Ausstellung in Jülich: Die Banane ist für Baumgärtel nicht alles

Von: Daniela Mengel-Driefert
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Thomas Baumgärtel erzählt in Jülich mit viel Humor über seine künstlerische Arbeit. Foto: Daniela Mengel-Driefert

Jülich. Was ist Kunst? Thomas Baumgärtel markiert ausgewählte Kunstorte mit der „Spraybanane“ – weltweit. Er setzt Zeichen und bewertet ganz subjektiv. Seine Ausstellung mit Malerei und Sprayarbeiten ist in der Galerie Red Point in Jülich zu sehen.

Die Kunst ist dabei nicht die Banane. „Die Reaktion der Menschen auf die Banane ist die eigentliche Kunst!“, erklärt Baumgärtel in seinen einführenden Worten auf der Preview anlässlich seiner Ausstellung „Transition – Werke im Übergang“ in der privaten Jülicher Kunsthalle „Red Point“ von Otti und Hans Boos in der Elisabethstraße. „Über die Reaktionen kann ich ein Buch schreiben“, fügt er „verschmitzt“ lächelnd hinzu.

In den 80er-Jahren sprühte Baumgärtel in der Dunkelheit und im Verborgenen. Die Galeristen sahen in der Kunst-Aktion eine Beleidigung und überhäuften ihn mit Anzeigen und Schadensersatzklagen. „Klar, ich habe den Spieß umgedreht, habe Kunst bewertet und nicht die Galerien mich“, sagt Baumgärtel heute und erzählt wie er sich einst in München in U-Haft wiederfand. Gerade die großen Galerien verklagten ihn damals.

Heute ist sein Markenzeichen ein beliebtes Gütesiegel und begehrt: „Der Bananensprayer kommt! Kriegen wir die Banane oder nicht?“ Baumgärtel fühlt sich hofiert wie ein Restaurantkritiker, der Sterne vergibt. Auf die Banane kam der Künstler aus einer Intuition heraus. Als Zivildienstleistender im Krankenhaus stieß er auf ein Holzkreuz ohne Korpus. Ein Nagel schaute hervor. Spontan nahm Baumgärtel seine Frühstücksbanane und heftete sie ans Kreuz. So war das erste Bananenobjekt geboren. Doch die Banane ist nicht alles. In Jülich ist eine große Bandbreite seiner Arbeit zu sehen. Die Ausstellung mit dem Titel „Transition – Werke im Übergang“ zeigt Bilder aus den letzten dreißig Jahren und ist eine Zwischenbilanz. Der Titel ist eine Reminiszenz an Hans Boos, Inhaber des gleichnamigen Logistikunternehmens, sowie an die Geschichte der Stadt Jülich, die wie der Künstler eine Zeit des Wandels durchlebte.

Die gekreuzigte Banane steht am Anfang. Darauf folgten Arbeiten an der Kölner Werkschule mit Bananenschalen. Auch Alte Meister, Reproduktionen, Flohmarktbilder, die Baumgärtel mit leuchtenden Bananen übersprühte, werden gezeigt.

In einer späteren Schaffensphase entstand der Bananenpointilismus. Unzählige Mini- Bananen fügen sich zum großen Ganzen. Auch Jahre der bunten Bilder folgten. „Dann habe ich Früchte gemalt“, sagt Baumgärtel.

Auch wenn die Banane nicht alles ist, so dominiert die gelbe Frucht doch sein Werk und leuchtet auch in Jülich fröhlich von den Wänden. Weltweit markierte Thomas Baumgärtel 4000 Kunstorte mit der Spraybanane, darunter die 60 interessantesten in New York oder die 40 besten in London.

Nach einer spektakulären Aktion zum 750. Domjubiläum vor dem Domhauptportal mit einer vier Tonnen schweren Bananenskulptur plant er derzeit ein „Projekt für Berlin“ am Brandenburger Tor. Thomas Baumgärtel studierte Freie Kunst an der Fachhochschule Köln und Psychologie an der Universität Köln, war Meisterschüler bei Prof. Franz Dank. Der Künstler lebt und arbeitet in Köln. Kunsthistorikerin Ilona Loseck vermittelte den Kontakt und holte Thomas Baumgärtel nach Jülich.

Die Ausstellung ist bis zum 3. November in der Kunsthalle Red Point im Hause Boos Logistik, Elisabethstraße1 in Jülich, zu sehen. Wochentags ist die Werkschau von 15 bis 18 Uhr und am 3. November von 12 bis 18 Uhr geöffnet sowie nach Vereinbarung unter Telefon 02461/9376911.

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