Baumarkt: „Sahnestück”-Verkauf schmeckt nicht jedem

Von: Volker Uerlings
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Schon der westliche Teil des Gewerbegebietes Königskamp zeigt einige Lücken: Hier sind noch subventionierte Flächen zu haben.

Jülich. Das war rekordverdächtig. Innerhalb von etwa 14 Tagen hatte der geplante neue Baumarkt vor den Toren der Stadt die erste und große politische Hürde genommen. So etwas kann in Jülich auch schon mal Jahre dauern.

Der Ratsbeschluss, den Bebauungsplan für das große Areal am Fuße der Merscher Höhe aufzustellen, fiel mit deutlicher Mehrheit, aber die Kritik an dem Vorhaben wird immer lauter.

Von bewusster Missachtung politischer Gremien, von „Geschmäckle”, von Ungleichbehandlung und mehr ist - hinter vorgehaltener Hand - die Rede. Offen formiert sich inzwischen der Widerstand im Gewerbegebiet Königskamp, wo schon mehr 200 Unterschriften gesammelt worden sind.

Die Gewerbetreibenden dort sehen in den Plänen eine schreiende Ungleichbehandlung. Ihnen selbst waren bei der Suche nach passenden Betriebsgrundstücken niemals Flächen im Bereich Merscher Höhe angeboten worden. „Wir hätten da auch gebaut - das ist doch ein Sahnegrundstück”, sagt Guido Tirtey (Holz Tirtey) unmissverständlich.

Gleichberechtigung?

„Ich habe nichts gegen den Markt an sich. Ich sehe auch keine Konkurrenz darin. Aber wie diese Angelegenheit läuft, ist nicht in Ordnung. Eine Gleichberechtigung ist nicht gegeben. Die Stadt sollte doch lieber schauen, dass unser Gewerbegebiet Königskamp hier voll wird”, erklärt Tirtey. Er macht mit seiner Unterschriftensammlung mobil. Auch mehrere Rechtsanwälte sollen mit der Angelegenheit befasst sein.

Die Vorwürfe der politischen Gegner und auch der Unternehmer sind zum einen auf die große Geheimhaltung innerhalb der Verwaltung bis kurz vor der ersten politischen Diskussion zurückzuführen. Zum anderen wird das hohe Tempo, mit der die Entscheidung durchgepeitscht wurde, argwöhnisch betrachtet.

Was aber war passiert? Wie unsere Zeitung erfuhr, haben die Stadtverwaltung und der Vertreter der Investorengruppe bereits im Novemver 2008 Kontakt aufgenommen. Bis Ende Mai 2009 fanden zum Teil Ortsbereisungen statt, die das Ziel hatten, einen idealen Standort für den geplanten Baumarkt der Toom-Gruppe zu finden.

Als der Investor das Feld an der Ecke Von-Schöfer-Ring/Linnicher Straße gesehen hat, soll er gesagt haben: „Das ist es!” Für genau diese Parzelle ist nun die Bebauungsplanaufstellung angestoßen worden, und im Mai gab es auch fertige Pläne in der Verwaltung. Die Politik wurde erst im Juni informiert.

Die Mitglieder des Planungs-, Umwelt- und Bauausschusses fühlten sich entsprechend überrascht. Das Fachgremium meldete Beratungsbedarf an und wollte ausdrücklich keinen „Schnellschuss”. Keine zwei Wochen später stand aber bereits der Verkauf der Flächen im nichtöffentlichen Teil des Hauptausschusses zur Debatte und wurde beschlossen - eine politische Kehrtwende.
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