Ausstellung mit 16 Kostbarkeiten aus Jülicher Kirchen

Von: ptj
Letzte Aktualisierung:
14715172.jpg
Glänzende Messgefäße erzählen ihre Geschichte: Kurator Guido von Büren (M.) führt durch die Jülicher Ausstellung. Foto: Jagodzinska

Jülich. „Alle um einen Tisch“ hat das Kooperationstrio aus Pfarrei „Heilig Geist“, Citykirche und Museum Zitadelle seine Ausstellung mit ausgewählten Kirchenschätzen aus allen 16 Gemeinden betitelt. Denn die sakralen Objekte im Westturm der Propsteikirche haben alle mit der Messfeier zu tun.

Es handelt sich um Kelche, Schalen, Monstranzen, ein Reliquiar, die Gewänder Kasel, Stola und Manipel, Weihrauchfass und Schiffchen, Versehgerät für die „letzte Ölung“ und Ziborium (Hostienkelch). Der Titel wurde auch „nicht ganz unbewusst 500 Jahre, nachdem das Tischtuch der Christen so ein bisschen gelitten hat“, ausgewählt. „Wir versuchen wieder zusammenzunähen, an unsere gemeinsame Geschichte zu erinnern, Menschen zusammenzubringen“, stellte Propst Josef Wolff den roten Faden heraus.

Wie kam es überhaupt zum Zusammentragen der Kirchenschätze? „Nach der Fusion ist uns aufgefallen, was wir so alles haben. Watt mache mer eigentlich damit“, formulierte der Geistliche salopp seine rhetorische Frage. Seine Antwort: „Zeigen wir doch einfach mal, wie reich an Geschichte wir sind.“ Drei Anliegen verbergen sich hinter der Schau. Zunächst, sie der breiteren Öffentlichkeit zu zeigen und damit eventuell einen „Aha-Effekt“ zu bewirken. Zweitens steht die Identität der einen Pfarrei mit ihren 16 Gemeinden dahinter.

Der größte Schatz sind natürlich die Mitglieder, die die Kirche mit Leben füllen. Drittens geht es um den Multiplikationseffekt. Seit der Propst Kosten und Mühen kennt, vermehrten sich seine Anerkennung und Respekt für die Organisatoren, vor allem für den „Arbeitskreis Kirchenschatz“, der unter vielem anderen ein Objekt pro Kirche auswählte.

Und zwar dasjenige, das ihn durch Erscheinungsbild oder die Geschichte dahinter am meisten berührte. „Kirchen sind keine Museen, aber sie bergen mitunter wertvolle kulturelle Zeugnisse, die auch einen musealen Wert und Charakter haben“, startete Kurator Guido von Büren seine Präsentation bei der Voreröffnung, in deren Mittelpunkt die Herausforderung der Pfarrei zur Bewahrung ihrer Kirchenschätze stand.

Zwölf von 16 Kirchen der Pfarrei „Heilig Geist“ stehen übrigens unter Denkmalschutz. Das älteste Ausstellungsobjekt ist eine vergoldete gotische Turmmonstranz mit renaissancezeitlichem Dekor aus St. Philippus und Jakobus Broich. Sie stammt von 1635 und ist mit Dürener Meister- und Beschauzeichen versehen. Die sorgfältig gearbeiteten Figürchen der Broicher Kirchenpatrone Philippus und Jakobus beweisen, dass das Schaugefäß eigens für die Kirche angefertigt wurde.

Ein weiteres spannendes Beispiel ist ein Set aus Schale und Kelch aus farbig glasierter Keramik, das aus einer palästinensischen Töpferei stammt. Das Motiv – zwei Fische und ein Korb – erinnert an das Brotvermehrungswunder am See Genezareth. Heinrich Bardenheuer, einst Pfarrer in Mersch und Güsten, brachte sie von einer seiner Israel-Reisen mit und setzte sie in seinen Eucharistiefeiern ein.

Erwähnenswert ist zudem ein mit Ring und Kette befestigtes „Versehkreuz“ aus St. Andreas und Matthias Lich-Steinstraß aus 1837. Das Kreuzesinnere beherbergt alles Notwendige für die „letzte Ölung“ des Sterbenden zu Hause, nämlich eine ovale Kapsel für Krankenöl im Sockel und eine runde Hostienkapsel im Schnittpunkt der Kreuzarme. Der Sterbende sollte nicht ohne Sündenvergebung und Wegzehrung seinen letzten Weg antreten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert