Barmener Sagenkreuz ist bald restauriert

Von: ptj
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Wachsguss ist fertig: Bildhauer und Bronzegießer Berthold Abel (3.v.r.) erklärt das Verfahren. Foto: Jagodzinska

Freialdenhoven. Es ist „hervorragend gestaltet, sehr gut aufgeteilt und dürfte eines der größten und schönsten Kreuze gewesen sein“. So beschrieb Bildhauer und Bronzegießer Berthold Abel in seinem Atelier in Freialdenhoven das sagenumwobene Nulandtkreuz.

Es stand im Kellenberger Wald, bis es in den 1970er Jahren dem Vandalismus zum Opfer fiel. Die Familie Hoensbroech barg das kulturelle Erbstück in stark zerstörtem Zustand aus der Rur und lagerte es im Magazin von Schloss Kellenberg ein. Anfang des laufenden Jahres stellten die Grafenfamilie und der Bau- und Liegenschaftsbetrieb Aachen in Abstimmung mit der Denkmalbehörde das Kreuz dem Barmener Kultur- und Verkehrsverein für ein Wiederherstellungsprojekt zur Verfügung.

Der Barmener Verein bat in einem Artikel in unserer Zeitung um Spenden aus der Bevölkerung. Auf diesen Bericht wurde Abel aufmerksam: „Ich bin an historischen Figuren interessiert, so nah kann man alten Meistern sonst nicht sein“, erklärt er sein Interesse.

Ihm schwebte eine „sorgfältige Restaurierung im Bronzeguss vor“, also nahm er Kontakt zum Verein auf. Als er aber das 80 x 80 Zentimeter große, 15 Zentimeter hohe und gut 100 Kilo schwere Blausteinkreuz sah, musste er „schlucken“. Er hatte es sich wesentlich kleiner vorgestellt. Ein Bronzeguss dieser Größe wäre viel zu teuer.

Inzwischen hat der Bildhauer aber mit dem „Ausschuss zur Erhaltung und Wiederherstellung des Nulandtkreuzes“ im Kultur- und Verkehrsverein eine Vereinbarung getroffen und diese nicht bereut. Nach alten Zeichnungen und einem Wegkreuz aus Kornelimünster, das „ziemlich genau der Gestaltung des Nulandtkreuzes entsprach“, hat Abel die fehlenden Teile zunächst mit Ton aufmodelliert und die Details geformt.

Mit Gips gestaltete er Formstücke für die Seitenfläche einer Negativform für den Wachsguss. Er brachte eine Silikonhaut auf, schloss die Oberseite mit einer Gipsplatte und nahm das Modell wieder „rückwärts auseinander“, bevor er das Wachsmodell ausgoss. „Ich wollte das erst mal in Wachs sehen, bevor ich den Steinguss mache“, erklärte er. Nun wird das Kreuz mittels einer Betonmischung aus Zement, feinem Sand und etwas gröberem Beton „in Stein umgegossen“ und soll nach Bekunden von Thomas Muckenheim am „Tag des offenen Denkmals“ 2016 der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Zum Projekt gehört neben der Wiederherstellung des Kreuzes die Suche nach dem wahren Kern hinter der Sage vom in der Rur versunkenen frevelhaften Ritter von Schloss Kellenberg. Recherchiert hat Alexander Holz aus Barmen. Dokumente belegen, dass sich 1391 ein Raubritter in Barmen niederließ. Der Herzog von Jülich spürte ihn auf, bezahlte das aber mit seinem Leben, er verlor seinen Kopf.

Für diese Tötung wurde der Raubritter hingerichtet. Die Sage vom grausamen Ritter, der in der Rur versank, weil er den aus seinen Verliesen geflohenen Sträfling „in des Teufels Namen“ durch die tückischen morastigen Untiefen der Rur verfolgte, ist nach Meinung Holz‘ eben die „märchenhafte Zudichtung“.

Historisch gesichert ist, dass 1682 ein hoher regionaler Aristokrat namens Nulandt zwischen Floßdorf und Kellenberg in der Rur ertrank, als das Rad seiner Kutsche brach. Das teure Gedenkkreuz ließ wahrscheinlich seine Frau errichten. Der nächste Unfall geschah Silvester 1710/11, als Theodorus Adorus in der Rur ertrank.

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