Autorenlesung: Fiktive Geschichte vor realem Hintergrund

Von: Laura Broderus
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Brigitte Glaser könnte auch Hörbücher sprechen - mit der richtigen Intonation zieht sie die Zuhörer in ihren Bann. Foto: Broderius
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Lesung xxxxxx Seite 23

Jülich. „Willkommen zu einem günstigen Abend auf der teuren Bühlerhöhe“, leitete Eva Behrens-Hommel die Autorenlesung in der Jülicher Buchhandlung Fischer ein und bezog sich damit auf den Hauptschauplatz von Brigitte Glasers Roman „Bühlerhöhe“, einem teuren Nobelhotel im Schwarzwald, in dem die jüdische Rosa Silbermann den seit drei Jahren amtierenden Kanzler Konrad Adenauer vor einem Anschlag schützen sollte.

Glaser selbst kommt aus Freiburg und weiß, dass Konrad Adenauer in diesem Hotel oft seine Ferien verbracht hat. 1952 entrann er nur knapp einem Briefbombenanschlag, ausgeführt von radikalen Zionisten aus Israel, die das Bundesentschädigungsgesetz nicht akzeptierten.

Der Grund: Die Verfolgung und Ermordung von Millionen von Juden konnte nicht wiedergutgemacht werden – und schon gar nicht mit Geld. Die Regierung Ben Gurion sah das Ganze jedoch pragmatisch: Die Wiederaufnahme von etlichen geflüchteten Juden kostete Geld und Ressourcen – da kam das Gesetz gelegen.

Auf diesem historischen Hintergrund kreiert Glaser eine eigene fiktive Geschichte, die im Sommer 1952 spielt und diese Kontroverse in der israelischen Politik wieder aufgreift. Ihre Figur Rosa Silbermann konnte vor dem Holocaust flüchten und ist mit 14 mit ihrer Schwester Rachel nach Palästina ausgewandert. Dort lebte sie in einem Kibbutz, einer sozialistischen Kollektivgemeinschaft, und hat demnach eine harte Sozialisation hinter sich.

Zurück nach Deutschland wollte sie aber trotzdem nicht. Unfreiwillig wird sie also von dem israelischen Geheimdienst Mossad mit einem geheimen Auftrag zur Bühlerhöhe geschickt und soll einen möglichen Anschlag auf Adenauer verhindern. Alles andere als eine einfache Aufgabe – sie spielt die Rolle der Ehefrau eines erfahrenen Agenten des Mossads und ist anfangs Vollzeit damit beschäftigt, kein Misstrauen zu wecken.

„Beobachtete er sie? Aber warum sollte er? Ihr Auftrag stand ihr nicht auf der Stirn geschrieben“, las Glaser aus einer Szene die Gedanken von Rosa. Dabei betonte sie in ihrer Lesung alle Stimmen unterschiedlich und schaffte es, mit ihrem Tonfall eine Spannung zu erzeugen, die einen ahnen ließ, dass sich in der Geschichte noch viel mehr verbirgt, als man anfangs glaubte.

Angekommen in der Bühlerhöhe trifft Rosa Silbermann auf ihre Gegenspielerin, Sophie Reisacher. Sie arbeitet als Hausdame im Hotel und hat ein Gespür für die Geheimnisse von Fremden. Rosa gegenüber wird sie sofort misstrauisch: „Sie würde schon noch herausfinden, was mit dieser Frau nicht stimmte“, las Glaser. Als Frau von einem SS-Mann realisiert Sophie Reisacher gegen Ende des Krieges, dass sie nicht nur auf den falschen Mann, sondern auch auf das falsche Land gesetzt hat, flieht von Straßburg nach Baden-Baden und erhält Schutz als Geliebte eines französischen Offiziers. Sie träumt von gesellschaftlichem Aufstieg und verfolgt genau wie Rosa ihre eigenen Pläne.

Brigitte Glaser hat mit diesem Roman ihren ersten historischen Roman fertiggestellt. Als studierte Sozialpädagogin fing sie vor 14 Jahren an zu schreiben, hauptsächlich Krimis, aber auch Jugendbücher. „Die Recherche habe ich immer mal nebenbei gemacht, der wirkliche Schreibprozess hat dann ein Jahr gedauert“, so Glaser. „Man macht sich Gedanken über die Figuren, muss dann aber erstmal weiter nachforschen, wie die historischen Gegebenheiten waren. Dann entwickelt sich langsam ein Konzept. Aber eines ist immer gleich: Mit jeder Antwort kommt eine neue Frage“, gewährt sie Einblick in die Romanentstehung.

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