Bauer sucht Frau frei nach Schiller

Von: ptj
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Ist Cilli (Ilsemie Fleischhauer) eine Erbschleicherin? Oder warum sagt sie Kasimir (Karl Roberz) nicht die Wahrheit? Foto: Jagodzinska

Jülich. „Ich ben nu ens net schön, dat widd ävver mem Weische (Waschen) och net besse“. Um ihre mangelnde Schönheit weiß die schmuddelige wie einfältige Magd Trügella (Trude, Edith Lessenich) im Mundarttheaterstück „Drum prüfe, wer sich ewig bindet“.

Auf Einladung der Volkshochschule Jülicher Land und der Mundartfreunde des Jülicher Geschichtsvereins bescherte die Heimatbühne Eifeler Mundartfreunde mit der „nicht ganz jugendfreien“ Komödie den Besuchern in der vollbesetzten Stadthalle einen höchst vergnüglichen Abend.

Aus der Feder von Hauptdarsteller Karl Roberz stammt der Dreiakter, der nach Schillers Gedicht „Das Lied von der Glocke“ benannt ist. Das Stück lebt von der Spielfreude seiner Akteure und ihren unbedarft zweideutigen Dialogen, die so manche Situationskomik nach sich ziehen, aber auch vom fast exotisch anmutenden Zusammenspiel von Mundart und Poesie: Roberz spielt einen in die Jahre gekommenen Bauern, der „noch mal das Bedürfnis verspürt“: Er will seine attraktive und tüchtige Hauswirtschafterin Cilli (Cäcilie, Ilsemie Fleischhauer) ehelichen und mit ihr Nachwuchs zeugen. Diese ist aber bereits heimlich mit Pitter (Ralf Schmitz) verbandelt, dem Kasimirs Annäherungsversuche an seine Cilli ein Dorn im Auge sind.

Für Unruhe sorgen Kasimirs eingebildete wie rabiate Schwägerin Adele (Waltraud Wirtz), Pitters Mutter, die in zweiter Ehe mit dem niederländischen Grafen Hugo Von de Stang verheiratet ist, und die listige Hebamme Angenies (Agnes, Gertrud Kau). Diese hat bereits den alten Bauern Breuer mit der jungen Rosel verkuppelt, wohl wissend, dass der rothaarige Erbe der Sohn von Rosels Liebhaber ist, dem Müllersch Fuss.

Einen solchen Kuhhandel mit Folgen hat sie auch hier im Sinn und verteilt fleißig selbst zusammengemixte blaue Erektionspillen „zum Liebhaberpreis“. Währenddessen taucht der selbst ernannte und Hand küssende Poet Isidor (Manfred Schmitz) aus Köln auf, der sich ausgerechnet in den Trampel Trügella verguckt, die er als „Natur in ihrer reinsten Ausführung empfindet“. Bevor sie sein „göttlich Weib“ werden soll, muss sie aber noch viel lernen, denn: „Dichtung ist die Vollendung zwischenmenschlicher Verständigung“. Isidor schenkt Trügella ein Buch über das Eifeler Volksbrauchtum, das unter anderem auf die Tradition vorehelicher Probenächte hinweist, eine Liebesprobe ohne Reputationsverlust.

Dieses Thema bleibt der rote Faden der Handlung: Pitter diktiert Cilli die Einladung an Kasimir zu solch einer Nacht. Natürlich will er damit seinem Nebenbuhler schaden, sollte er der Einladung folgen. Das von anhaltenden Lachkrämpfen begleitete Chaos auf der Bühne nimmt seinen Lauf. Auch die eifersüchtige Gräfin will sich mit Isidors Hilfe mit der Holzkeule an dem „Flittchen“ Cilli rächen, die sie für eine Erbschleicherin hält. Der vor ihnen auf der Flucht befindliche Kasimir – im weißen Nachtgewand mit Strumpfhaltern – sucht schließlich Zuflucht unter Cillis Bett, nicht ahnend, dass das Liebespaar dort zur Probenacht zusammenkommt. Für besondere Erheiterung sorgte die schriftlichen Einladung zur Probenacht, wo es unter anderem heißt: „Da können wir dann gleich sehen, ob sich dein Prüfstein härtet.“

Über Nacht weiser geworden, gibt Kasimir Cilli und Pitter seinen Segen, sie dürfen heiraten und auf dem Hof bleiben. Im Grunde bleibt die Zukunft von Trügella und Isidor offen, ist doch die Magd von der geplanten Probenacht enttäuscht, denn die Hebamme hat versehentlich statt der Liebespillen Schlafmittel verabreicht.

Gar nicht enttäuscht waren hingegen die Zuschauer, die den sieben Aufführenden stehende Ovationen ob ihrer Leistung spendeten.

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