Linnich - Bei der 11. Mundartlesung bleibt kaum ein Auge trocken

Bei der 11. Mundartlesung bleibt kaum ein Auge trocken

Von: ptj
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Amüsanter Mundartabend bereichert Kultursommer: Hier liest Moderator Roland Müller ein Stück, das er selbst aufgeschrieben hat. Foto: Jagodzinska

Linnich. Viel Freude bescherte der Mundartkreis des Linnicher Geschichtsvereines zahlreichen Besuchern im Heimatmuseum mit seiner 11. Mundartlesung im Rahmen des Kultursommers.

„Mundartart ist Platt, aber auch Heimat und Tradition“, sagte Geschichtsvereinsvorsitzender Stefan Helm in der Begrüßung. Weil viele jüngere Leute heute mit Platt nichts zu mehr tun haben wollten, ergänzte er: „Wir sprechen in unseren Breiten auch kein Hochdeutsch, sondern Regiolekt.“

Zur Einordnung der amüsanten, zumeist wahren Episoden gab Roland Müller erstmalig Hilfestellung durch eine kleine Moderation zwischen den Stücken. Aufgeschrieben, um sie der Nachwelt in Form eines „Büchleins“ zu erhalten, hatten die Vorsitzende Margret Emunds, Hubert Leufen, Maria Koof und er diese selbst.

Müller erklärte dem Publikum unter anderem die Verwandtschaftsverhältnisse der handelnden Personen, wer früher genau wo wohnte. Der gelungene, etwa zweistündige Abend war aufgeteilt in „Ene Överbleck“ und die Kapitel „Us alder Zick“, „Noem Kreech“, „Lennicher Lüt“ und einen abschließenden, höchst vergnüglichen Sketch.

Den Överbleck, eine Hommage an „Linnich im Jülicher Land“ hatte der alte Linnicher Karl Osterland niedergeschrieben, der im hohen Alter noch in seine Heimat zurückkehrte. Als lustigste Episode „us alder Zick“ erwies sich „der nöe Kammerpott“ als rührendes Beispiel aus dem damaligen Einzelhandel, wo der Kammerpott in Größe 82 noch der Kundin im Laden probeweise unters Gesäß geschoben wurde. „E Päckche us Amerika“ war zweifelsohne der erheiterndste Beitrag aus der Episode „Noem Kreech“. Roland Müller las die lustig/tragische Verkettung der Umstände, als Mittellose aus der Nachkriegszeit unwissentlich „op Hellig Ovend die Äsch von unserem Onkel jefresse hann“.

Spontan ins Programm aufgenommen wurde Dr. Karl Koch, der einige Schmunzelgeschichten niedergeschrieben hat, die ebenfalls in der geplanten Veröffentlichung erscheinen sollen. Beispielhaft las er eine Episode von einem besserwisserischen Schneider, mit dem der Skatclub „Herz Dame“ geistreich abrechnet. Zu den „Lennicher Lüt“ zählten natürlich die schmale Karla und das kräftige „Röschen“ aus der gleichnamigen Gaststätte, deren Fotos den Veranstaltungsflyer zierten. Ein weiteres Beispiel ist „Coenens Eduard“, der in der Geschichte von der „Peerdsmusterung“ 1940 dank seiner Französischkenntnisse einen schwarzen Rappen in Richtung Bahnhof lenkte.

Für regelrechte Lachkrämpfe sorgte der abschließende Sketch „Beem Doktor“, bei dem Mitglieder des Kirchenchores aushalfen. Patientinnen mit diversen Leiden wie Wackelkopf, Blähungen oder unkontrollierten Zuckungen werden von Doktor Müller mit der „Kastentherapie“ behandelt, die bei der zuerst eingetroffenen Kassenpatientin nicht wirkt. Im Gegenteil vereinigt sie alle Leiden ihrer Mitpatientinnen. Die urkomische Situation eskaliert, als eine schwangere Patienten eintrifft. Dieses „Leiden“ wollte die Kassenpatientin nun wirklich nicht auch noch auf sich nehmen.

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