an Nase und Rachen liegt, so Deiters, in wenigen Stunden vor.

Auch Dr. Johannes Kluth vom Jülicher St. Elisabeth-Krankenhaus appelliert an Bürger mit mutmaßlichen Grippe-Symptomen, „nicht einfach in die Ambulanz” zu kommen. Ansprechpartner seien der Hausarzt bzw. der Notfalldienst der niedergelassenen Ärzte am Krankenhaus. Das ergebe sich aus den „klaren Anweisungen” des Gesundheitsamtes.

Die Schweinegrippe, so Kluth weiter, sollte „nach Möglichkeit ambulant behandelt werden”. Angesichts ihres „relativ milden Verlaufs” könne man sie „Zuhause kurieren”. Nur bei schwerer Symptomatik werde sie im Krankenhaus behandelt.

Die Behandlung erfolgt mit dem Wirkstoff Oseltamivir, der unter dem Markennamen Tamiflu verabreicht wird. Dies ist ein Neuraminidase-Hemmer, der bewirkt, dass sich das Virus H1N1 nicht weiter im Körper ausbreiten kann. Tamiflu sorgt dafür, dass sich die Viren nicht mehr von Zelle zu Zelle ausbreiten können. Die Viren werden nicht abgetötet, sondern lokal isoliert. Das Immunsystem kann dann die Influenza leichter bekämpfen.

Nach sieben bis zehn Tagen ist die Grippe ausgestanden. Den Wirkstoff erhalten auch die engen Kontaktpersonen der Infizierten zur vorbeugenden Einnahme. Ein Impfstoff ist noch in der Entwicklung, er soll aber im Herbst verfügbar sein.

Angesichts der steigenden Fallzahlen bei den Neuerkrankungen ist sich auch das Kreisgesundheitsamt sicher, dass die Epidemie „nicht mehr einzudämmen ist”. Die Behörden beschränken sich jetzt nach einer Empfehlung des Robert-Koch-Institutes darauf, Infektionen bei kritischen Personen wie Schwangeren, Säuglingen und chronisch Kranken sowie den „vulnerablen Gruppen” in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern, Altenheimen und Schulen zu verhindern.

Nach Einschätzung von Dr. Deiters dürfte sich die Schweinegrippe zudem auf Grund der Annakirmes „stark verbreiten”. Dr. Heuser: „Wir erwarten noch einiges”, insbesondere nach Beginn des neuen Schuljahres.

Was der Normalbürger tun kann? Deiters hat zwei Ratschläge: Hände regelmäßig desinfizieren und ein Fieberthermometer anschaffen, um die Körpertemparatur messen zu können.

Fieber hatte auch der Schwiegersohn des Titzers, doch die Diagnose lautete schließlich Salmonellen-Vergiftung.
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