Behandlungen bei Tinnitus und Parkinson

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Jülich. Tinnitus und Parkinson, zwei Erkrankungen des menschlichen Nervensystems, können vermutlich schon in naher Zukunft besser therapiert werden als nach heutigem medizinischen Stand möglich.

Das Unternehmen ANM Adaptive Neuromodulation GmbH mit Sitz im Technologiezentrum Jülich entwickelt hierzu zwei neue elektronische Geräte zur Neurostimulation, der Anregung bestimmter Areale im Gehirn. Noch in der klinischen Erprobungsphase, sollen diese Innovationen im Fall der Tinnitus-Behandlung schon 2010 am Markt erhältlich sein und für die Therapie der Parkinsonschen Krankheit nach Einschätzung der Protagonisten im Jahr 2012.

Die Bedeutung der Neuentwicklungen wird in Wissenschaftler- und Medizinerkreisen bereits seit vielen Jahren als sehr hoch bewertet. Nun würdigte auch die Staatsspitze die zu erwartenden positiven Auswirkungen auf die Gesellschaft.

Bundespräsident Horst Köhler besuchte die ANM GmbH vor dem Hintergrund, dass er nach eigenem Bekunden ein großes persönliches Interesse daran hat, die hiesige Wissenschaft und Forschung zu unterstützen. „Ihre Technologie und Therapie zur Behandlung von Parkinson und Tinnitus können tausenden Menschen in Deutschland und weltweit helfen”, äußerte sich Köhler gegenüber den Gründern und Ge-schäftsführern ANMs.

Renommiertes Entwicklerteam

2005 von hochrangigen Wissenschaftlern ins Leben gerufen, ist die ANM Adaptive Neuromodulation GmbH auf Produkte zur Behandlung neurodegenerativer Krankheiten spezialisiert. Dazu zählen neben Tinnitus und Parkinson auch Alzheimer und Schmerzerkrankungen. ANM arbeitet in enger Kooperation mit dem Forschungszentrum Jülich und der Universitätsklinik Köln.

Das fachliche Know-how bringen drei Professoren in das Unternehmen ein: Der Mathematiker, Physiker und Arzt Prof. Dr. Peter Tass (45), der eine interdisziplinär besetzte Arbeitsgruppe im Institut für Medizin des Forschungszentrums Jülich leitet; Prof. Dr. Volker Sturm (65), Direktor der Klinik für Stereotaxie und funktionelle Neurochirurgie an der Universität Köln und einer der weltweit re-nommiertesten Gehirnchirurgen; sowie der Neurologe Prof. Dr. Hans-Joachim Freund (73), bis 2001 Direktor der Neurologischen Klinik der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Geschäftsführer der ANM ist der Business-Development-Spezialist und Wirtschaftsexperte Dr. Claus Martini.

Akustischer Stimulator

Die Technologien der ANM Adaptive Neuromodulation GmbH fokussieren vor allem auf neuronale „Volkskrankheiten”, die sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten durch die höhere Lebenserwartung, aber auch zunehmende Stressbelastung in unserer Gesellschaft entwickelt haben. So sind vom permanenten Ohrgeräusch, dem Tinnitus, rund 5 Prozent der deutschen Bevölkerung betroffen.

Da die gestörte Hörfunktion nicht auf ein krankes Hörorgan, sondern auf Fehlsteuerungen im Gehirn zurückzuführen ist, setzt ANM auf die Beeinflussung der entsprechenden Hirnareale. Ein akustischer Stimulator, der vom Patienten nach Art eines Hörgeräts wenige Stunden am Tag getragen wird, soll dies leisten. Die erste klinische Studie belegt: Bei mehr als 70 Prozent der Probanden gingen die Symptome signifikant und dauerhaft zurück.

Nachhaltige Linderung

Zur Thearpie von Parkinson setzen die Jülicher Entwickler einen „Schrittmacher” ein, der bestimmte Areale im menschlichen Gehirn anregt: ein Implantat, das durch Abgabe elektrischer Impulse die typischen Parkinson-Symptome nachhaltig lindert.

„Nicht neu ist das Stimulationsverfahren an sich”, beschreibt Dr. Claus Martini eine in der Medizin gängige Behandlungsmethode und fährt fort: „Heutige Therapien beruhen jedoch auf Dauererregung der Hirnareale, die ANM-Technologie auf Intervall-Stimulation in mehr oder weniger langen Zeit-abständen.” Das Jülicher Unternehmen verspricht sich davon deutlich geringere Nebenwirkungen und möchte dies noch in diesem Jahr in einer klinischen Studie unter Beweis stellen.

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